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14:36 06.04.2017
Das Cargo Center am BER ist bereits seit August 2013 voll funktionsfähig und fertigt unter anderem die Expressdienste UPS und Fedex ab.
Das Cargo Center am BER ist bereits seit August 2013 voll funktionsfähig und fertigt unter anderem die Expressdienste UPS und Fedex ab. Quelle: FBB/Günter Wicker
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Schöenfeld

Am BER geht die Post ab. Und das im Wortsinn. Gemeint ist das Geschehen im und am BER Cargo-Center, wo seit August 2013 die weltweit operierenden Express-Dienste UPS und Fedex über die Hallenfläche der Wisag Cargo Service abgefertigt werden. TNT Express (im vergangenen Jahr von Fedex übernommen) hat außerdem im Express-Center ein Verteilzentrum eingerichtet. Von dort verbinden diese Dienstleister täglich mit mehreren Maschinen Kunden aus der Region und Westpolen über ihre Europadrehkreuze in Köln (UPS), Lüttich (TNT) und Paris (Fedex) mit der Welt.

8000 Tonnen Expressgut im Jahr

Etwa 8000 Tonnen Expressgut pro Jahr treten so ihren Weg vom BER Cargo-Center und dem SXF Express-Center aus ins Ausland an. „Die Beladung und Abfertigung erfolgt meist in den späteren Abendstunden durch den Frachtabfertiger Wisag Cargo Service. Geflogen wird derzeit über die Nordbahn und damit vom Flughafen SXF aus“, erläutert Torsten Jueling, Manager bei der Flughafengesellshaft Berlin-Brandenburg (FBB).

Frachtumschlag soll bis 2025 von 90 000 auf 120 000 Tonnen steigen

Nach der BER-Inbetriebnahme und dem Umzug der Fluggesellschaften aus Tegel rechnen die FBB-Cargo-Spezialisten damit, dass sich durch weitere Langstreckenflüge der Luftfrachtumschlag von aktuell 90 000 Tonnen auf 120 000 Tonnen im Jahre 2025 erhöhen wird. Die Planungen zur Errichtung der neuen Cargo-Halle seien in enger Abstimmung mit den Kunden erfolgt und werden im Rahmen der Masterplanung aktualisiert, sagt Jueling. Denn auch der Frachttransport entwickle sich an den Flughäfen in Schönefeld und Tegel ebenso rasant wie die Fluggastzahlen, die im vergangenen Jahr die 33-Millionen-Marke erreicht hatten.

Luftfrachtverkehr derzeit vor allem in Tegel

Der Frachtverkehr per Luft erfolgt derzeit aber vor allem auf den Langstecken-Routen ab Tegel. „Da hebt keine Maschine nach Nordamerika oder in den asiatischen Raum ohne Waren an Bord ab. Der Beiladeraum ist ja ähnlich groß wie der Passagierraum. Das wird effizient ausgenutzt“, erläutert der Manager. Ein Drittel aller Exporte (nach Warenwert) aus der Region würde als Luftfracht transportiert. Das betreffe vor allem hochwertige Produkte oder schnell verderbliche Waren wie Medikamente, Elektronik oder Turbinen.

Vor allem Fracht in Passagiermaschinen

Aufgrund der Bedeutung von Deutschland als größtem Luftfrachtmarkt in Europa mit einem prognostizierten Aufkommen von sieben Millionen Tonnen Luftfracht bis zum Jahr 2030 rückt der Hauptstadtflughafen als Wirtschaftsfaktor zunehmend in den Fokus. Der Airport Berlin-Brandenburg ist im Gegensatz zu Leipzig – hauptsächlich als DHL-Expressflughafen – ein typischer „Beiladefrachtflughafen“. „Das heißt: Mit der weiteren Zunahme des Passagier-Langstreckenverkehrs wird auch der Frachttransport ansteigen“, sagt Jueling. Er sieht darin sogar einen ökologischen Vorteil. Denn mit den Langstreckenfliegern könnten bisherige Straßentransporte reduziert und beispielsweise der Berliner Ring entlastet werden.

Nachfrage nach Verbindungen nach Amerika und Asien

Gefragt sind bei Kunden wie dem Pharmaunternehmen Bayer, bei Siemens, MTU oder Rolls-Royce Transportmöglichkeiten und Verbindungen nach Amerika oder Asien. Der Airport JFK in New York wird ab diesem Sommer bereits viermal täglich von Berlin-Tegel aus angeflogen. Die Langstreckenverbindungen von Air-Berlin, Delta Air und United bringen 28 Mal in der Woche Passagiere und Luftfracht zu den Flughäfen in New York. Chicago, Miami, Los Angeles und San Francisco sind weitere Ziele im Non-Stop-Verkehr. 21 Mal pro Woche heben Maschinen in den Mittleren Osten ab, acht Mal nach China und die Mongolei und vier Mal nach Kanada. Größter Handelsmarkt ist derzeit Asien. 56 Prozent der Luftfracht gehen bereits dorthin. „Berlin bietet sich aufgrund seine geografischen Lage hervorragend als Europaverteiler für den Handel mit dem asiatischen Wirtschaftsraum an“, schätzt Torsten Jueling die Situation ein.

Beiladung bei Langstrecke wächst pro Jahr um 15 Prozent

Wurden auf diesem Weg im Jahr 2010 noch 13 000 Tonnen Luftfracht transportiert, waren es im vergangenen Jahr bereits 32 000 Tonnen. Die Beiladung zu den Langstrecken wächst pro Jahr um 15 Prozent. „Die aktuell laufende Masterplanung für den BER berücksichtigt die Zunahme des Frachtverkehrs und wird Vorschläge für ein Expresszentrum sowie den bedarfsgerechten Ausbau der Beiladefracht enthalten“, kündigt der Logistiker an. Er rechnet mit einem Luftfrachtaufkommen von mehr als 200 000 Tonnen ab dem Jahr 2030.

Von Uta Schmidt