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Dahme-Spreewald Wirtschaftsförderer schießen gegen Schönefelder Ansiedlungspolitik
Lokales Dahme-Spreewald Wirtschaftsförderer schießen gegen Schönefelder Ansiedlungspolitik
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17:13 12.04.2019
Amazon-Ansiedlung sorgt für Unmut. Quelle: dpa
Schönefeld

Das neue Logistikzentrum des Online-Versandhändlers Amazon nimmt Formen an. Auch wenn sich der Handelsgigant noch immer nicht zu seinem neuen Standort bekannt hat: Das Gerüst der Halle steht bereits, noch in diesem Jahr werden dort bis zu 1000 Arbeitsplätze entstehen. In schlechteren Jahren wäre das für Wirtschaftsförderer vielleicht noch ein Grund zur Freude gewesen. Heute aber zeigt man sich in den entsprechenden Abteilungen bei Land und Landkreis über die jüngste Entwicklung in Schönefeld genervt.

Amazon-Baustelle in Schönefeld-Kiekebusch. Quelle: Josefine Sack

Bei einer Wirtschaftsrunde in Zeuthen brach sich der Unmut über die Ansiedlungspolitik der Gemeinde Bahn. Unter anderem fand Peter Effenberger, Bereichsleiter für Investition und Innovation bei der Wirtschaftsförderung Brandenburg, deutliche Worte. Das neue Amazon-Zentrum sei aus mehreren Gründen problematisch, so Effenberger. Zum einen helfe es Brandenburg nicht, sondern sei vor allem dafür da, die Bedürfnisse Berlins und des allgemeinen E-Commerce zu befriedigen. Zum anderen schaffe es Probleme auf dem Arbeitsmarkt.

Amazon Gefahr für GVZ?

„Wir haben Arbeitslosenquoten von drei bis fünf Prozent. Im Güterverteilzentrum Großbeeren arbeiten deshalb vor allem Arbeitskräfte aus Polen“, so Effenberger. „Wenn Amazon etwas besser zahlt, werden die sich nicht mehr den Weg nach Großbeeren machen, sondern zu Amazon wechseln.“ Das aber bringe die Brandenburgischen GVZ in Bedrängnis.

Wirtschaftsförderer Peter Effenberger. Quelle: David Marschalsky

Statt große Logisitiker wünsche man sich beim Land eher hochwertige Wirtschafts- und Wissenschhaftsangebote im Flughafenumfeld, sagte Effenberger ausdrücklich. „Wir träumen von einem Technologiezentrum in Schönefeld.“ Laut einer aktuellen Gewerbeflächenanalyse seien im direkten Flughafenumfeld bisher aber weder Büroflächen noch Laborflächen ausgewiesen. Effenberger: „Innovative Firmen gehen deshalb alle nach Berlin-Adlershof. Das ist bitter.“

Eine Mitverantwortung des Landes für diese Entwicklung wies der Wirtschaftsförderer von sich. Steuern lasse sich ein solcher Prozess vom Land aus nicht. „Planung ist kommunale Recht. Und wenn der Bürgermeister in seiner Gemeinde Logistik ansiedeln will, dann habe ich als Land keine Chance.“

Janßen: LDS muss kein Billigstandort sein

Auch Gerhard Janßen, oberster Wirtschaftsförderer von Dahme-Spreewald, fiel in die Schelte ein. Die Flughafenregion stehe in einem internationalen Wettbewerb um Ansiedlungen und Arbeitskräfte, sagte er. „Flächenfressende Logistik bringt uns da nur bedingt weiter.“ Janßen rief deshalb die Gemeinden auf, sowohl bei ihrer Ansiedlungspolitik als auch städtebaulich mehr auf Qualität und damit sowohl auf innovative Firmenansiedlungen als auch auf hochwertige Architektur zu achten. „Es ist gut für die gesamte Region, wenn wir hochbezahlte Arbeitsplätze in die Region bekommen. Dahme-Spreewald muss kein Billigstandort werden“, so Janßen.

Schönefelds Bürger Udo Haase (parteilos), der bei dem Termin nicht anwesend war, gerät angesichts der Kritik in Rage. „Das ist lächerlich und völliger Unsinn“, sagt er.

Haase: „Logistik wird dringend gebraucht“

Die Gemeinde Schönefeld habe noch 570 Hektar potenzielle Gewerbeflächen, davon seien mehr als 100 Hektar als Büroflächen ausgewiesen. „Das Land kann gerne davon Flächen erwerben und dort alles mögliche installieren“, so Haase. Bisher habe es aber weder Interesse vom Land noch vom Landkreis an solchen Vorhaben gegeben, und es sei nicht Aufgabe der Gemeinde, solche Investoren zu suchen. „Wir würden wissenschaftliche Einrichtungen und Hochtechnologie mit Kusshand nehmen, aber es war noch nie jemand da, der so etwas machen wollte.“

Haase verteidigt auch die Ansiedlung von Logistikbetrieben in Schönefeld. „Logistik wird im Flughafenumfeld dringend gebraucht“, sagt er. Und die Ansiedlungen von Daxa, Bringmeister, Unitax und Mömax seien auch alle vom Land gewollt „Die müssen ja auch irgendwo hin, es hat ja niemand sonst solche Flächen.“

Von Oliver Fischer

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