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Dahme-Spreewald Tiefergelegte Galerie in Wünsdorf
Lokales Dahme-Spreewald Tiefergelegte Galerie in Wünsdorf
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10:55 04.10.2013
Das Delta steht für die griechische Zahl Vier, Peter Meixner, Robin Wulff, Sven Schenk und Helen Wagner (von links) stehen für die gleichnamige Band.
Das Delta steht für die griechische Zahl Vier, Peter Meixner, Robin Wulff, Sven Schenk und Helen Wagner (von links) stehen für die gleichnamige Band. Quelle: Matthias Medger
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Wünsdorf

"Die Dinge 5, Über Leben" heißt die Schau. Initiiert vom brandenburgischen Landesverband der Gemeinschaft der Künstlerinnen und Kunstförderer, der Gedok, setzt sie zeitgenössische Kunst in gewagte Räume ‒ unter der Erde.

Die Klagelaute vom Band gehören zu einer Videoarbeit der Künstlerin Ulrike Rosenbach, in welcher sie Frauen zeigt, die sich mühsam ihre Existenz sichern. Ein Monitor wiederholt Bilder einer Trümmerfrau, die scheinbar endlos Schutt schippt. Das Murmeln wird überlagert vom Surren eines Videobeamers, der die hagere Gestalt eines Mädchens an die feucht-fleckige Wand projiziert. Es kniet auf der Erde und backt Brot. Sein Gesicht wendet es beschämt vom Betrachter ab. Die Stimmung ist beklemmend ‒ bis zum Moment, da helles Glockengeläut im Gang einsetzt, das den Besucher aufatmen lässt.

"Kunst und Ort wirken faszinierend zusammen", sagt Gedok-Chefin Gerlinde Förster, die an diesem Nachmittag durch die Schau führt. "Die Werke verändern sich mit den Bedingungen im Bunker. Die Enge, 14 Meter unter der Erdoberfläche, überträgt sich auf den Betrachter." Statt in einer warmen hellen Galerie stehen die Besucher im matt beleuchteten Stollen des "Zeppelin", dessen Wände die Toninstallationen zurückwerfen "wie das Echo verlorener Seelen", beschreibt ein Gast. Seine Augen suchen die Mauern ab nach papiernen Umrissen von Figuren, die Künstlerin Susanne Ahner verteilt hat. Sie ist aus Berlin nach Wünsdorf hinausgekommen, überprüft ihre Arbeit und staunt, "wie die Silhouetten ihre Farben verändert haben". Die Feuchtigkeit der Räume ist ins Papier gekrochen, und hat es aufgehellt, bisweilen fast ausgeblichen. Genau darum sei es ihr gegangen, sagt Ahner, "einen Ausdruck von Vergänglichkeit zu zeigen". Der historische Ort passe wunderbar dazu. Vergänglich aber weniger bedrohlich ist die Arbeit der Zossenerin Kerstin Becker, zu der das Glockengeläut gehört. Becker hat mit Tapetenkleister großformatige Fotos an die Wände geklebt. Jedes Bild zeigt einen Ort, an dem die 56-jährige Künstlerin gelebt hat ‒ oder lebt ‒ sowie Szenen, die sie damit verbindet. "Das ist doch die Puppenwerkstatt in der Stubenrauchstraße?", fragt prompt eine Besucherin. Die Worte verhallen im Raum, während ihr Begleiter die Schultern zuckt.

Wünsdorf ist die letzte von fünf gastgebenden Stationen des "Die Dinge5"-Kunstprojekts. Seine übrigen Schauplätze waren ein Kornspeicher in der Uckermark, ein Schloss und ein Kloster in Oberhavel sowie ein altes Gutshaus, "das letzte verbliebene Gebäude eines Ortes, der für den Tagebau in der Lausitz weggebaggert wurde", berichtet Gerlinde Förster. Analog sei mit einer Installation verfahren worden, sie wurde nach der Finissage symbolisch zugeschüttet.

Jeder zur "Galerie" bestimmte Ort stellte eigene Werke aus, die mehrheitlich exklusiv für die Ausstellung geschaffen wurden. Wünsdorfs Kuratorin Jaana Prüss hat Ausnahmen gemacht und Installationen angefragt, die bereits existierten "und thematisch passten. Eigentlich mag ich Kunst, die für den Betrachter nicht so eindeutig ist, aber im Bunker wirken die Arbeiten sehr eindeutig." Das trifft zu für die Arbeit des Kölners Hermann Josef Hack: "Bewegliche Ziele" heißt sie und spielt mit den Themen Flucht und Migration. Im Stollen des "Zeppelin" hängen Wimpel, die Hack mit Städtenamen beschriftet hat. In seiner Interpretation sind die Orte austauschbar. "Ein Bunker ist auch ein Zufluchtsort", sagt Jaana Prüss. Bis zur Eröffnung der Wünsdorfer Schau Anfang September hatte sie 50 Stunden unter Tage zugebracht, um die Ausstellung einzurichten.

"Die Dinge 5" wurde mit Landesmitteln gefördert und erhielt von der Stiftung für Jugend, Bildung, Kultur und Sport des Landkreises Teltow-Fläming einen Zuschuss. Daraus finanziert sich auch die Produktion des Ausstellungskatalogs, der ‒ noch etwas Außergewöhnliches ‒ erst zur Finissage am Sonntag erscheint. Förster begründet, warum: "Wir haben ein Begleitprojekt für Grundschüler angeboten. Die entstandenen Arbeiten sollten im Katalog aufgenommen werden."

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Die Finissage der Ausstellung "Die Dinge 5, Über Leben" ist am 6. Oktober um 14 Uhr in der Bücherstadt Wünsdorf-Waldstadt, Zehrensdorfer Straße 12. Dann ist auch der Katalog zum Preis von 10 Euro erhältlich. Um 12 Uhr gibt es noch einmal eine Führung durch die Ausstellung.

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