Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Dahme-Spreewald Soll ich noch warten?
Lokales Dahme-Spreewald Soll ich noch warten?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:08 14.08.2013
Schönefeld

Die versammelten Experten wunderte das nicht. Nach den Änderungen bei den Flugrouten und der höchstrichterlichen Entscheidung vom April zur strikten Einhaltung des Lärmgrenzwertes von 55 Dezibel in Innenräumen stellen sich für Anwohner viele Fragen neu. So wollte Ursula Woythe aus Schulzendorf gestern wissen, ob die Kölner Straße nun womöglich doch in der Schutzzone liegt. Dahme-Spreewalds Flughafen-Ombudsmann Wolfgang Diedrich verneinte nach einem kurzen Blick in seine Unterlagen. "Ich mache Ihnen nicht viel Hoffnung", antwortete er. "Aber ich überprüfe das noch mal genau." Nächste Woche wird er ihr abschließend Auskunft geben. Wenig Hoffnung gibt es auch für Klaus Feuerhahn aus der Chemnitzer Straße in Schulzendorf, einen Anspruch auf Schallschutz hat er laut Diedrich ebenfalls nicht. Gleiches gilt für die Sophienstraße in Schulzendorf, nach der sich Jürgen Heider per E-Mail erkundigt hatte. Sie liegt nicht im Schutzgebiet, so Wolfgang Diedrich.

Ganz anders ist das bei einem Anrufer aus Alt-Schulzendorf. Sein Haus ist bereits begutachtet worden, der Flughafen hat die Übernahme der Baukosten längst bestätigt. Der Schallschutz wurde aber noch nach den alten Grenzwerten bemessen, die vor dem Basta-Urteil vom Frühjahr galten. Weil er sich nicht sicher war, was noch alles kommt, hat er die Umbauten bisher nicht veranlasst. "Soll ich noch warten?", frage er. Vom Schallschutzbeauftragten der Flughafengesellschaft, Peter Lehmann, gab es darauf eine klare Antwort: "Warten Sie nicht mehr!" Der neue Schallschutzbedarf wird gerade ermittelt, Mitarbeiter von sieben Ingenieurbüros sind in Dahme-Spreewald und Teltow-Fläming unterwegs. Anschließend sollten die Umbauten sofort veranlasst werden, riet Lehmann. Er betonte, dass der Flughafen den Richterspruch akzeptiere, trotz der Beschwerde dagegen. "Wir sehen uns verpflichtet, diesen Schallschutz umzusetzen. Das tun wir jetzt."

Es meldeten sich Leser, die bereits Schallschutzfenster eingebaut bekommen haben. Ob mit dem strengeren Lärmgrenzwert nun die Scheiben ausgetauscht oder gar die Fenster wieder rausgerissen werden müssen, fragte Egon Klein aus Blankenfelde. "Um das zu entscheiden, müssen wir die neue Bewertung abwarten. Das muss in jedem Einzelfall geprüft werden", sagte Karl Stork von der Granseer Firma MB Fenstertechnik, die im Rahmen des Schallschutzprogramms viele Aufträge ausführt. Teilweise seien schon dickere Scheiben eingebaut worden.

Zur Funktion der Lüfter erkundigte sich Dieter Langer aus Mahlow. Zwar habe es bisher keine Probleme gegeben, doch höre er immer wieder, dass Schimmel entstehen könne und die Räume nicht richtig entlüftet würden. Volker Gluske von der Siegenia-Aubi-Gruppe, deren Lüfter überall eingebaut werden, antwortete: "Diese Angst ist unbegründet. Ich kenne keine derartigen Fälle." Die Lüfter seien schon seit zehn Jahren in Schönefeld im Einsatz und hätten sich auch in anderen Flughafenregionen stets bewährt.

Ein Anrufer wollte wissen, ob Lüfter mit Wärmerückgewinnung besser seien. "Ja, aber die Kosten für Anschaffung und Betrieb sind um ein Vielfaches höher", antwortete Olaf Damm von der Waltersdorfer Fenster-und-Türen Firma, die ebenfalls zum Schallschutz-Firmenpool gehört.

