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Schönefeld MAZ-Talk: Bürgermeister-Kandidaten stellten sich Fragen der MAZ
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20:09 16.08.2019
Gruppenfoto (von links): MAZ-Redakteur Oliver Fischer, Christian Weber (parteilos), Christian Hentschel (Bürgerinitiative Schönefeld), Olaf Damm (CDU) und MAZ-Redaktionsleiter Ekkehard Freytag. Quelle: Josefine Sack
Schönefeld

Leben in der Nachbarschaft des Flughafens BER, bezahlbarer Wohnraum und Nahverkehr – das waren die großen Themen beim MAZ-Talk zur bevorstehenden Bürgermeisterwahl am Donnerstagabend im Intercity Hotel Berlin-Brandenburg Airport in Schönefeld. Zwei Stunden lang stellten sich die drei Bürgermeisterkandidaten Christian Weber (parteilos), Christian Hentschel (Bürgerinitiative Schönefeld) und Olaf Damm (CDU) den Fragen der MAZ.

Mitten in der heißen Wahlkampfphase bat die MAZ die drei Kandidaten zum MAZ-Talk ins Intercity Hotel Berlin-Brandenburg Airport in Schönefeld. Auch die rund 100 Zuschauer hatten die Gelegenheit, Fragen an die Kandidaten zu stellen.

Auch wenn es nicht ihr erstes Aufeinandertreffen während dieses Wahlkampfs war, die Aufregung war den drei Bürgermeisterkandidaten am Freitagabend anzusehen. Etwa 100 Besucher kamen zum MAZ-Wahl-Talk ins Intercity Hotel Berlin-Brandenburg Airport Schönefeld – entweder um ihren jeweiligen Wunschkandidaten zu unterstützen, oder um sich ein Bild von den Bewerbern zu machen.

Dass so ein Auftritt wahlentscheidend sein kann, das wussten auch die Kandidaten Weber, Hentschel und Damm. Durch den Abend führten MAZ-Redaktionsleiter Ekkehard Freytag und Redakteur Oliver Fischer. Keine Frage wurde vorher abgestimmt. Die Regeln teilten die beiden Moderatoren erst kurz vor Beginn der Fragerunde mit. Auch die Reihenfolge des Einmarschs wurde vorher ausgelost.

Hätten Sie’s gewusst?

Die drei Bürgermeisterkandidaten mussten beim MAZ-Talk auch einige Schätzfragen beantworten:

1. Wie viele Hunde sind in der Gemeinde gemeldet?

Weber: 1500

Hentschel: 2200

Damm: 1800

(Die richtige Antwort lautet: 1294)

2. Wie viele Einwohner in Schönefeld sind arbeitslos gemeldet?

Damm: 700

Hentschel: 950

Weber: 450

(Korrekt ist: 358)

3. Wie viele Fahrzeuge sind in der Gemeinde zugelassen?

Weber: 7500

Hentschel: 8200

Damm: 10.000

(Korrekt ist: 12.524 plus 1227 Anhänger– bei einer Einwohnerzahl von fast 16.000)

4. Wie groß ist die Gemeinde Schönefeld?

Hentschel: 254 km²

Damm: 7,6 km²

Weber: 80 km²

(Korrekt ist: 81,62 km². Größter Ortsteil ist Waltersdorf, 20,94 km²)

5. Wie viele Unternehmen/Gewerbetreibende sind in Schönefeld gemeldet?

Damm: 2500

Weber: 1500

Hentschel: 2000

(Korrekt ist: 2500)

6. Wie viel Prozent der Gemeindefläche ist von Wohnbebauung belegt?

Hentschel: 15 Prozent

Weber: 10 Prozent

Damm: 12 Prozent

(Korrekt ist: 3,5 Prozent)

Als erster betrat BIS-Kandidat Christian Hentschel den Saal, gefolgt von CDU-Mann Olaf Damm und schließlich der Einzelkandidat Christian Weber. In dieser Reihenfolge kamen dann auch die Antworten – etwa wie viele Stunden in der Woche die Kandidaten als Bürgermeister künftig zu arbeiten beabsichtigen: 55 (später korrigierte Hentschel auf 60 bis 65 Wochenstunden), 60, 60 bis 70; welche Musik man nach einem anstrengenden Tag am liebsten höre: keine, Jazz, Elektro; welches Gebäude man in Schönefeld am liebsten abreißen würde: Plattenbauten am Schwalbenweg, das Jugend- und Seniorenzentrum in Waltersdorf, den Bahnhof; oder welches Geschäft den Kandidaten fehle: eine Drogerie, ein Pferdefuhrbetrieb, ein vernünftiger Supermarkt.

