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Dahme-Spreewald Regionale Bio-Produzenten profitieren kaum
Lokales Dahme-Spreewald Regionale Bio-Produzenten profitieren kaum
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14:03 02.09.2014
Katrin Tischler führt seit zehn Jahren ihren Naturkostladen. Quelle: MAZ

Bio ist in aller Munde. Egal, ob Karotten, Brotaufstrich oder Hackfleisch – die Nachfrage nach ökologisch hergestellten Produkten steigt stetig. Besonders in Berlin ist der Appetit darauf groß. „Die Wertschätzung von Bio ist in Städten von jeher stärker“, sagt Michael Wimmer, Geschäftsführer der Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg (FÖL). Da ist es kein Wunder, dass der Absatzmarkt für die Biobauern aus der Region Dahmeland-Fläming vor allem in der Bundeshauptstadt auszumachen ist.

Alles Bio, oder was?

Folge 1 : Region ist bundesweit Spitzenreiter

Folge 2 : Schrot und Korn – Ökologischer Getreideanbau

              Regionaler Kreislauf - Bio-Mehl aus Gottsdorf

Folge 3 : Von wegen alles Käse – Bio-Milchwirtschaft

              Brandenburger Biomilch für Deutschland

Folge 4 : Von der Weide auf den Teller – Ökologische Viehzucht

Folge 5 : Auf dem Einkaufszettel – Bio-Produkte in der Region erwerben

Folge 6 : Bio ist nicht gesünder - Lebensmittel unter der Lupe

Folge 7 : Bio auf der Speisekarte – Kleine Kochschule und Gastro-Tipps

Doch der Boom der Öko-Branche macht sich längst auch außerhalb der Städte bemerkbar – fast überall kann man Bio-Produkte in seinen Einkaufswagen packen. „In Supermärkten wie Edeka und Rewe steht ein Grundsortiment an Bio. Auch auf einem Dorf kann man sich so mit Grundnahrungsmitteln wie Butter, Milch, Joghurt und Eiern versorgen, die ökologisch erzeugt wurden“, sagt Wimmer.

Bio kommt kaum aus der Region

Von diesem Trend profitieren die Landwirte in der Region allerdings kaum, beobachtet Manfred Schuhmann, Leiter des Landwirtschaftsamtes von Dahme-Spreewald: „Bio in Deutschland kommt zunehmend aus dem Ausland. In den Ketten stammen die Produkte oft aus China, Indien, Italien, Griechenland.“ Auch sein Amtskollege aus Teltow-Fläming Bernd Schütze sieht die Entwicklung kritisch: „Die ökologischen Produkte aus dem Ausland schwächen die regionalen Anbieter.“

Tipps der Redaktion

Naturkosthandel in Groß Köris vertreibt Regionales

Wer Bio-Produkte aus Dahmeland-Fläming sucht, der muss sich daher abseits der Supermärkte umschauen. Mittlerweile haben sich vor allem in der Nähe von Berlin einige Einzelhändler auf ökologische Produkte spezialisiert. Aber auch im Süden ist Bio-Ware zu bekommen. Zum Beispiel bei Katrin Tischler. Seit zehn Jahren betreibt sie ihren Naturkosthandel „Köriser Bio-Oase“ in Groß Köris. Fleisch aus Gräbendorf, Milch aus Münchehofe – dort findet man Bio aus der Region. „Die Produkte sind da, es ist nur eine Frage der Organisation“, sagt die Betriebswirtin. Ihre Waren bezieht sie über einen Berliner Naturkost-Großhändler, der vor allem bei Obst und Gemüse auf regionale Herkunft achtet. Ein solches Vertriebsmodell gebe es für Brandenburger Produzenten bisher nicht, sagt Katrin Tischler.

Allein mit Produkten aus der näheren Umgebung lässt sich aber kein Naturkostladen führen. Zitrusfrüchte, Ingwer und exotische Obstsorten stammen nicht aus deutscher Landwirtschaft. Neben den Frischwaren wie Obst und Gemüse, Milch oder Fleisch führt Katrin Tischler auch Säfte, Aufstriche und Marmeladen von deutschen Herstellern mit Bio-Siegel. „Marken wie Zwergenwiese gibt es nicht im Discounter und im Supermarkt“, erklärt sie. Die Bio-Regale bei Rewe, Aldi und Co. sieht sie daher nicht als direkte Konkurrenz. Dennoch hat sie beobachtet, dass einige ihrer Kunden die Supermarktangebote getestet haben. „Sie sind aber zurückgekommen“, freut sich die Ladeninhaberin. „Die Kunden legen nicht nur Wert auf Bio. Sie wollen wissen, wo es hergestellt wird, wo alles herkommt. Daher ist für sie Regionalität genauso wichtig.“ Dass der Einkauf in Bioläden ein wenig teurer werden kann, sei kein Problem. „Ein Produkt muss überzeugen, dann stimmt auch der Preis.“

Kunden zahlen nicht, was es eigentlich kosten müsste

Für die Ökobauern der Region spielen die Finanzen aber eine entscheidende Rolle. Denn die Produktionskosten sind für sie wesentlich höher als bei der konventionellen Landwirtschaft. „Man müsste die Produkte für den doppelten Preis verkaufen“, sagt Sylvia Fuchs, Geschäftsführerin des Bauernverbandes Teltow-Fläming. Doch der Kunde sei nicht bereit, das zu bezahlen. „Auch der Handel will die Ware immer preiswert haben. Und das rechnet sich meistens nicht mehr“, fügt sie hinzu.

