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Dahme-Spreewald Amt Schenkenländchen: Wehr fordert mehr Mut auf Munitionsflächen
Lokales Dahme-Spreewald Amt Schenkenländchen: Wehr fordert mehr Mut auf Munitionsflächen
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17:46 08.07.2019
Zum zweiten Mal in diesem Jahr brennen in der Lieberoser Heide mindestens 100 Hektar. Quelle: Julian Stähle
Amt Schenkenländchen

Mehr als eine Woche lang hatten Feuerwehren in Lieberose mit einem 120 Hektar großen Waldbrand gerungen. Einen Tag nach Ende der Löscharbeiten flammte das Feuer erneut auf und dehnte sich wieder auf 100 Hektar aus. In Wiesenau bei Eisenhüttenstadt standen zeitgleich ebenfalls 40 Hektar in Flammen. Der Waldbrand bei Jüterbog – mit 744 Hektar Fläche der größte Waldbrand in Brandenburg seit den 70er-Jahren – ist gerade erst einen Monat her, auch den Waldbrand in Lübtheen (Mecklenburg Vorpommern) haben die Brandenburger noch in Erinnerung. Alle diese Großfeuer konnten sich ausbreiten, weil sie auf Truppenübungsplätzen ausbrachen. Munitionsverdachtsflächen, die von den Wehren nicht betreten werden sollen – und deshalb auch nicht betreten werden.

Genau diesen Grundsatz stellen jetzt Verantwortliche in Frage, die sich mit Munitionsverdacht gut auskennen. Oliver Theel ist Amsdirektor vom Amt Schenkenländchen. Dem Gebiet also, in dem einst der Kessel von Halbe tobte, die größte Kesselschlacht aller Zeiten. Er sagt: „Wir müssen darüber diskutieren, ob es sinnvoll ist, auf Truppenübungsplätzen eine so große Zurückhaltung bei der Bekämpfung von Bränden walten zu lassen.“ Dabei verweist er auf die Arbeit seiner eigenen Wehren.

„Alles im Boden, was man sich vorstellen kann“

„Bei uns ist auch alles im Boden zu finden, was man sich vorstellen kann“, sagt Theel. In der vorigen Woche erst habe der Munitionsbergungsdienst 28 Panzergranaten gesprengt, eine Woche zuvor waren es 38. Sie alle wurden irgendwo im Waldboden zwischen Massow und Halbe gefunden. Aber rote Zonen oder 500 Meter große Sicherheitsradien gebe es für die Wehren im Schenkenländchen trotzdem nicht.

Oliver Theel, Amtsdirektor vom Amt Schenkenländchen. Quelle: Oliver Fischer

Das beschreibt auch Amtsbrandmeister Michael Fischer so. „Wir wissen um die Gefahr. Aber wenn es im Wald brennt, fahren wir trotzdem direkt an den Brandherd und begutachten das Feuer“, sagt er. Fast bei jedem Einsatz explodiere irgendwo mindestens Gewehrmunition. „Wenn wir das hören, suchen wir Deckung hinter Bäumen oder Fahrzeugen. Wir gehen auf 30 Meter Abstand und versuchen, das Feuer von dort aus klein zu halten“, so Fischer. Das sei natürlich riskant, führe aber bislang stets zum Erfolg. Zuletzt habe man so an einem einzigen Tag drei Waldbrände mit jeweils einem knappen Hektar Fläche in den Griff bekommen, darunter einen Vollbrand in einer Schonung. „Wir sind uns sicher, dass das ganze Schenkenländchen abgebrannt wäre, wenn wir uns nur auf den Landstraßen und Hauptwegen bewegen würden“, sagt er.

Zonen nur auf Truppenübungsplätzen

Raimund Engel, Waldbrandschutzbeauftragter des Landes Brandenburg, sieht die unterschiedlichen Herangehensweisen historisch begründet. Als die früheren Truppenübungsplätze nach der Wende dem Land übergeben wurden, sei eine Firma mit einer Gefährdungsabschätzung beauftragt worden. Die Firma habe daraufhin Zonen eingegrenzt – auch Sperrzonen –, die noch immer Bestand haben. „Es gibt aber natürlich viele andere Gebiete, die mit Kampfmitteln aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg belastet sind, und wo es solche Einordnungen nie gab, sagt Engel. Mit diesen Gebieten werde anders umgegangen.

Klare Vorgaben dazu gebe es nicht. „Wie die Feuerwehr handelt und welche Abstände sie einhält, entscheidet die Einsatzleitung. Und da agieren die einzelnen Träger unterschiedlich“, so Engel.

„Müssen mit Risiko leben“

Die Wehren im Amt Schenkenländchen gelten als weniger zurückhaltend. „Wenn ich 500 Meter Abstand zum Feuer halten muss, dann führt das zwangsläufig zu großen Bränden“, sagt Oliver Theel und plädiert für einen etwas mutigeren Umgang. „Dass nicht alles risikofrei ist, damit müssen wir leben. Wir sind schließlich auch angehalten, den Schaden im Wald so gering wie möglich zu halten.“ Seit 1945 sei überdies kein Fall aus der Umgebung von Halbe bekannt, bei dem ein Feuerwehrmann durch explodierende Munition zu Schaden gekommen sei.

Raimund Engel sieht allerdings zwischen Halbe, Lieberose und Jüterbog noch einen kleinen Unterschied. In Lieberose wie in Jüterbog sei bis in jüngere Zeit mit panzerbrechender Munition geschossen worden, sagt er. Beim jüngsten Waldbrand in Lieberose ist eine solche Granate explodiert. „Der Wirkungskreis waren 50 Meter“, so Engel. Verletzt wurde niemand.

Von Oliver Fischer

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