Teupitz: Asklepios-Beschäftigte wollen Streik ausweiten
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Dahme-Spreewald Arbeitskampf am Asklepios-Klinikum: Nächste Streikwelle ist schon geplant
Lokales Dahme-Spreewald

Teupitz: Asklepios-Beschäftigte wollen Streik ausweiten

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17:20 25.10.2021
Wollen weiter für bessere Löhne streiten: Die Klinikbeschäftigten am Montag beim Streik-Frühstück vor dem Asklepios-Fachklinikum in Teupitz.
Wollen weiter für bessere Löhne streiten: Die Klinikbeschäftigten am Montag beim Streik-Frühstück vor dem Asklepios-Fachklinikum in Teupitz. Quelle: Jérôme Lombard
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Teupitz

Uwe Schmidt hat eine klare Meinung. „Wer eine gute Pflege der Patienten will, darf nicht nur klatschen, sondern muss für gerechte Löhne und akzeptable Arbeitsbedingungen für die Mitarbeitenden in den Kliniken sorgen“, fordert er.

Schmidt ist seit mehr als 20 Jahren als Pflegefachkraft an dem psychiatrisch-neurologischen Fachklinikum in Teupitz beschäftigt. Am Montagmorgen steht er zusammen mit rund 30 seiner Kollegen auf einer Wiese vor dem Klinikgebäude in der Buchholzer Straße. Schon von Weitem ist das Banner zu lesen: „Wir streiken.“

Streik-Versammlungen in Teupitz, Brandenburg, Lübben

Es ist der inzwischen bereits siebzehnte Streiktag in der anhaltenden Tarifauseinandersetzung zwischen der Gewerkschaft Verdi und dem privaten Asklepios-Konzern. Am Montag haben die streikenden Beschäftigten an den drei Brandenburger Klinikstandorten in Teupitz, Brandenburg an der Havel und Lübben zum Streik-Frühstück geladen.

Schmidt hat seine neongelbe Verdi-Weste samt Transparent mitgebracht. „Das Gesundheitswesen darf nicht alleine dem Markt überlassen werden“, findet er. Wohin die Privatisierung der Krankenhäuser führe, zeige sich drastisch bei Asklepios. „Wir haben einfach nicht genug Personal, um eine menschliche Eins-zu-eins-Betreuung der Patienten zu gewährleisten“, sagt der Krankenpfleger.

Uwe Schmidt (rechts) arbeitet seit über 20 Jahren als Pfleger am Klinikum in Teupitz. Quelle: Jérôme Lombard

Tarifverhandlungen an Brandenburger Standorten stocken seit Monaten

Durch das „Lohndumping der Geschäftsführung“ seien die Brandenburger Klinikstandorte massiv in ihrem Fortbestand gefährdet. „Die Kollegen arbeiten gerne hier, aber wenn ich als gelernter Pfleger unterbezahlt und schlecht behandelt werde, überlege ich mir natürlich, woanders hinzugehen.“

Seit Monaten sind die Tarifverhandlungen zwischen Verdi und dem Asklepios-Konzern für die 1300 nichtärztlichen Beschäftigten der drei Brandenburger Klinikstandorte festgefahren. Die Gewerkschaft fordert die Angleichung des geltenden Haustarifvertrags an den Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) – mit den gleichen Konditionen, wie sie die Asklepios-Mitarbeiter am Stammsitz in Hamburg erhalten.

Lohn-Vorstellungen liegen weit auseinander

Konkret bedeutet das: Zwischen 6,6 und 10,8 Prozent mehr Lohn aktuell und um weitere 1,8 Prozent mehr ab April 2022 will Verdi bei den Verhandlungen für die Kollegen in Teupitz und den beiden weiteren Brandenburger Asklepios-Standorten in Lübben und Brandenburg an der Havel herausholen. Außerdem soll erreicht werden, dass die Arbeitszeit stufenweise bis 2025 von 40 auf 38,5 Stunden abgesenkt wird und den insgesamt 1600 Klinikmitarbeitern Zusatzurlaub für Wechselschichtarbeit zugutekommt.

Doch Asklepios lehnt dies bis dato strikt ab. Das letzte Angebot des Konzerns vom 22. Juni sieht vor, dass sich das Gehalt für Pflegedienst, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten und Sozialarbeiter zum 1. April 2022 um 2,5 Prozent und zum 1. Juni 2023 um weitere 1,6 Prozent erhöht wird. Dies kommt über die 33 monatige Laufzeit vom 1. April 2021 bis zum 31. Dezember 2023 einer Gehaltserhöhung um etwas mehr als vier Prozent gleich.

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit bleibt Ziel

Eine MAZ-Nachfrage, ob die andauernde Streikwelle die Konzernführung womöglich dazu bewegen wird, zum Verhandlungstisch zurückzukehren, ließ der Asklepios-Sprecher zunächst unbeantwortet.

Jirka Wittulski, Sprecher der Verdi-Betriebsgruppe in Teuptiz, hat kein Verständnis für die harte Haltung der Klinikführung. „Das bisherige Angebot des Arbeitgebers würde den Tarifabstand zum TVöD und zu Asklepios in Hamburg nicht kleiner, sondern größer machen“, sagt Wittulski am Montag beim Streik-Frühstück. Alles, was man fordere, sei, für die gleiche Arbeit wie die Kollegen in Hamburg auch den gleichen Lohn zu bekommen.

Jirka Wittulski ist in der Verdi-Betriebsgruppe in Teuptiz aktiv. Quelle: Jérôme Lombard

Entscheidung des Landesarbeitsgerichts

„Das ist unsere Kernforderung, für die wir weiter auf die Straße gehen werden“, sagt Wittulski kämpferisch. Die Kollegen seien gut drauf und fest entschlossen. „Auch die aktuelle Einschränkung des Streikrechts, die uns massiv trifft, kann die Kollegen nicht entmutigen“, sagt Wittulski mit Blick auf eine Entscheidung des Landesarbeitsgerichts aus der vergangenen Woche.

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Das Gericht hatte den Antrag der Asklepios-Kliniken auf Untersagung des Arbeitsausstands zwar zurückgewiesen, aber gleichzeitig zusätzliche Notdienste für weitere neun Stationen in Lübben und in Teupitz angeordnet. Damit mussten zusätzlich mehr als 40 Beschäftigte täglich zusätzliche Notdienste übernehmen – sie konnten sich deswegen nicht am Streik beteiligen.

Nächste Streikwelle soll kommende Woche anrollen

Verdi hatte daraufhin die betroffenen Stationen aus dem Streik der aktuellen Streikwelle herausgenommen. Verdi will gegen die Entscheidung, die die Asklepios-Mitarbeiter aus Sicht der Gewerkschaft gegenüber Berufsgruppenin anderen Branchen massiv benachteilige, Beschwerde einlegen.

Unabhängig von der juristischen Entscheidung in der Sache: „Für die kommende Woche planen wir weitere Arbeitskampf-Aktionen“, verspricht Gewerkschafter Wittulski. Es gehe darum, die Streikintervalle kurz zu halten, um den Druck weiter zu erhöhen.

Der aktuelle Ausstand geht noch bis Mittwochfrüh. Am Dienstag wollen die Brandenburger Beschäftigten gemeinsam in Lübben demonstrieren. Auch Uwe Schmidt und seine Teupitzer Kollegen sind dann wieder mit von der Partie. „Das Streikrecht lassen wir uns von niemandem nehmen“, sagt er.

Von Jérôme Lombard