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10:29 13.08.2013
Richard Dehmel – ein Dichter, der in Hermsdorf geboren wurde. Quelle: MAZ
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Hermsdorf

"Ich will ergründen alle Lust, so tief ich dürsten kann", schreibt der Lyriker Richard Dehmel in seinem Gedicht "Bekenntnis" aus dem Bändchen "Erlösungen" (1891). Aus der ganzen Welt wollte er sie schöpfen, die Lust, und stürbe er daran. Die Worte gehen tief: Der Lyriker Richard Dehmel ist ein Sprachakrobat, der mit seiner Kunst den Menschen aus der und in die Seele sprach.

Den berühmtesten Sohn Hermsdorfs wollen die Bürger des Ortes in diesem Jahr aus seinem "Dornröschenschlaf" erlösen und ihn aus der Gruft des Vergessens zurück holen. Schon seit Anfang des Jahres erscheint im Gemeindeboten regelmäßig ein Artikel über Richard Dehmel. Im letzten Beitrag soll nun über die Streitbarkeit des Mannes Auskunft gegeben werden. Autor ist Münchehofes Bürgermeister Ralf Irmscher, der zugleich als Ortschronist tätig ist. Darüber hinaus wollen Kulturklub Hermsdorf und die Gemeinde in diesem Herbst bei der Festveranstaltung zum 150. Geburtstages Richard Dehmels an sein Leben und Wirken erinnern. Die Geburtstagsfeier, so Ralf Irmscher, wird eine Mischung aus Lesung und Lektion werden. Das dafür vorgesehene Datum wird der 23. November sein. Gegenwärtig sind die an den Vorbereitungen Beteiligten dabei, das Programm zu planen und Gäste einzuladen. Mit dabei sollen Dehmel-Freunde aus Hamburg sein, wo der Dichter aus Hermsdorf die meiste Lebenszeit verbrachte. Aber auch vom Hermsdorf-Verein, der alle Ortschaften mit dem Namen Hermsdorf weltweit zusammen führt, sollen Geburtstags-Besucher eingeladen werden.

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Richard Dehmel war als Sohn eines Försters in Hermsdorf zur Welt gekommen. Doch schon im Alter von drei Jahren musste der Junge den idyllischen Ort verlassen. Denn sein Vater wurde nach Kremmen bei Oranienburg geschickt, wo Sohn Richard später auch die Schule besuchte. Allerdings nicht lange, denn wegen einer Auseinandersetzung mit dem Schuldirektor, musste Richard die Bildungseinrichtung verlassen und wechselte an das Gymnasium in Danzig (heute Gdansk). Nach dem Abitur studierte er Naturwissenschaften, Nationalökonomie und Philosophie. In Leipzig schloss der junge Dehmel die Promotion an. 1889 heiratete Richard die Märchendichterin Paula Oppenheimer, mit der er zusammen Kinderbücher verfasste. Bald entstanden seine ersten Gedichtbände "Erlösungen" und "Aber die Liebe". In dieser Zeit arbeitete der Schreiber noch immer in einem Versicherungsverband. Seit 1895 war er jedoch freier Schriftsteller geworden. Nach der Veröffentlichung des Gedichtbandes "Weib und Welt", in dem sich die Verse von "Venus Consolatrix" befanden, das Richard Dehmel geschrieben hatte, nachdem er seine zweite spätere Frau Ida Auerbach kennen gelernt hatte, wurde er wegen der Verletzung religiöser und sittlicher Gefühle verurteilt. Der Text musste geschwärzt werden. Doch der Skandal machte den Namen Dehmel bekannt.

Mit Ida Auerbach unternahm Richard Dehmel weite Reisen durch Europa und ging 1901 nach Hamburg. 1912 gründete er die Kleist-Gesellschaft. Zwei Jahre später meldete er sich nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges als Freiwilliger zum Militäreinsatz, wo er bis 1916 diente. In jener Zeit galt er bereits als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Lyriker. "Komponisten wie Richard Strauss oder Kurt Weill vertonten seine Gedichte oder wurden zum Komponieren angeregt", sagt Ralf Irmscher über den Sohn von Hermsdorf. Die Literaturliste mit seinen Werken ist lang. Neben den "Erlösungen" gehören auch die "Lebensblätter" dazu, "Fitzebutze. Allerhand Schnickschnack für Kinder", die Dichtung "Eine Lebensmesse" oder das Drama "Die Menschenfreunde".

Von Andrea Müller

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