Eine wachsende Branche

  • Im vergangenen Jahr gaben die Deutschen rund 7,55 Milliarden Euro für Bio-Lebensmittel aus. Das sind 7,2 Prozent mehr als noch im Vorjahr.
  • Allein in Berlin legte die Biobranche im vergangenen Jahr um 20 Prozent zu.
  • Insgesamt liegt der Lebensmitteleinzelhandelsumsatz von ökologisch hergestellten Produkten in Deutschland bei 4,1 Prozent.
  • Geht es nach den Absatzzahlen hat Deutschland den größten Biomarkt. Auf Platz zwei landet Italien.

„Bio ist ein Nischenprodukt. Vieles, was da an Mehrpreis drinsteckt, liegt an den geringeren Mengen, die produziert und gehandelt werden“, sagt FÖL-Geschäftsführer Wimmer. Er sieht aber noch viel Potenzial für den deutschen Bio-Markt. Dass dabei nicht nur deutsche Öko-Bauern zum Zug kommen, sieht er nicht nur negativ. „Jedes Päckchen Bio-Sonnenblumenkerne aus China ist auch ein Export des ökologischen Gedankens nach China.“ Er räumt aber ein: „Grundsätzlich ist es natürlich so, dass wir uns dadurch auch einen Importdruck und -sog züchten, der auf Kosten des nachhaltigen Biogedankens geht.“

Wochenendeinkauf an der Haustür

Torsten Groß beliefert seine Kunden mit Bio-Kisten
Torsten Groß packt die Kisten nach Kundenwunsch. Quelle: Aileen Hohnstein

Die heiße Phase beginnt am Donnerstag. „Der Dorfladen“ in Rehagen bei Zossen verwandelt sich dann im wahrsten Sinne in eine Packstation. Jede Woche aufs Neue erfüllt Ladeninhaber Torsten Groß die Wünsche seiner Kunden. Und das ist gar nicht so einfach. Denn bis zu 80 Kisten müssen dafür mit Bioprodukten aus der Region gefüllt werden. Und jede von ihnen individuell.

Logistischer Aufwand und Herausforderung

„Das ist ein riesiger logistischer Aufwand“, sagt der 46-Jährige. Sogar eine spezielle Computer-Software ist nötig, um alle Sonderwünsche erfassen zu können. „Der eine mag keine Rote Bete, der andere möchte jede Woche Mohrrüben und der nächste möchte jede zweite Woche ein Kilo Äpfel. Nur mit Stift und Papier verliert man da den Überblick“, sagt Groß. Und auch ohne die Hilfe seiner Familie wäre der Packmarathon nicht zu schaffen.

Sind die Möhren und Äpfel schließlich im richtigen Korb, geht es freitags zur nächsten logistischen Herausforderung: Zwei Fahrer bringen alle Kisten zu den Kunden. Dabei umfasst der Lieferradius Blankenfelde bis Luckenwalde. „Morgens klingelt der Wecker um 3.50 Uhr und um acht Uhr abends ist die letzte Kiste abgeliefert“, beschreibt Torsten Groß den stressigen Tag. Bei den Abnehmern hingegen sieht das sehr viel entspannter aus: Für ihren Wochenendeinkauf müssen sie nicht einmal einen Fuß vor die Haustür setzen. „Wenn ein Kunde nicht zu mir kommen möchte, komme ich eben zu ihm“, erklärt Groß das Konzept.

Regional und Bio

Seit 2003 betreibt Torsten Groß seinen kleinen Laden. Er wirbt mit Regionalität und Bio für sich. Das war nicht immer so. Als ihn seine Kundschaft 2004 darauf ansprach, dass er im Geschäft auch Bioprodukte anbieten müsse, änderte sich das. Mittlerweile wird auf einer eigenen Fläche Gemüse wie Zwiebeln, Kürbis oder Kohlrabi nach Biostandard angebaut. Groß lebt den Biogedanken. „Man sollte sich doch mehr überlegen, was man sich auf den Teller packt“, sagt er. Unbehandeltes Obst und Gemüse steht für ihn daher an oberster Stelle.

Dies ist auch bei seinen Kunden so. Die nutzen gern seinen Lieferservice nach Hause. Was einst klein startete, wächst stetig. Über Mund-zu-Mund-Propaganda gibt es immer wieder neue Anfragen. Denn das Einkaufsprinzip ist so simpel wie überzeugend: Am Dienstag schickt Torsten Groß an alle das aktuelle Angebot der Woche, also welches Obst oder Gemüse gerade verfügbar ist. Aus der Liste können die Einkäufer wählen, sich ihren Wunschkorb zusammenstellen und die Angaben per E-Mail an den Hofladen schicken.

Neben dem Gedanken, etwas für die hiesige ökologische Landwirtschaft zu tun, den regionalen Kreislauf zu unterstützen, reizt Torsten Groß noch etwas anderes: „Im Supermarkt rennt man nur anonym durch die Einkaufsgänge.“ Er aber kenne die meisten Kunden noch persönlich.

Von Aileen Hohnstein und Nadine Pensold

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