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Dahme-Spreewald Mutter-Kind-Gruppen statt Kitaplätze
Lokales Dahme-Spreewald Mutter-Kind-Gruppen statt Kitaplätze
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10:58 08.12.2016
Montessori Schule Niederlehme, wo ab Januar eine Eltern-Kind-Gruppe einzieht.
Montessori Schule Niederlehme, wo ab Januar eine Eltern-Kind-Gruppe einzieht. Quelle: Gerlinde Irmscher
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Königs Wusterhausen

Wegen mangelnder Kitaplätze plant die Stadt Königs Wusterhausen ab Anfang nächsten Jahres 30 Plätze für sogenannte Eltern-Kind-Gruppen dauerhaft einzurichten. Das beschloss die Stadtverordnetenversammlung am Montag. Bei dem Angebot handelt es sich um eine Betreuung für Kleinkinder im Alter von null bis sechs Jahren, die während des Aufenthalts in den Einrichtungen von einem Elternteil, meist der Mutter, durchgängig begleitet werden. Neben den Müttern kümmern sich Betreuer vor Ort um die Kinder. Auf dem Programm stehen soziale Rituale, Sport, Spiel sowie Integration.

Konkret sollen 20 Plätze für Kinder und Eltern in den nicht genutzten Räumlichkeiten im Obergeschoss der Puschkinstraße 16 in Zeesen geschaffen werden, sowie zehn Plätze in zwei Räumen der Montessori-Grundschule in Niederlehme als Ergänzungsangebot des Schulträgers Fürstenwalder Aus- und Weiterbildungszentrums (FAW). Durch die Stadt werden dort ein Gruppenraum und eine Küche baulich hergerichtet. Kosten insgesamt: 21 600 Euro pro Jahr.

Das Angebot richtet sich zwar an alle Familien im Stadtgebiet, im Besonderen aber an Flüchtlinge in den drei Gemeinschaftsunterkünften Körbiskrug, Wernsdorf und Ukley. Dort sind rund 30 Kinder im Alter von null bis sechs Jahren untergebracht, die Anspruch auf einen Kitaplatz haben.

Laut einer Sprecherin der Stadt soll das Angebot keine Kitaplätze ersetzen, sondern sei als „bedarfsergänzendes Angebot“ zu verstehen. Die Lage sei „angespannt“. Im Kita-Bereich wären nur noch vereinzelt Plätze vorhanden, in den Krippen fehlten solche komplett. Es müssten nun „durch zusätzliche Maßnahmen mehr Kapazitäten geschaffen werden.“ Dass mit den Flüchtlingen deutsche Mütter dem Betreuungsangebot fernbleiben, befürchtet die Stadt nicht.

Daniel Lohse, Schulleiter der Montessori Gesamtschule in Niederlehme: „Unser Träger FAW hatte sich dafür beworben. Unsere Schule wie auch die Grundschule stehen voll dahinter und stellen die notwendigen Räumlichkeiten. Wir freuen uns auf den Tag, wenn es endlich losgeht.“ Mit der Eltern-Kind-Gruppe werde das Bildungsangebot am Standort Niederlehme um einen weiteren Jahrgang erweitert und finde eine Qualitätsverbesserung statt. „Damit haben wir dann ein Angebot, das vom Kindergarten bis zum Abitur reicht“, sagte Lohse.

Die Eltern-Kind-Gruppen sind nicht unumstritten. „Das ist ein Alibi-Angebot“, kritisierte Priska Wollein von den Freien Wählern KW. Der Landkreis sei verpflichtet, ausreichend Kita-Plätze zur Verfügung zu stellen, schaffe das aber nicht und errichte anstelle dessen solche Gruppen. „Wir brauchen nicht weitere Eltern-Kind-Plätze, sondern wir brauchen Kitaplätze.“ Außerdem hielte die Stadt hinter dem Berg damit, wie viele Kitaplätze tatsächlich fehlten. Wollein selbst geht von 150 schnell benötigten Plätzen aus.

Die prekäre Situation mit zu wenigen Kitaplätzen sei zudem nicht durch die Flüchtlinge entstanden, sondern durch den massiven Zuzug in bestimmten Ortsteilen wie Senzig und Zernsdorf. „Das Angebot ist auch wenig integrationsförderlich.“ So könnten die Mütter, die ihren Nachwuchs mitbetreuen müssten, in dieser Zeit „keinen Integrations- und Sprachkurs besuchen, kein Praktikum absolvieren, keine Behördengänge erledigen oder berufsvorbereitenden Maßnahmen“, so Wollein. Auch komme man dem Bildungsauftrag nicht ausreichend nach, da zu wenige Betreuer für zu viele Kinder zuständig seien und bei Eltern-Kind-Gruppen anders als bei Kitas kein gesetzlichen Bildungsauftrag bestehe. „Die Kinder erfahren nicht die Integration durch diese Kurse, die sie durch gemischte Gruppen hätten.“

Während die Flüchtlinge in Körbiskrug und Wernsdorf die Standorte, wo die Angebote künftig laufen, gut erreichen, kämen die Menschen aus der Unterkunft Ukley mit dem ÖPNV nicht in angemessener Zeit hin und zurück. Sie könnten das Angebot nicht wahrnehmen.

Interessierte Eltern melden sich bei der Stadtverwaltung im Sachgebiet Familie und Bildung.

Von Oliver Becker

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