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Dahme-Spreewald Alyssas Mörder hat 78-mal zugestochen
Lokales Dahme-Spreewald Alyssas Mörder hat 78-mal zugestochen
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00:42 21.08.2014
Kurz vor dem Prozessbeginn: Der Angeklagte verdeckt sein Gesicht mit einem Aktenordner .
Kurz vor dem Prozessbeginn: Der Angeklagte verdeckt sein Gesicht mit einem Aktenordner . Quelle: Oliver Mehlis
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Cottbus

Immer wieder hört man ein leises Schluchzen, dazwischen die monotone Stimme der Staatsanwältin, die das Unfassbare vorträgt. Den Mord an Alyssa. Die Mutter sitzt nur wenige Meter neben der Staatsanwältin, muss alles mitanhören. Am Anfang schluchzt sie noch leise. Dann weint sie.

Am Montag hat vor dem Cottbuser Landgericht der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder von Alyssa begonnen. Der 20-jährige Maurice M. soll die 14-Jährige brutal ermordet haben. Mit 78 Messerstichen. "Heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen", heißt es in der Anklageschrift. Außerdem hat er einen Freund von Alyssa verletzt, der ihr zu Hilfe eilen wollte.

Trauernde legten am Tatort Blumen, Tee- und Grablichter ab. Quelle: Tim Brakemeier

Der Fall Alyssa

Neun Monate ist sie her, die tödliche Messerattacke auf die 14-jährige Alyssa aus Eichwalde (Dahme-Spreewald).
Eine Chronik.

Nachdem Staatsanwältin Antje Lukoschos die Anklage verlesen hatte, war der Prozesstag fast schon zu Ende. Die Verteidiger von Maurice M. stellten einen Befangenheitsantrag gegen die Richter. Bevor es mit Zeugenaussagen weitergeht, muss über diesen Antrag entschieden werden. Der nächste Prozesstag ist am 5. September.

Maurice M. ist ein schmächtiger und blasser junger Mann. Die langen schwarzen Haare hat er zu einem Dutt zusammengebunden. Er trägt eine große schwarze Hornbrille. Sein Anzug sieht zwei Nummern zu groß aus. Während die Anklageschrift verlesen wird, hält er den Kopf gesenkt, meidet den Blickkontakt mit Alyssas Mutter, die ihm gegenüber sitzt.

Mit dem Urteil ist wahrscheinlich nicht vor Ende November, Anfang Dezember zu rechnern. Ursprünglich sollte der Prozess Anfang November beendet sein. Quelle: Oliver Mehlis

Er sieht aus wie jemand, den man schnell mal übersieht, der in der Schule gerne in der letzten Reihe sitzt. Sein Auftreten steht im krassen Gegensatz der Tat, die er begangen haben soll. Treffen die Vorwürfe zu, dann hat Maurice M. am 18. November vergangenen Jahres mit unfassbarer Aggressivität immer wieder auf Alyssa eingestochen.

Die beiden hatten sich im Internet kennen gelernt. Wenige Wochen vor der Tat hatte Maurice M. ein Wochenende bei Alyssa verbracht. Mit Zustimmung der Eltern. Wenige Wochen später besuchte er sie erneut. Doch Alyssa wollte die Beziehung beenden. Bei einem Treffen am Eichwalder Sportplatz gerieten sie in Streit. Maurice M. schlug das Mädchen daraufhin mit einer Bierflasche nieder, schleifte sie zu einem Baum, wo sein Rucksack lag. Dort stach er mit einem kleinen Messer auf sie ein. Dann nahm er ein zweites Messer aus seinem Rucksack und stach weiter zu. Insgesamt 78 Mal. Als Alyssas Mutter das hört, kann sie ihre Tränen nicht mehr zurückhalten.

Der Fall machte bundesweit Schlagzeilen - auch der Fernsehsende N24 berichtet am Montag über den Prozess. Quelle: MAZonline

Der Prozessbeginn war am Montag ursprünglich für 11 Uhr angesetzt, musste aber kurz vor Beginn nach hinten verschoben werden. Ein Schöffe hatte festgestellt, dass er bei folgenden Terminen nicht verfügbar ist. Ein Ersatzschöffe musste kommen.

Für Montag waren acht Zeugen geladen. Wegen eines Befangenheitsantrags wurde jedoch keiner vernommen. Zwei der drei Richter, die in dem Prozess zuständig sind, hatten vor einigen Wochen eine Haftbeschwerde von M.’s Verteidigern abgelehnt. Der 20-Jährige sitzt seit der Tat in Untersuchungshaft. Seine Verteidiger plädierten dafür ihn freizulassen, weil keine Fluchtgefahr bestehe. Die Richter lehnten das ab, mit dem Hinweis darauf, dass die Tat "bestialisch und grausam" gewesen sei. Außerdem sprachen sie von einem Gemetzel.

Am 5. September geht der Prozess weiter. Ein Urteil soll es spätestens im Dezember geben.

Die unterschätzte Gefahr

  • Anonyme Bekanntschaften im Internet sind nach Ansicht von Experten eine oftmals unterschätzte Gefahr.
  • Danny Speckhahn, Leiter der Ermittlungsgruppe für Cyber-Kriminalität im Landeskriminalamt Eberswalde, sagt, dass durch die Anonymität des Internets Hemmschwellen abgebaut würden. Es falle oft leichter, sich mit geschriebenen Worten mitzuteilen. Und wer eher schüchtern sei, der kommuniziere lieber über das Internet.
  • Der Kriminaloberkommissar fordert die Eltern auf, mehr zu kontrollieren. Speckhahn schätzt die Zahl der relevanten Onlineforen bundesweit auf 50, die Zahl der Nutzer auf bis zu 20 Millionen, oft Kinder und Jugendliche.

Von Christian Meyer

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