Mehrere Fragen gab es zu den 4000-Euro-Entschädigungen für Außenbereiche am Haus, die wegen des künftigen Flugverkehrs nicht mehr wie bisher genutzt werden können. Bei Irene Siebert aus Blankenfelde konnte Peter Lehmann eine rasche Antwort geben: Ihr Antrag ist bestätigt worden, das Geld sei unterwegs. Ursula Reinwand aus Blankenfelde wollte wissen, für welche Bereiche der Alpenstraße und der Moselstraße es die Entschädigungen gibt. Sie und ihr Nachbar gingen bisher leer aus, für das übernächste Grundstück habe es dagegen die Entschädigung gegeben. Ombudsmann Wolfgang Diedrich will sich diesen Fall genau anschauen und die Leserin dann informieren. Die Darstellung auf einer Karte war zu ungenau, um es gleich zu klären. "Wenn nur ein Zipfel des Grundstücks in dem Entschädigungsgebiet liegt, haben Sie Anspruch. Wenn nicht, gibt es kein Geld. Es gibt hier keinen Spielraum für Ausnahmen, diese Vorgaben gelten übrigens bundesweit."

Eine Anruferin aus Kiekebusch fragte, ob der Flughafen den Umbau der Terrasse zum Wintergarten finanziert. Nein, war die kurze Antwort darauf. "Sie könnte das mit der Entschädigung machen, die wir zahlen, wenn der bauliche Aufwand für den Schallschutz zu hoch ist. Aber auch das würden wir nicht empfehlen", sagte Peter Lehmann. "Man sollte die Entschädigungen zuerst für den Schallschutz einsetzen."

Die Fensterbauer Olaf Damm und Karl Stork berichteten von Problemen bei der Vorbereitung von Bauarbeiten im Haus. Rentner, die auf sich gestellt sind, könnten die Zimmer oft nicht alleine ausräumen. Sie seien es oft auch, die sich scheuten, die Arbeiten überhaupt machen zu lassen oder gar ihren Schallschutz zu beantragen. Flughafensprecher Lars Wagner kennt das Problem. "Wir wissen, dass die Schallschutz-Einbauten ein gravierender Einschnitt im direkten Lebensumfeld sind. Deshalb ist es uns wichtig, auf die Menschen zuzugehen." Er bat darum, Hinweise zu geben, wenn Nachbarn Hilfe, etwa beim Möbelräumen brauchen. Zugleich rief er dazu auf, die Schallschutz-Ansprüche anzumelden. "Erst dann können wir tätig werden", sagte Wagner.

Wie zurückhaltend die Flughafen-Anwohner beim Schallschutz noch sind, belegen Zahlen. So haben rund 10.000 Menschen Anspruch auf die "Garten-Entschädigung" von 4000 Euro, mehr als die Hälfte von ihnen hat den formlosen Antrag noch gar nicht gestellt. Im sogenannten Nachtschutzgebiet fehlen noch 4100 Anträge von Anwohnern, die neue Fenster und Lüfter bekommen können. 6400 Schallschutzbescheide sind erlassen worden, aber es wurden erst 944Baumaßnahmen durchgeführt. Dabei hat das jüngste Urteil mit dem nächtlichen Schallschutz nichts zu tun. "Daran ändert sich nichts", sagte Peter Lehmann.

Dass beim Tagschutz viele Betroffene weiter abwarten wollen, liegt nach Ansicht von Lehmann daran, dass ihre Ansprüche bis fünf Jahre nach der Flughafeneröffnung gelten. Sie würden auf bessere technische Möglichkeiten beim Schallschutz hoffen und darauf, dass er sich dann am tatsächlichen Fluglärm orientiert. Ombudsmann Wolfgang Diedrich: "Ich empfehle, das Bestmögliche schon jetzt zu tun."

Von Frank Pawlowski

Dahme-Spreewald 100. Todestag von August Bebel - Sozialdemokraten erinnern - Gedenkveranstaltung neben einem Straßenschild

Der SPD-Politiker August Bebel ist vor 100 Jahren gestorben. Sozialdemokraten aus Eichwalde erinnern an der gleichnamigen Straße an einen der wohl bedeutendsten Sozialdemokraten.

14.08.2013
Dahme-Spreewald 5. Lange Naturwacht-Nacht im Zeichen der Fledermaus - Unerschrocken auf den Vampirzahn fühlen
14.08.2013
Dahme-Spreewald Wer sein Kind ohne Partner großziehen muss, hat es schwer im Bewerbungsgespräch. - Jung, motiviert, allein erziehend sucht – einen Job

Arbeit, so schnell wie möglich Arbeit! Für die junge Frau, Anfang 20, blonde Haare, pinkfarbene Jacke, ist es gar keine Frage, was sie sich von diesem Projekt erhofft. Ein neues Projekt soll nun die Chancen auf dem Arbeitsmarkt steigern

13.08.2013