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Schönefeld Das rät der Fluglärmschutz-Experte den Politikern
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20:05 08.05.2019
Knapp 250 Beschwerden erreichten den Beauftragten für Fluglärmschutz in Schönefeld 2018. Quelle: Patrick Pleul/dpa
Schönefeld

Nur noch wenige Menschen beschweren sich über den Fluglärm aus Schönefeld. Das berichtete Patrick Strogies am Dienstag im Ausschuss für Regionalentwicklung und Bauplanung in Teltow-Fläming.

Der Beauftragte für Fluglärmschutz rund um den Airport Schönefeld mahnt dennoch zur Vorsicht: Das bedeute nicht automatisch, dass sich die Anwohner weniger vom Lärm belästigt fühlten. „Ich gehe davon aus, dass die Beschwerden wieder deutlich zunehmen werden, je näher die Eröffnung des BER 2020 rückt“, erklärte Strogies.

Patrick Strogies ist Fluglärmschutzbeauftragter des Landkreises Teltow-Fläming. Quelle: Victoria Barnack

Insgesamt erreichten den Fachmann im Jahr 2018 knapp 250 Beschwerden aus der Bevölkerung. Die meisten davon – mehr als 70 – gingen im April ein.

Diese Zahl liegt auf dem Niveau des Vorjahres, erklärt Strogies, und sei kaum vergleichbar mit den Beschwerden aus weiter zurückliegenden Jahren. „Gegenüber 2011 beispielsweise sind 250 Beschwerden eine sehr niedrige Zahl. Damals waren die Diskussionen um die Flugrouten in aller Munde“, berichtete er.

Zahlen und Fakten

Circa 105.000 Flugbewegungen wurden 2018 am Schönefelder Flughafen aufgezeichnet. Etwa 12.500 davon fanden nachts statt.

Nachts wird vor allem zwischen 22 und 24 Uhr geflogen. Drei Viertel der aufgezeichneten Nachtflüge fanden 2018 in dieser Zeit statt.

Zwischen 0 und 6 Uhr finden nur noch ein Viertel der knapp 12.500 Nachtflüge statt. Die meisten hiervon sind Landungen am Abend. Am Morgen starten die Flugzeuge zumeist in neue Destinationen.

Neu seien vor allem in den zurückliegenden Monaten Beschwerden aus dem sehr nahen Umfeld des Flughafens.

„Mehr Anwohner als früher klagen derzeit über laute Rollbewegungen“, sagte Strogies. Wegen zuletzt veränderter Abfertigungsprozesse und neu zugeordneter Stellflächen für die Flugzeuge sei das zwar nachvollziehbar aber momentan nicht zu ändern.

An 18 festen Stellen wird der Fluglärm rund um Schönefeld gemessen. Außerdem gibt es zwei mobile Messstationen von der Flughafengesellschaft. Quelle: Jutta Abromeit

Zwischen 250 und 300 Einwohner finden jährlich den Weg zum Fluglärmschutzbeauftragten in Schönefeld. Nur wenige Büros entfernt sitzt auch die Schallschutzbeauftragte des Landkreises. In direkter Nähe zum Airport gibt es im Haus des Dialogforums fast alle wichtigen Informationen für Anwohner an einem Ort.

„Einige unserer Gäste interessieren sich für einen Hauskauf“, berichtet Strogies, „andere Bürger landen erst später bei uns und wären wohl froh gewesen, vorher zu wissen, was sie erwartet.“ Die Beratung zum Thema Fluglärmschutz nehmen zunehmend auch Immobilienentwickler in Anspruch. „Im Gegensatz zu privaten Anfragen liegen in diesen Fällen wirtschaftliche Aspekte im Vordergrund“, sagt Strogies.

Gesamtkonzept für Lärmschutz und Schadstoffbelastung gefordert

Der Fluglärmschutzbeauftragte hat aber nicht nur für die Einwohner Ratschläge parat. Auch den Politikern und der Verwaltung im Landkreis Teltow-Fläming gab er kurz vor den Kommunalwahlen noch ein paar Empfehlungen an die Hand.

„Besonders wichtig wäre es aus meiner Sicht, ein Gesamtkonzept zu entwickeln, das die Aspekte Lärmschutz und Kohlendioxidbelastung ganzheitlich betrachtet“, sagte Patrick Strogies.

Im Lärmschutzhaus des Beratungszentrum können sich Anwohner und potentielle Hauskäufer informieren. Quelle: Uta Schmidt

Denn bei beiden Themen gibt es zwar seit vielen Jahren immer wieder Diskussionen und Neuerungen, beispielsweise um lärmabhängige Entgelte für die Fluggesellschaften. „Doch inhaltlich sind sie gänzlich gegensätzlich“, gibt Strogies zu bedenken.

Während Lärm abnimmt, steigt die Umweltbelastung

So führen neue Startverfahren der Flugzeuge dank veränderter Anflugwinkel beispielsweise zu weniger Lärm über den Wohnhäusern. Die Anwohner entlastet das bei dem An- oder Abflug um bis zu über einen Dezibel. „Bei einzelnen Bewegungen ist das zwar wenig, aber in der Summe kommt damit eine erhebliche Entlastung zusammen“, erklärt der Fluglärmschutzbeauftragte.

Gleichzeitig steigt bei den angepassten Flugmanövern der Treibstoffverbrauch und damit auch die Umweltbelastung durch die Flugzeuge deutlich an. „Für die zukünftige Arbeit wäre es nun wichtig zu definieren, welcher Aspekt wann Priorität hat“, sagte Strogies.

Von Victoria Barnack

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