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Dahme-Spreewald Bio und Region müssen Hand in Hand gehen
Lokales Dahme-Spreewald Bio und Region müssen Hand in Hand gehen
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14:29 02.09.2014
Holger Jonas, Geschäftsführer der Dubrower Agrargesellschaft, bewirtschaftet 600 Hektar nach ökologischen Maßstäben. Hier steht er inmitten von Winterroggen. Quelle: Hohnstein

Nachhaltigkeit ist für uns ganz wichtig“, sagt Holger Jonas mit Nachdruck. Er ist der Geschäftsführer der Dubrower Agrargesellschaft, wo auf 600 Hektar Getreide, Hülsenfrüchtler und Feldfutter angebaut werden. Und zwar in Bioqualität. Auf 40 Hektar Wiesen weiden außerdem 50 Mütterkühe. Die Rinder sind auch wichtig, hinsichtlich der Kreislaufwirtschaft, erklärt Holger Jonas. Denn Ökolandbau ohne Viehhaltung entspreche nicht dem Grundgedanken. Der besagt: Der eigene Betrieb soll die Futter- und Nährstoffgrundlage bieten.

Vielfalt statt Monokulturen

Im Jahr 1998 wurde der Betrieb in der Gemeinde Heidesee auf ökologische Landwirtschaft umgestellt. „Wir hatten vorher kaum Dünger oder Pflanzenschutz eingesetzt“, erzählt der 52-Jährige. Daher fiel der Schritt zum Verzicht auf synthetischen Pflanzenschutz und Wachstumsregulatoren sowie leicht lösliche mineralische Dünger recht leicht. Die Agrargesellschaft baut nach den Richtlinien des Verbands Biopark an. „Wir sollten nur zertifizierte Ökosaat verwenden. Und wir wollen den Boden möglichst schonend bearbeiten“, erklärt Jonas. Außerdem sei die Verbesserung der Bodenqualität ein Ziel. Über Grundüngung durch stickstoffbindende Pflanzen und eine abwechslungsreiche Fruchtfolge soll Humus angereichert werden. Während viele konventionelle Betriebe nur drei Kulturarten wie Raps, Mais und Weizen anbauen, gibt es bei Holger Jonas viele verschiedene. „Wir wollen Monokulturen vermeiden, die Vielfalt fördern“, sagt er. Neben dem Brandenburger Klassiker Roggen baut er unter anderem auch Gerste, Hafer, Erbsen, Kleegras und Öllein an. Ganz neu in diesem Jahr war Soja dabei.

Die Öko-Flächen

  • Raps und Getreide werden besonders häufig in Dahme-Spreewald geerntet. Die Bio-Bauern in Teltow-Fläming setzen vor allem auf Klee- und Ackergras sowie Getreide.
  • 22500 Hektar Ackerland werden im Landkreis Dahme-Spreewald nach ökologischen Prinzipien bewirtschaftet. Das entspricht rund 31 Prozent der gesamten Landwirtschaftflächen im Landkreis – so viel Bioflächen gibt es sonst nirgendwo in Deutschland.
  • 5144 Hektar der insgesamt knapp 91000 Hektar Landwirtschaftflächen in Teltow-Fläming werden für den Anbau von Bio-Produkten genutzt. (np)

Unkraut ist der größte Konkurrent

Vom Aussehen her ist das Biogetreide nicht anders als das vom Nachbarbauern in Gräbendorf, der konventionell wirtschaftet. Der Winterroggen reckt sich genauso goldgelb dem Sommerhimmel entgegen und ist ab Mitte Juli bereit zur Ernte. Einen Unterschied gibt es dann aber doch: „Wir haben immer diesen einen Konkurrenten“, sagt Holger Jonas geheimnisvoll. Gemeint sind die Beikräuter, die gemeinhin Unkraut genannt werden. „Mit der Giftspritze lässt sich das natürlich schneller bekämpfen.“ Bei seinem Betrieb aber darf nur mechanisch gegen die unliebsamen Pflanzen vorgegangen werden.

Alles Bio, oder was?

In den kommenden Wochen widmet sich die MAZ dem Thema Bio. Woher kommen die ökologisch hergestellten Lebensmittel, welche Rolle spielt diese naturnahe Landwirtschaft in der Region Dahmeland-Fläming und was bedeutet der Bio-Trend für unseren Alltag? Mit diesen Themen haben wir uns in der Serie beschäftigt.

