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Dahme-Spreewald Glückliche Tiere auf dem Biohof
Lokales Dahme-Spreewald Glückliche Tiere auf dem Biohof
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14:18 02.09.2014
Kathrin und Andreas Lütteken kontrollieren jeden Tag, ob es ihren Rindern auf der Weide gut geht. Quelle: Aileen Hohnstein

„Ich denke schon, dass unsere Tiere glücklich sind“, sagt Andreas Lütteken. Sicher, diese Einschätzung sei subjektiv, die Tiere könne man nicht befragen. „Aber man sieht, wie wohl sich die Kühe fühlen, wenn sie auf die Weide kommen und dann herumspringen“, erzählt der 47-Jährige. „Wie die Schweine es genießen, sich ins frische Heu zu wühlen oder in ihrer Suhle im Außengehege.“ Auf dem BiolandhofKlinkenmühle“ in Gottsdorf (Teltow-Fläming) gehört das zum Alltag. Andreas und Kathrin Lütteken legen Wert darauf, ihre Tiere artgerecht zu halten. 150 Rinder und 20 Schweine zählt der Hof – im Stall oder auf den umliegenden Weiden.

Alles Bio, oder was?

In den kommenden Wochen widmet sich die MAZ dem Thema Bio. Woher kommen die ökologisch hergestellten Lebensmittel, welche Rolle spielt diese naturnahe Landwirtschaft in der Region Dahmeland-Fläming und was bedeutet der Bio-Trend für unseren Alltag? Mit diesen Themen haben wir uns in der Serie beschäftigt.

Folge 1 : Region ist bundesweit Spitzenreiter

Folge 2 : Schrot und Korn – Ökologischer Getreideanbau

              Regionaler Kreislauf - Bio-Mehl aus Gottsdorf

Folge 3 : Von wegen alles Käse – Bio-Milchwirtschaft

              Brandenburger Biomilch für Deutschland

Folge 4 : Von der Weide auf den Teller – Ökologische Viehzucht

Folge 5 : Auf dem Einkaufszettel – Bio-Produkte in der Region erwerben

Folge 6 : Bio ist nicht gesünder - Lebensmittel unter der Lupe

Folge 7 : Bio auf der Speisekarte – Kleine Kochschule und Gastro-Tipps

Richtlinien zur artgerechten Haltung

Aber was heißt eigentlich artgerechte Haltung? Ab 2001 bauten sie nach EU-Ökonom an, seit 2005 ist der Hof Bioland-zertifiziert. Nach den Richtlinien des Bioanbauverbands bedeutet das: mehr Platz im Stall und Auslauf für die Tiere als dies bei konventionellen Betrieben der Fall ist. Rinder dürfen zudem nicht enthornt, Antibiotika dürfen den Tieren nur in Ausnahmefällen und keinesfalls prophylaktisch verabreicht werden. Den Schweinen werden auch nicht die Zähne gekappt. Und die Ringelschwänze dürfen bleiben.

Bio-Tipps der Region

Bitte fahren Sie mit der Maus über die interaktive Karte. Hinter den grünen Kreisen befinden sich Tipps der Redaktion. Während der nächsten Folgen wird die Karte immer wieder erweitert.

 

Ringelschwänze sind auch beim Borstenvieh in Klinkenmühle zu bewundern. „Die Tiere werden doch nur dann aggressiv und beißen sich die Schwänze ab, wenn sie gelangweilt sind“, sagt der Landwirt. Dank ihres Außengeheges, in dem sie ausgiebig wühlen oder auf Stöckchen herumbeißen, seien sie aber gut beschäftigt.

Vor allem Schweine und Rinder

  • In beiden Landkreisen machen Schweine den größten Tierbestand aus. Rund 160000 Schweine gibt es in Dahme-Spreewald – etwa 25 Prozent von ihnen werden nach ökologischen Standards gehalten.
  • In Teltow-Fläming gehören zum Tierbestand derzeit insgesamt rund 100500 Schweine – zirka 2800 davon werden von Bio-Landwirten gehalten. Es gibt ein Unternehmen, das sich ausschließlich auf Bio-Mastschweine spezialisiert hat.
  • Rinder werden in Teltow-Fläming zum Großteil von konventionellen Landwirten gehalten. Von den insgesamt rund 34200 Rindern in Teltow-Fläming befinden sich gerade einmal etwa 830 Tiere auf Bio-Bauernhöfen. Neun Landwirte haben sich auf die Haltung von Bio-Rindern spezialisiert.
  • Im Landkreis Dahme-Spreewald machen die Bio-Rinder gut die Hälfte des gesamten Bestands von 360000 Tieren aus. 30 der insgesamt 68 Öko-Betriebe halten Rinder.
  • Auch Schafe werden nach ökologischen Richtlinien gehalten. In Teltow-Fläming gibt es zum Beispiel zwei Unternehmen, die Schafhaltung betreiben. Rund 1700 der insgesamt etwa 5900 Tiere sind Bio-Schafe. (von Nadine Pensold)

Unangekündigte Stichproben

Ein weiterer Unterschied zu konventionellen Betrieben ist, dass der Stallboden mit frischem Heu ausgestreut wird. „Es ist etwas anderes für das Wohlbefinden der Tiere, wenn sie auf einem Spaltenboden aus Beton stehen müssen oder sich auch mal ins Heu legen können“, ist sich Andreas Lütteken sicher. Einmal im Jahr wird der Hof zu einem vorab bekannten Termin überprüft, ob alle Richtlinien eingehalten und wie die Tiere versorgt werden, welches Futter gegeben und wie viel zugekauft wurde. Aber der Anbauverband kann auch jederzeit jemanden zu einer unangekündigten Stichprobe vorbeischicken. Die Regeln einzuhalten, ist für das Ehepaar Lütteken kein Problem – im Arbeits alltag haben sich die Abläufe und Vorgaben längst etabliert. „Aber der Schreibkram – da kann man graue Haare kriegen“, stößt Andreas Lütteken mit einem Seufzer aus. Alles muss genau eingetragen werden.