Alle waren sich einig: BER eröffnet in 2020

Bei der Frage, wann der BER eröffne, waren sich alle einig: Die drei Kandidaten glauben daran, dass der Flughafen BER im nächsten Jahr eröffnet. „Ich akzeptiere, dass wir mit dem BER künftig den drittgrößten Flughafen Deutschlands in Schönefeld haben. Wir müssen versuchen, in Harmonie miteinander zu leben“, sagte Hentschel. Damm freute sich „auf die Impulse, die künftig vom BER ausgehen“. Zugleich räumte er ein: „Wir müssen uns damit arrangieren.“

Wem gönnen Sie den Wahlsieg?

Auf die Frage, welchem Mitbewerber man am ehesten den Sieg gönnen würde, rang sich lediglich Christian Weber zu einem klaren Votum durch: „Ich gönne es beiden. Weil ich für einen Neubeginn bin, schlägt mein Herz aber eher für Herrn Hentschel“, sagte der 38-Jährige. Wie berichtet, mischt der CDU-Kandidat Olaf Damm seit fast 30 Jahren in der Kommunalpolitik mit. Damm selbst beantwortete die Frage pragmatisch: „Ich gönne es dem, der es am besten kann – und das entscheiden die Bürger.“ Ähnlich diplomatisch äußerte sich auch Hentschel: „Beide sind kompetent. Ich gönne es beiden.“

Bei der Frage, welches Thema die Kandidaten als Bürgermeister als erstes in Angriff nehmen würden, konnten die Bewerber mit Alleinstellungsmerkmalen punkten: Hentschel versprach, sein Herzblutthema, bessere Busverbindungen ganz oben auf die Agenda zu setzen. „Ich werde zuerst die Verwaltung stark machen für die Aufgaben, die vor uns liegen. Wir haben ein großes personelles Defizit in der Kernverwaltung. Was nutzt der beste Bürgermeister ohne vernünftigen Background?“, sagte Damm. Weber sicherte zu, sich verstärkt den kommunalen Kitas und Schulen zu widmen: „Wir müssen bessere Möglichkeiten schaffen, um unsere Kinder zu betreuen und unsere Schulen vernünftig ausstatten“, sagte er.

Alle wollen beitragsfreie Kitas

Und wie steht es um das Aufreger-Thema Kita-Kosten? Mit der Erhöhung der Elternbeiträge hatte Schönefeld 2017 überregional Schlagzeilen gemacht. Abschaffen, hieß es beim MAZ-Talk nahezu unisono. Damm, der die Erhöhung mitgetragen hatte, sagte, er wolle zunächst schrittweise für eine bessere Qualität in den Einrichtungen sorgen und die Gebühren bis spätestens 2021 abschaffen. Hentschel will nicht so lang warten. Er versprach die sofortige Abschaffung – und erntete dafür Applaus. Ähnliche Töne auch bei Weber, dessen jüngster Sohn selbst noch in die Kita geht. Er wolle die Kostenfreiheit zumindest rechtlich prüfen lassen. „Ich lege den Fokus in erster Linie auf eine gute Ausstattung und Qualität“, ergänzte er.

Für Lacher im Publikum, aber auch bei den Kandidaten sorgte die Frage, wer künftig die Kontakte nach Bayangol, Schönefelds Partnerkommune in der Mongolei, aufrechterhalte. CDU-Mann Damm hatte die Antwort parat: Er hoffe, dass sich Noch-Bürgermeister Udo Haase auch in Zukunft um die Beziehungen nach Ostasien kümmere.

Kandidaten auf dem „heißen Stuhl“

Anschließend mussten sich die Kandidaten auch unbequemeren Fragen stellen. Auf die Frage, ob Damm, der die Politik in Schönefeld über zwei Jahrzehnte gemeinsam mit Haase gestaltet hat, das künftig auch allein könne, antwortete der 55-Jährige: „Ja, und ich werde meine Erfahrung in eine neue Politik einbringen.“

Hentschel, der als hartnäckigster Kritiker von Haase gilt, wurde gefragt, ob er – statt immer nur dagegen – auch dafür sein und selbst aktiv gestalten könne. „Ja, ich kann sehr wohl gestalten, wenn man mich lässt und ich die Mehrheiten habe und die habe ich ja jetzt“, triumphierte der BIS-Kandidat siegessicher.

Und wie kommt Christian Weber als junger, politischer Neuling eigentlich darauf, die deutschlandweit dynamischste Kommune lenken zu wollen? „Man braucht große Ziele. Und als Herr Haase damals angefangen hat, war er auch kaum älter als ich.“

Wie die Wahl am 1. September ausgeht, ist ungewiss. Beim MAZ-Talk erhielten jedenfalls alle Kandidaten anerkennenden Applaus.

Von Josefine Sack

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