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Dahme-Spreewald „Es wäre noch mehr Verkehr möglich“
Lokales Dahme-Spreewald „Es wäre noch mehr Verkehr möglich“
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14:15 29.05.2019
Anfahrt mit Stau? Nicht unbedingt. Verkehrsexperter Teschner glaubt, dass viele Menschen auf dem Weg zum BER den öffentlichen Nahverkehr nutzen könnten.  Quelle: aireye (Symbolfoto)
Dahmeland-Fläming

 Bertram Teschner arbeitet seit zehn Jahren als Verkehrsplaner. Für die IHK Cottbus hat er die Verkehrsströme rund um den BER analysiert. Kaum jemand kennt die Straßen und Verkehrswege in der Flughafenregion so wie er.

Herr Teschner, der zunehmende Verkehr ist ein großes Thema im Speckgürtel und in Berlin. Wie würden sie die aktuelle Auslastung der großen Verkehrswege beschreiben?

Bertram Teschner: Aus meiner Sicht ist es aktuell noch recht entspannt. Nach Inbetriebnahme des BER wird es voller werden, aber ein riesiges Chaos erwarte ich auch dann nicht.

Die Passagierzahlen in Schönefeld werden aber auf einen Schlag von 13 auf 35 Millionen pro Jahr ansteigen.

Ja. Aber zum einen ist der Mensch lernfähig und wird Ausweichrouten nutzen, zum anderen gibt es auch immer noch den öffentlichen Nahverkehr. Schon heute reisen 70 Prozent der Fluggäste mit dem ÖPNV nach Schönefeld, es kommt also nur ein geringer Teil dazu. Und wenn die Dresdner Bahn 2025 fertiggestellt ist, wird man 21 Minuten vom Hauptbahnhof bis zum BER brauchen. Damit werden sich viele die Fahrt mit dem Auto sparen. Uns hilft außerdem, dass die Flugverkehre in der Regel gegenläufig zu den Berufsverkehren laufen. Und sie machen auch nur einen relativ kleinen Anteil auf den Straßen aus. Auf der A 100 sind es etwa sechs Prozent.

Bertram Teschner, Geschäftsführer des Planungsbüros Spreeplan Verkehr. Quelle: Oliver Fischer

Andere sehen das weit weniger gelassen. Übertreiben die Leute, die heute schon über die vielen Staus und den zähfließenden Verkehr rund um Schönefeld stöhnen?

Die Frage ist eher, was eine realistische Erwartung ist. In einer solchen Region mit vielen Einwohnern wird man kaum immer und überall die ausreichende Kapazität halten können. Natürlich ist es in Spitzenzeiten voller, und natürlich gibt es punktuell Störungen oder Unfälle, die auf vollen Straßen dann besonders stark wirken. Als Autofahrer muss man vielleicht akzeptieren, dass es manchmal etwas länger dauert. Wir können aus objektiven Verkehrszahlen jedenfalls nicht bestätigen, dass es heute gar nicht mehr funktioniert. Einige Straßen sind stark belastet, aber von der Kapazität her wäre noch mehr Verkehr möglich. Trotzdem gibt es natürlich Knackpunkte.

Welche sind die größten?

Vor allem die Stadtautobahn rings um den Tempelhofer Damm. Dort bündeln sich viele Verkehre. Das wirkt zurück auf den Britzer Tunnel, der bei Rückstau geschlossen wird. Weitere Knotenpunkte liegen vor allem an der Grenze zwischen Berlin und Brandenburg, wo es sich in den Spitzenstunden oft staut.

Wie würde eine ideale Lösung für diese Stellen aussehen? Breitere Straßen? Eine zehnspurige Stadtautobahn?

Da muss man sich überlegen, ob man das will. In Amerika hat man breite, mehrstöckige Straßen gebaut, dort gibt es trotzdem starke Verkehrsprobleme, weil immer mehr Leute mit dem Auto fahren.

Was schlagen Sie stattdessen vor?

Ich bin ein Verfechter des ÖPNV, weil er den Verkehr viel effizienter bündelt. Seit 2006 haben sich die Bahnangebote zum Flughafen zwar verdoppelt, aber punktuell sind weitere Verstärkungen notwendig. Vor allem in Brandenburg sollte man den regionalen Busverkehr weiter verstärken und gut mit dem Bahnverkehr verknüpfen. Ich weiß, das kostet Geld, und es gibt auch nicht so viele Busfahrer. Und auch so ein Bus braucht natürlich freie Straßen. Deshalb haben wir vorgeschlagen, alternative Zufahrten zum Flughafen aufzubauen, damit man immer mehrere Möglichkeiten hat, zum Ziel zu kommen.

Manche sagen, aus verkehrstechnischer Sicht ist es ein Glück, dass der BER nicht schon 2012 eröffnet wurde. Stimmen Sie dem zu?

Das würde ich so nicht sagen. Der Verkehr wäre auch 2012 mit der vorhandenen Infrastruktur leistbar gewesen. Man hätte ja weniger Fluggäste gehabt.

Von Oliver Fischer

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