Discounter zerstören die Preise für Bio-Fleisch

Trotz des Mehraufwandes wollen die Lüttekens auf keinen Fall zurück zum konventionellen Landbau wechseln. Auch wenn der finanzielle Lohn für die Arbeit nur geringfügig höher ausfällt als bei konventionellen Landwirten. „Pro Kilo Fleisch von einem Masttier erhalten wir zirka 4,20 Euro“, erläutert Andreas Lütteken. Das sind 40 bis 50 Cent mehr, als konventionelle Bauern für ihr Fleisch erhalten.

Auf dem Biolandhof Klinkenmühle haben die Schweine noch ihre Ringelschwänze. Und im Außengehege gibt es Platz zum Suhlen und Wühlen. Quelle: Aileen Hohnstein

Die Differenz sei in den vergangenen Jahren immer geringer geworden. Vor allem durch die billigeren Bio-Angebote in Discountern werde die Preisstruktur zerstört, findet Andreas Lütteken. Dabei benötigen Biobauern laut Lütteken ein höheren Gewinn, da sie im gleichen Zeitraum weniger produzieren als konventionelle Landwirte. Nun reiche der Gewinn, um alle Kosten, die auf dem Hof anfallen, zu decken. „Wir müssten eigentlich fünf bis sechs Euro bekommen, weil wir auch teureres Futter produzieren und ohne Stickstoffdüngung mit mehr Aufwand weniger ernten“, ergänzt Kathrin Lütteken. Auf 220 Hektar Acker- und Wiesenflächen bauen sie Brotgetreide und Kraftfutter wie Hafergerste an, aber auch Buchweizen oder Ölleinen.

Zum Überleben eine Nische suchen

„Man muss eine Nische finden, in der man bestehen kann“,beschreibt es Andreas Lütteken. In Klinkenmühle ist dies die Bauernhofpension mit der Direktvermarktung von Produkten aus Schweine- und Rinderfleisch. „Wir stellen das her, was man noch von Hausschlachtungen von früher kennt“, sagt Kathrin Lütteken. Sülz- und Blutwurst, Knacker und Salami. Auch am Lebensende der Tiere ist es den Lüttekens wichtig, diesen Stress zu ersparen. „Wir haben hier ein Schlachthaus mit EU-Zulassung eingerichtet“, sagt Kathrin Lütteken. Somit gehe es für die Tiere, die für den Eigenverbrauch geschlachtet werden, direkt vom Stall in die Schlachterei. „Damit ist es für das Tier schonender“, sagt Kathrin Lütteken.

Interview

Keine Unterschiede

Clemens Müller ist Amtstierarzt des Landkreises Dahme-Spreewald.

MAZ: Herr Müller, besteht ein Unterschied zwischen den tierärztlichen Kontrollen in ökologischen und konventionellen Landwirtschaftsbetrieben?
Clemens Müller: Nein. Für uns geht es um die Betriebe im Allgemeinen, daher werden die Betriebe – egal ob ökologisch oder konventionell – alle gleich behandelt. Den Unterschied legen die Ökoverbände fest, die auch die Einhaltung ihrer Kriterien selbst überprüfen.

Worauf achten Sie bei den Kontrollen in der Viehhaltung?
Müller: Grundlage unserer Arbeit ist die Tierschutznutztierhaltungsverordnung. Wir kontrollieren neben der Einhaltung des Tierschutzes auch die Tierarzneimittel. Ebenso prüfen wir die Einhaltung des Seuchenschutzes. Ganz aktuell geht es zum Beispiel um den Schutz vor der Afrikanischen Schweinepest. Da sind Tiere mit Auslauf eher gefährdet, da sie leichter Kontakt zu möglicherweise infizierten Wildtieren haben können.

Wie oft finden solche Kontrollen statt?
Müller: Es wird jedes Jahr eine Risikoliste erstellt, die wir abarbeiten. So werden zwischen 50 bis 60 Betriebe pro Jahr kontrolliert. Die Ökoverbände führen sogar noch mehr Kontrollen durch.

Sind ökologisch gehaltene Tiere gesünder als die aus konventioneller Landwirtschaft?
Müller: Ich bin kein Wissenschaftler und habe darüber auch keine Studie verfasst. Meine persönliche Meinung nach 20 Jahren Berufserfahrung ist aber, dass es da keinen Unterschied gibt.

Wie ist es prinzipiell um die Haltungsbedingungen in der Region bestellt?
Müller: Wir haben eine intensive Landwirtschaft, ich kann mich aber an keinen Fall erinnern, wo es größere Probleme oder gravierende Verstöße gab. Unsere Bauern sind da allgemein sehr positiv eingestellt.

Interview: Nadine Pensold

Von Aileen Hohnstein

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