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Dahme-Spreewald Neues Heim mitten im Wald
Lokales Dahme-Spreewald Neues Heim mitten im Wald
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18:00 05.05.2015
In diesem ehemaligen  Sportzentrum in Uckley sollen ab August 85 Flüchtlinge leben.
In diesem ehemaligen Sportzentrum in Uckley sollen ab August 85 Flüchtlinge leben. Quelle: Franziska Mohr
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Uckley

Die Fahrt führt an den äußersten Zipfel der Stadt Königs Wusterhausen über die Autobahnbrücke vorbei an Forstflächen und alten Heizhäusern: Ankunft mitten im Wald. Hermetisch abgeriegelt trainierten hier bis 1989 die Fußballer des BFC Dynamo, die fernab der Öffentlichkeit zur Freude von Stasi-Chef Mielke, ihrem größten Gönner, auf den nächsten DDR-Meistertitel vorbereitet wurden. Nach Angaben der Kreisverwaltung könnten hier schon ab August 85 Asylbewerber aus fast allen Krisenregionen der Welt eintreffen. Mit dem Eigentümer wird verhandelt, wobei sich Kreissprecherin Heidrun Schaaf optimistisch zeigt, dass dies auch zu einem positiven Ergebnis führt.

Einst mit einem acht mal 16 Meter langen Schwimmbecken, Sportplätzen und einer modernen Saunaanlage ausgestattet, ist das knapp zehn Hektar große Areal inzwischen längst in die Jahre gekommen. 2007 hatte der Verein „Sport- und Begegnungsstätte Uckley“ das marode Objekt vom Brandenburger Landesbetrieb für Bauen und Liegenschaften erworben, so dass im September 2008 in Anwesenheit von viel Politprominenz mit der Sanierung begonnen werden konnte. Bund, Landessportbund, Kreis und Stadt stellten dafür einst 1,6 Millionen Euro Fördergelder zur Verfügung. Ein Tropfen auf den heißen Stein, wie sich schnell zeigte. Allein die Teilsanierung des Haupthauses verschlang 970 000 Euro, so dass Mitte 2009 die ursprünglich geplante Rekonstruktion der Schwimmhalle gar nicht mehr in Angriff genommen wurde. Kurze Zeit später war der Verein pleite, obwohl er 2007 bei einer maximalen Kapazität von 130 Betten über 15 000 Übernachtungen verbuchen konnte. Im Dezember 2010 kam das einst üppige Sportzentrum am Uckleysee unter den Hammer. Mark Karhausen versteigerte es in seinem Auktionshaus für 305 000 Euro.

Diebe entwendeten erst vor 14 Tagen Heizkörper und Duschanlagen

Mit dabei war damals schon der Hausmeister Jacky Lucien, der dem Objekt seit 16 Jahren die Treue hält. Auch in dieser Woche war er in dem nun schon vier Jahre leerstehenden Areal anzutreffen. „Ich weiß von nichts. Noch ist nichts offiziell. Daher kann ich gar nichts sagen und auch niemanden einlassen“, wehrt der ältere Herr sofort am Zaun freundlich, aber bestimmt ab. Die Anlage gehöre einer Vermögensgesellschaft. „Das Schlimmste aber ist, das hier schon dreimal eingebrochen wurde. Das letzte Mal erst vor 14 Tagen“, berichtet Lucien. Die Diebe hätten die Personaltür aufgebrochen und in einer Nacht 15 Heizkörper und 17 Duschanlagen entwendet.

Um die Ecke wohnt Angelika Friedrich. „Meine Auffassung zur Unterbringung von Asylbewerbern mitten im Wald ist gespalten“, sagt sie. Eigentlich sei es von der Politik unverantwortlich, hier Menschen unterzubringen, die nicht mobil sind. Insgesamt aber könne sie die Situation schwer einschätzen, weil sie keine Erfahrung damit habe. Sie gehe aber davon aus, dass die Asylbewerber nicht aus den ärmsten Verhältnissen kämen, wenn sie schon 10 000 Euro für die Schlepper aufbringen könnten. Wahrscheinlich weise nur ein Drittel von ihnen ein wirklich schweres Schicksal auf.

Uckleyer Unternehmer will bei der Sicherheit aufrüsten

Jürgen Binias Quelle: F. Mohr

Zwei Häuser weiter sagt Jürgen Binias, dass er diesbezüglich sehr offen sei. Deutsche seien schließlich auch nicht nur Engel. Ihn beschleiche aber schon ein gewisses Unbehagen, wenn er daran denkt, was diese Menschen den ganzen Winter über in dieser Abgeschiedenheit tun sollen. „Verhindern kann man es sowieso nicht. Die Politiker bekommen schließlich weder den Autobahnlärm noch die Windräder in den Griff“, stellt der Uckleyer fest. Angst habe er nur vor Aufmärschen der Rechten. Bei Manfred Trommer, der wenige Meter entfernt die Naturstein GmbH betreibt, meint: „In puncto Sicherheit werde ich mein Unternehmen angesichts der teuren Ware wohl etwas verstärken müssen. Demos der Rechten vor dem Firmengelände steigern sicher nicht den Umsatz.“

Anwohnerin hat zahlreiche Bedenken

Karin Schwitalla Quelle: F. Mohr

Anwohnerin Karin Schwitalla gibt zu bedenken, dass in Uckley 24 Einwohner 85 Flüchtlingen gegenüberstehen. Der nächste Supermarkt ist sechs Kilometer entfernt und bei Schule und Kita sind es 4,9 Kilometer. „Arzt und Feuerwehr schaffen es nicht in zehn Minuten hierher.“ Es gäbe auch keinen funktionstüchtigen Hydranten, der sei versandet. Der Zernsdorfer Ortsvorsteher Uwe Borck (SPD) sagt, dass die Leute in Uckley relativ entspannt seien. Letztlich könne man aber nicht die Augen davor verschließen, dass in Uckley nicht ein Tatbestand der ursprünglichen Forderungen der Landesregierung für die Unterbringung von Asylbewerbern erfüllt wird.

Von Franziska Mohr

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