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Dahme-Spreewald Vollzeitstudium fürs Finanzamt
Lokales Dahme-Spreewald Vollzeitstudium fürs Finanzamt
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14:17 09.01.2017
Angehende Diplom-Finanzwirte: Ümit Bozkurt, Thorsten Kiselowski, David Drengenberg und Dominique Wolf. Quelle: Saskia Kirf
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Königs Wusterhausen

Mit den Absolventen der Fachhochschule für Finanzen in Königs Wusterhausen wird es jeder Brandenburger einmal zu tun bekommen: Die angehenden Beamten werden nach ihrem Studium als diplomierte Finanzwirte vor allem in den Finanzämtern des Landes sitzen. „Wir bilden Steuerjuristen aus“, sagt die Direktorin der Hochschule, Bettina Westphal.

Mit 634 eingeschriebenen Studierenden hat die Fachhochschule, die im vergangenen Jahr ihr 25-jähriges Bestehen feierte, gerade einen neuen Rekord aufgestellt. Zusammen mit den mehr als 400 Auszubildenden für den mittleren Dienst lernen mehr als 1000 Nachwuchskräfte der Steuerbehörden auf dem Campus. Und der wird dringend gebraucht. „Wir haben sehr starke Finanzämter in der Region, die allesamt wachsen“, sagt Direktorin Westphal.

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Ein Teil der Ausbildung findet im Finanzamt statt

Sie selbst ist von Haus aus Juristin. Nach dem zweiten Staatsexamen zog es Bettina Westphal in die Finanzverwaltung. Sie hat lange in verschiedenen Finanzämtern gearbeitet, bis im Jahr 2004 der Wechsel an die Hochschule erfolgte. Seit zwei Jahren leitet Westphal das Haus. Noch immer lehrt sie selbst, wenn der volle Kalender es zulässt. Der Unterricht erfolgt in kleinen Gruppen, eine intensive Lehre steht im Mittelpunkt des Studiums.

„Mir ist der Kontakt mit den Studenten sehr wichtig“, sagt Westphal. Die seien schließlich schon heute Kollegen – als Beamtenanwärter verbringen sie einen Teil ihrer Ausbildung in den Finanzämtern, zudem erhalten sie ab dem ersten Semester Sold. „Das macht ein vergleichsweise sorgenfreies Studieren möglich“, weiß die Direktorin.

Bettina Westphal ist der Kontakt zu den Studenten sehr wichtig. Quelle: Saskia Kirf

„Früher habe ich immer nebenbei gejobbt“, erinnert sich Dominique Wolf. Das ist in der Beamtenlaufbahn nicht mehr nölig. „Das beruhigt ungemein“, sagt Wolf. Überhaupt war die sichere Zukunft ein wichtiges Kriterium für die Berlinerin, sich für das Studium zum Diplom-Finanzwirt zu entscheiden. Die 25-Jährige ist bereits im fünften Semester, in einem halben Jahr stehen die fünfstündigen Klausuren zur Laufbahnprüfung an.

Dann muss die junge Frau zeigen, was sie in den letzten Jahren gelernt hat: Abgabenrecht, Einkommens-, Ertrags- und Umsatzsteuer, Bilanzsteuerrecht und Rechnungswesen sowie die Besteuerung von Gesellschaften werden geprüft. Wolf ist zuversichtlich. „Ich habe bislang alles ohne größere Probleme bestanden“, sagt sie. Sie kann sich vorstellen, die „nächsten 40 Jahre in diesem Bereich zu arbeiten“.

Pflichtlektüre: Gesetzestexte bilden die Basis den Studiums. Quelle: Saskia Kirf

Eine gesicherte Zukunft und perspektivische Aufstiegsmöglichkeiten reizten auch ihren Kommilitonen Thorsten Kiselowsky. „Wir können nach unserem Studium alles mögliche machen“, sagt er, „das finde ich spannend.“ Auch die Dynamik des Steuerrechts fasziniert ihn. „Nichts ist in Stein gemeißelt, alles wandelt sich und passt sich ständig an“, schwärmt Kiselowsky, „wir werden lebenslang lernen.“

Beamte als Dienstleister für den Bürger

Direktorin Bettina Westphal hört es gern, wenn ihre Studenten so denken, Begeisterung für den Beruf findet sie wichtig. „Finanzbeamte sind in erster Linie Dienstleister für den Bürger“, sagt Westphal. „Sie müssen einen guten Service liefern.“ Schließlich lebe man heute nicht in einem Obrigkeitsstaat, sondern in einem sich wandelnden Land. „Heute wenden sich Bürger mit ihren Anliegen an die Ämter und bekommen Hilfe“, beschreibt die Direktorin. „Der Steuerzahler wird nicht mehr als Untergeordneter, sondern als Dienstleistungsempfänger angesehen.“

Auf dem modernen Campus mit seinem 2008 errichteten Hörsaalgebäude lernen mehr als 1000 Nachwuchskräfte alles über das Steuerwesen. Quelle: DPA

Damit die Kommunikation mit diesem funktioniert, geben die Dozenten der Hochschule ihren Studierenden im Fach Sozialwissenschaften die nötigen Kenntnisse in Kommunikation und Stressmanagement mit. Einer der Dozenten ist Andreas Hain. Er hat die Seiten gewechselt.

