Schönefeld: Taxinotstand am BER sorgt für wartende Fahrgäste
Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Schönefeld Taxi-Knappheit am BER sorgt für lange Wartezeiten
Lokales Dahme-Spreewald Schönefeld

Schönefeld: Taxinotstand am BER sorgt für wartende Fahrgäste

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:04 28.07.2021
Viele Taxis stehen vor dem Flughafen BER: Doch aktuell warten mehr Fahrgäste als Fahrzeuge. Insgesamt haben 220 Taxis aus LDS derzeit eine BER-Berechtigung.
Viele Taxis stehen vor dem Flughafen BER: Doch aktuell warten mehr Fahrgäste als Fahrzeuge. Insgesamt haben 220 Taxis aus LDS derzeit eine BER-Berechtigung. Quelle: Soeren Stache/dpa
Anzeige
Schönefeld

Reisende die aktuell versuchen am Flughafen BER ein Taxi zu ergattern, können zum Teil mit langen Wartezeiten rechnen. Vor allem zu den Stoßzeiten am Mittag und Abend braucht man Geduld am Taxistand.

Mit den Öffnungsschritten und der Haupturlaubssaison, stieg auch die Anzahl der Passagiere am Hauptstadtflughafen. Erst vergangene Woche verkündete Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup mit, dass man erstmals mehr als 50.000 Passagiere an einem Tag gezählt habe (MAZ berichtete).

Taxifahrer, die sonst stundenlang auf Fahrgäste warteten, haben nun Schwierigkeiten damit den Andrang zu bedienen. „Durchschnittlich warten die Fahrer jetzt 28 Minuten, dabei waren es im April noch 611 Minuten“, sagt Özcan Ekinci, Vorsitzender des SFX Taxiverband BER.

Er und seine Kollegen kämpfen schon länger für bessere Arbeitsbedingungen. Denn nachdem bereits Fahrer von Mietwagenservices wie beispielsweise Uber unerlaubterweise immer wieder versuchen Fahrgäste vor Ort abzufangen, haben vor allem die Corona-Pandemie und die ausbleibenden Passagiere für Existenzängste bei den Taxifahrern am Flughafen gesorgt.

Nachdem dort über Monate nicht viel los war, boomt nun das Geschäft. Doch es fehlt an Taxis am Flughafen. Dabei hatten der Landkreis Dahme-Spreewald und das Land Berlin eine Vereinbarung getroffen, die für Taxifahrer aus Brandenburg und der Hauptstadt möglichst gerecht sein sollte.

So sollen jeweils 300 Taxis eine Zulassung für den BER erhalten, insgesamt also maximal 600 Fahrzeuge. Für Landrat Stephan Loge (SPD) ein großer Erfolg, da man in Berlin gefordert hat den Hauptstadtflughafen alleine zu bedienen. „Die Taxifahrer aus LDS sollten keine Chance haben“, erinnert er sich.

Dies sie rechtlich jedoch nicht möglich, da der Flughafen sich in Brandenburg befindet und der Landkreis die Fürsorgepflicht für das Taxigewerbe hat. Im Gegenzug zu den 300 Zulassungen, erhalten die Taxifahrer aus Brandenburg das Recht, auch in Berlin Gäste aufzunehmen, auf dem Weg zurück zum Flughafen.

Für Özcan Ekinci ein Konzept, das so nicht aufgehen kann. So habe man in Berlin einen anderen Tarif als in Brandenburg, jedoch haben die Taxifahrer nicht die Möglichkeit diesen in ihrem Taxameter zu ändern. „Außerdem arbeitet man in Berlin über Funk. Das machen wir nicht“, so Ekinci weiter.

Landkreis bekennt sich zur Verantwortung für die Taxifahrer

„Dieser Vertragsinhalt ist noch ein laufender Prozess“, sagt Stephan Loge auf Nachfrage. Auch die Problematik des „Kundenklauens“ ist im Landratsamt bekannt. So haben die Taxifahrer schon oft vor dem Gebäude demonstriert, um auf ihre Sorgen aufmerksam zu machen.

Zwar wird auf dem Flughafengelände die Zufahrtsberechtigung durch das Unternehmen APCOA PARKING Deutschland GmbH geregelt, dennoch will man mit Kontrollen gegen die „Wilderer“ vorgehen. „Wir werden das jetzt intensivieren“, so Loge.

Doch das Hauptproblem besteht aktuell darin, dass zu den Stoßzeiten zu wenig Fahrer am Flughafen sind. „Viele von uns sind jetzt auch im Urlaub. 30 bis 40 Fahrer fehlen momentan“, erklärt Taxiunternehmer Özcan Ekinci. Er rechnet daher damit, dass spätestens im September wieder längere Wartezeiten auf die Taxifahrer zukommen werden.

Gleichzeitig kommt der Landkreis Dahme-Spreewald den Berlinern entgegen und entbindet die Taxifahrer mit BER-Berechtigung künftig von der Ortskundeprüfung, mit der sich viele Fahrer zuvor schwergetan haben.

Trotz des digitalen Zeitalters und den Navigationsgeräten, über die die meisten Taxifahrer mittlerweile verfügen, sieht Stephan Loge die Abschaffung skeptisch. „Das ist schon nicht zu unterschätzen ortskundig zu sein“, so der Landrat.

Berliner Ring: Der MAZ Newsletter für Dahme-Spreewald und Teltow-Fläming

Der Newsletter für aktuelle Themen in Dahme-Spreewald und Teltow-Fläming – jeden Freitagmorgen neu.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Darüber hinaus sind der Landkreis und Berlin im Gespräch über einen gemeinsamen Flughafentarif. Denn immer wieder wird den Brandenburgern nachgesagt, dass sie teurer wären als die Konkurrenz. Özcan Ekinci dementiert das und auch Stephan Loge sagt, dass dies nur unter bestimmten Prämissen der Fall sei, beispielsweise bei Großraumtaxis.

Bleibt also abzuwarten, wann die Zahl der Taxis am BER zunehmend wird und ob der Markt dann womöglich pandemiebedingt am Flughafen schnell wieder gesättigt sein wird.

Von Joice Saß