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Dahme-Spreewald Gin aus Brandenburg feiert Humboldts Südamerika-Reise
Lokales Dahme-Spreewald Gin aus Brandenburg feiert Humboldts Südamerika-Reise
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00:20 02.06.2019
Humboldt mit Gin Quelle: dpa/Spreewood
Potsdam

 „Unsere Liebe gilt zu 95 Prozent dem Whiskey“, sagt Steffen Lohr, einer der Geschäftsführer der Spreewood Distillers aus Schlepzig (Dahme-Spreewald). Deswegen war er zunächst auch nicht übermäßig enthusiastisch, als ihm David Blankenstein die Idee mit dem Humboldt-Gin vortrug. Der gegenwärtige Gin-Hype gehe ihm sogar ein wenig auf die Nerven, räumt er ein.

Doch David Blankenstein – er kennt Lohr, weil ihre Söhne in Berlin die gleiche Kita besuchen – hat nicht locker gelassen. Blankenstein ist Kurator und bereitet gerade eine große Humboldt-Ausstellung im Deutschen Historischen Museum vor. Und so kam der Forschergeist schließlich doch in Flasche. Als hochprozentige Ergänzung (43 Umdrehungen) zur Schau im Museum, die im November eröffnet wird.

Steffen Lohr, einer der Geschäftsführer der Spreewood Distillers. Quelle: Thorsten Keller

Anlass der Ausstellung ist der 250. Geburtstag Alexander von Humboldts im September, der „Humboldt Gin“ (13.000 Flaschen wurden im Mai in Schlepzig hergestellt) ist allerdings schon fertig. Die rauschende Premieren-Party führte die Spreewood Distlillers und ihre Gäste schließlich in den Botanischen Garten nach Berlin, wo in einem Bunker das pflanzliche Erbe des legendären Wissenschaftlers und Weltentdeckers bewahrt wird. Es gibt sie wirklich, die direkte Verbindung des Humboldt-Destillats zu seinem Namensgeber.

„Ein guter Gin sollte eine Geschichte erzählen“, ist David Blankenstein überzeugt. Die Story, in Kurzform: Die wichtigsten Aromen in diesem Gin stammen aus jenen Regionen, die Humboldt in Latein- und Südamerika bereiste, aus dem Orinoko-Delta (Venezuela), den Anden, der Karibik und aus Mexiko. Das Label der Flasche zeigt Humboldt und seine Gefährten in den Anden, am Fuße des Vulkans Cayambe in Equador.

Der Humboldt-Gin kostet 22 Euro. Quelle: Spreewood Distillers

Das Schöne an dieser Geschichte: Es handelt sich eben nicht um ein alkoholbefeuertes Märchen aus alter Zeit. Die Nachwelt weiß sicher, dass seine Expedition Humboldt 1802 auch ins equadorianische Hochland führte. Die Südamerika-Reise zu Beginn des 19. Jahrhunderts ist durch Humboldts Tagebücher und die von ihm unterwegs eingesammelten und nach Europa zurückgebrachten Pflanzen lückenlos dokumentiert. Vieles von dem, was Humboldt mitbrachte, war in der Alten Welt zuvor unbekannt gewesen. Und vieles davon hat die Jahrhunderte überdauert.

„Botanisches Fort Knox

Dr. Robert Vogt schließt den Raum K2 auf. Er befindet sich in einem für Besucher unzugänglichen, fensterlosen Unterbau des Botanischen Museums in Berlin – hier werden 3000 getrocknete Pflanzen verwahrt, die Ausbeute von Humboldts südamerikanischer Reise überhaupt. „Das ist unser botanisches Fort Knox“, sagt Vogt, der als Kustos für das Herbarium das BGBM (Botanischer Garten und Botanisches Museum) verantwortlich ist.

Seit 1815 ist die weltweit größte Humboldt-Sammlung der wichtigste Schatz des Museums, die Pflanzen lagern bei konstanten 18 Grad Raumtemperatur und 40 Prozent Luftfeuchtigkeit in stabilen Pappschubern. Die Sammlung ist benannt nach Carl Ludwig Wildenow, Botanik-Professor und erster Chef des Museums. Während des Zweiten Weltkriegs war das Wildenow-Herbarium in einem Banksafe deponiert worden, die übrigen Bestände des Museums gingen 1943 nach einem Luftangriff in Flammen auf.

Hüter des Humboldt-Schatzes: Robert Vogt, Kustos des Herbariums im Botanischen Museum. Quelle: Thorsten Keller

Nachdem David Blankenstein die Spirituosenmacher aus dem Spreewald mit dem Botanischen Museum vernetzt hatte, und ihnen Zutritt ins Allerheiligste verschafft hatte, war auch Steffen Lohrs Widerstand gebrochen. Die Auswahlwette 7 aus 3000 konnte beginnen.

Nach diversen Experimenten, die dem Prinzip „Versuch und Irrtum“ folgten, blieben schließlich sieben Botanicals aus Südamerika übrig, die sich erstens besorgen lassen und sich zweitens im mazerierten (in Alkohol eingelegten) Zustand gut miteinander vertragen. Dazu gehören unter anderem Angosturarinde (Angostura trifoliata), die mit Abstand teuerste Zutat (100 Gramm kosten 90 Euro), Chinarinde (Cinchona 0fficinalis) und Blauer Salbei (Salvia sagittata).

Angostura, als Bitteraroma Bestandteil vieler Mixgetränke, und Chinarinde waren den indigenen Völkern schon lange vor Humboldt als Naturmedizin geläufig. Der Wirkstoff der Chinarinde, Chinin, war lange Zeit das einzige Mittel gegen Malaria. Um es genießbar zu gestalten, wurde es mit Limonade verdünnt, die Geburtsstunde des Tonic Water. Damit schließt sich der Kreis zwischen Alexander von Humboldt und dem gleichnamigen Gin.

Schatz im Botanischen Museum: Dieses Pflanze brachte Humboldt von seiner Südamerika-Reise mit. Quelle: Thorsten Keller

Von Thorsten Keller

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