Hain, der auch Verfahrensrecht und Wirtschaftswissenschaften unterrichtet, war vor seinem Dozentendasein 15 Jahre lang Steuerfahnder. „Ich wollte auch mal mit netten Menschen arbeiten“, scherzt er. Hain legt großen Wert auf die „Soft Skills“ der Nachwuchskräfte: „Bürgerorientierung ist in einer modernen Behörde einfach sehr wichtig.“

Elster-Königreich Brandenburg

Auch die fortschreitende Digitalisierung ist ein großes Thema in den Finanzämtern. Die Brandenburger sind Elster-Könige. In keinem anderen Bundesland werden derart viele Steuererklärungen mit der gebräuchlichen Software erledigt: Zwei Drittel der Märker nutzen das Computerprogramm. „Das ist ein großes Hilfsmittel für die Bürger und die Beamten“, sagt Hochschulchefin Bettina Westphal.

Auch für die Ausbildung bringt dieser Wandel eine Veränderung mit sich. „Der Alltag ist heute ein anderer, das Recht entspringt nicht mehr nur aus den Büchern allein“, fasst Westphal zusammen. Vielmehr würden durch die elektronischen Steuererklärungen Aufgaben an Algorithmen abgetreten, die Beamten könnten sich mehr den Kernproblemen der Steuererhebung widmen. „Einiges an Kleinkram fällt weg“, sagt die Direktorin.

Kleine Unterrichtsgruppen geben den Rahmen für eine intensive Lehre. Quelle: Saskia Kirf

Für die Zukunft ihrer Hochschule hofft Westphal auf einen Bekanntheitsschub. Denn obwohl in Königs Wusterhausen seit einem Vierteljahrhundert Finanzbeamte für Brandenburg und mittlerweile auch für Berlin, Sachsen-Anhalt und den Bund ausgebildet werden, wissen selbst manche Einheimische nicht um die Existenz der Einrichtung. „Wir haben schon viel erreicht“, sagt die Chefin, „doch besonders von potenziellen Bewerbern müssen wir besser wahrgenommen werden. Die Hochschule hat deshalb das Projekt „Steuern und Schule“ gestartet, bietet Projekttage an.

Anspruchsvolle Ausbildung mit vielen Karriereaussichten

Das Studium an der Fachhochschule dauert drei Jahre. Die erste Hälfte bildet das Grund-, die zweite Hälfte das Hauptstudium.

Einen Teil dieser Zeit verbringen die Studierenden an der Hochschule, sie absolvieren aber auch praktische Monate in einem Finanzamt.

Zahlreiche Pflichtfächer sind vorgesehen. Darunter finden sich neben Themen wie Gewerbe- und Einkommenssteuer auch Verwaltungsrecht und Privatrecht sowie Wirtschaft.

Die Zwischenprüfung erfolgt nach dem ersten Semester, nach dem Grundstudium liegen fünf Abschlussklausuren an.

Die Mindestanforderung an Bewerber ist die Fachhochschulreife. Sie müssen ein mehrstufiges Auswahlverfahren durchlaufen, in dem auch Allgemeinwissen und logisches Denken geprüft werden.

Die Berufsbilder für Finanzwirte sind vielfältig. Zudem erlaubt das abgeschlossene Studium ein Masterstudium an einer Universität.

Bei David Drengenberg kam diese Eigenwerbung an. Er studiert im ersten Semester, in vier Wochen finden seine Zwischenprüfungen statt. Daran scheitern etwa zehn Prozent der Studenten – wenn sie beim Wiederholungsversuch nicht bestehen, müssen sie ihren Traum von Beamtenlaufbahn begraben. Zu den fünf bis sechs Stunden Vorlesungszeit am Tag kommen deshalb bei Drengenberg noch „zwei, drei Stunden Lernzeit täglich.“ Der 25-Jährige bezeichnet seine Ausbildung als Vollzeitjob.

„Ja, es ist anspruchsvoll“, pflichtet ihm Ümit Bozkurt bei. Er hat schon ein BWL-Studium abgeschlossen, bald wird er Diplom-Finanzwirt sein und denkt über eine Zukunft als Betriebsprüfer nach. „Bei den vielen Möglichkeiten fürs Berufsleben lohnt sich die Arbeit allemal“, sagt Bozkurt.

Von Saskia Kirf

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