Folge 1 : Region ist bundesweit Spitzenreiter

Folge 2 : Schrot und Korn – Ökologischer Getreideanbau

              Regionaler Kreislauf - Bio-Mehl aus Gottsdorf

Folge 3 : Von wegen alles Käse – Bio-Milchwirtschaft

              Brandenburger Biomilch für Deutschland

Folge 4 : Von der Weide auf den Teller – Ökologische Viehzucht

Folge 5 : Auf dem Einkaufszettel – Bio-Produkte in der Region erwerben

Folge 6 : Bio ist nicht gesünder - Lebensmittel unter der Lupe

Folge 7 : Bio auf der Speisekarte – Kleine Kochschule und Gastro-Tipps

Mit einem Striegel, der wie ein großer Kamm übers Feld gezogen wird, können diese aus dem Boden entfernt werden, während das stärkere Getreide stehen bleibt. Zum richtigen Zeitpunkt zu handeln ist von besonderer Bedeutung. Ist man nur einen halben Tag zu spät dran, können die Wurzeln, beispielsweise vom Hederich, sich bereits so stark im Boden verankert haben, dass sie nicht mehr rauszuziehen sind, erläutert Jonas. Sie können dann ungehindert weiterwachsen und so dem Getreide die Nährstoffe entziehen.

Tipps der Redaktion

Weniger Ernte, kaum mehr Geld

Das schlägt sich auch auf die Erträge nieder. Gerade bei den ertragsarmen Böden der Region. „Wir ernten halb so viel wie die Konventionellen“, sagt Jonas. Zwar wird der ökologische Landbau seit 1992 finanziell gefördert, derzeit liegt die Ökoprämie bei 210 Euro pro Hektar. Doch die Preise für ökologisch und konventionell erzeugte Produkte gleichen sich immer mehr an. „Früher haben wir für eine Tonne Brotgetreide 30 Euro erlöst, die konventionellen Landwirte 17 Euro. Heute liegt der Unterschied vielleicht bei fünf Euro“, sagt Jonas. Finanzielle Gewinne seien es jedenfalls nicht, die Biobauern einen Anreiz für die ökologische Anbaumethode gebe. Auch, wenn durch den Bio-Boom oft ein anderes Bild entstehe. „Bei den Bauern kommt vom hohen Endverbraucherpreis des Biofachhandels kaum etwas an“, erklärt der Landwirt. Aussteigen wollte er dennoch nie: „Wir haben uns im Laufe der Zeit mit dem Biogedanken identifiziert. Das gehört jetzt zu unserem Betrieb.“

Zur nachhaltigen Landwirtschaft gehört ein regionaler Kreislauf

Deshalb stört ihn eine Sache besonders. Zur nachhaltigen Landwirtschaft gehört für Holger Jonas ein regionaler Kreislauf dazu: Was hier produziert wird, sollte auch in der Region verarbeitet und vermarktet werden. Doch das ist kaum realisierbar. „Leider ist in Brandenburg veredelungstechnisch fast nichts möglich“, sagt er. Um seine Druschfrüchte weiterverarbeiten zu lassen, muss er sie teilweise bis zu 500 Kilometer weit zur nächsten Mühle fahren. Schon allein der vermehrte Ausstoß von Kohlenstoffdioxid widerspricht der ökologischen Idee, findet Jonas. Zudem wurden in Brandenburg alle Schlachthöfe für Rinder und Schweine geschlossen, sodass sich längere Tiertransportzeiten ergeben. Für das Tierwohl sei das nicht förderlich. „Es ist traurig, wie das gehandhabt wird.“ Bio und Regionalität – seiner Meinung nach sollte das nicht voneinander getrennt werden. Egal, was man produziert.

Tipps der Redaktion

Kräuter

Egal ob Kräuter für den Tee, Salate aller Art oder würzige Kräuter – im Gesundheitsgarten im Fläming (Dorfstraße 33-34 in Sernow) baut Kerstin Weiße Bio-Pflanzen auf torffreier Erde an. Derzeit gibt es erntefrischen Mangold oder Bio-Möhren. (Foto: Privat)

Müsli

Cranberry Müsli, Bio-Haferflocken oder Dinkel-Orangen-Kekse – in der Luckenwalder Mühle von Karin Steinmeyer (Ruhlsdorfer Chaussee 26) gibt es viele knusprige Bio-Produkte. Bald soll es auch Bio-Mehlmischungen im Sortiment geben. (Foto: Hahn)

Kuchen

In der Naturbäckerei Zeesen (Am Erlengrund 25) kann man sich den leckeren Dinkel-Vollkornkuchen mit Gartenäpfeln bestellen. Ebenso bietet Katrin Bergzog ihren Kunden Brot aus dreistufigem Sauerteig und zertifiziertem Bio-Mehl an. (Foto: Mohr)

Öle

Die Brüder Ronny und Tino Ryll haben sich dem Anbau von Bio-Produkten verschrieben. Sie bieten mit ihrer Firma Fläminger Genussland (Hohenkuhnsdorfer Weg 8 in Reinsdorf) zum Beispiel Raps-, Sonnenblumen und Leinöl oder auch Säfte an. (Foto: Pensold)

Von Aileen Hohnstein

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