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Dahme-Spreewald Wenn der Winter ein Frühling ist
Lokales Dahme-Spreewald Wenn der Winter ein Frühling ist
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20:01 10.02.2014
Marina Neugebauer, Inhaberin der Boutique Flying Feelings in Mahlow, hat noch eine große Auswahl an Wintersachen im Angebot. Quelle: Christian Zielke

Sonnenbrille statt Wollmütze, Rennrad statt Skier – dieser Winter ist eigentlich ein Frühling. Am Montag erreichten die Temperaturen in der Region Dahmeland-Fläming tagsüber zweistellige Werte. Zwar beginnt der meteorologische Frühling erst am 1.März, doch seine Vorboten sind schon überall sichtbar. Krokusse und Tulpen ragen aus der Erde. Im Baumarkt werden statt Schneeschiebern und Streusalz Primeln und Narzissen in der Auslage präsentiert.

Ohne Winter bleibt das Geschäft bei vielen Einzelhändlern aus. In der Boutique Flying Feelings in Mahlow gibt es noch eine große Auswahl an Winterjacken und dicken Pullovern – mittlerweile alles zum halben Preis. Inhaberin Marina Neugebauer blickt auf ein durchwachsenes Wintergeschäft zurück. „Viele Kunden kaufen nach Bedarf“, sagt sie. Wenn es kalt wird, fällt Vielen ein, dass sie noch eine warme Jacke brauchen. „Vor allem die Frauen haben den Winter abgehakt“, sagt Marina Neugebauer. Ihre Kundinnen decken sich dieser Tage vor allem mit der neuen Frühjahrskollektion ein.

"Amerikaner nehmen uns die Kälte weg"

Zur aktuellen Wetterlage spricht MAZ-Wetterfrosch Karl-Heinz Krebs.

Besteht noch Hoffnung für alle Schlittenfahrer?
Wir haben ja vor 14 Tagen gesehen, wie schnell das gehen kann. Aber ob es noch einen Wintereinbruch geben wird, das liegt im spekulativen Bereich. Ich rechne eher nicht damit, dass wir noch viel Schnee haben werden.

Wird es denn noch mal so richtig kalt in den nächsten Tagen?
Im Gegenteil. In der nächsten Woche wird es auf jeden Fall frühlingshaft. Ich rechne sogar mit zweistelligen Werten am Wochenende. Danach wird es kühler, jedoch nicht regelrecht kalt. Wir werden tagsüber Temperaturen haben, die leicht über dem Nullpunkt liegen und abends kann es zu Frost kommen.

Fällt dieser Winter im Vergleich zu den letzten Jahren aus dem Rahmen?
Das lässt sich so nicht sagen. 2007 bis 2008 hatten wir ähnliche Verhältnisse. Dieser Winter ist auf jeden Fall nicht der mit Abstand wärmste. Letztes Jahr kam der große Kälteeinbruch übrigens erst im März, da war es dann extrem kalt.

Warum ist es denn hierzulande derzeit so mild und trocken?
Weil den ganzen Winter schon die Kälte nach Nordamerika zieht. Wir bekommen unsere Wärme zurzeit aus dem Südwesten, also aus Spanien. Die Amerikaner nehmen uns gewissermaßen die ganze Kälte weg.

Womit ist denn in der Zukunft zu rechnen. Wird es eher wärmer oder kälter?
Also die Erderwärmung ist aktuell fast zum Stehen gekommen, weil die tiefen Ozeane die Wärme schlucken. Von daher lässt sich nicht sagen, wie sich die Winter in den nächsten Jahren entwickeln werden.

Interview: Jan Schulte

Noch nicht abgehakt ist der Winter bei den Straßenmeistereien. „Das ist der kürzeste Winter, an den ich mich erinnern kann“, sagt Andreas Geißler, Regionalbereichsleiter für den Betriebsdienst des Landesbetriebs Straßenwesen. Am auffälligsten war nur die Nacht vom 20. zum 21.Januar. „Da hat der Regen das präventiv gestreute Salz weggespült und die Straßen waren spiegelglatt“, sagt Geißler. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten hätten die Straßenmeistereien das Wetter schnell im Griff gehabt. Das im Januar verbrauchte Streusalz habe man schon wieder nachbestellt. „Die Schneepflüge und Salzstreuer bleiben erstmal an den Autos“, sagt Geißler . Von einer Meteorologin des Deutschen Wetterdienstes habe er vergangene Woche erfahren, dass die Temperaturen bis Anfang März auf dem derzeitigen Niveau verharren sollen. Sollte es der Winter sich doch noch einmal anders überlegen, sei man „gut gerüstet“, sagt Geißler.

In der Gemeinde Blankenfelde-Mahlow will man noch keine Winterbilanz ziehen. „Das machen wir erst im März, wenn wirklich alles vorbei ist“, sagt Corinna Herold, Teamleiterin des Tiefbauamtes. Dennoch habe man bereits erste Schlaglöcher mit Kaltasphalt reparieren müssen. Und es könnten noch mehr werden. „Gerade der Wechsel von Frost in der Nacht und Plusgraden am Tag macht die Straßen kaputt“, sagt Corinna Herold. Dann dringt das Tauwasser in Risse und Fugen ein, gefriert und sprengt den Fahrbahnbelag regelrecht auseinander.

Das ständige Auf und Ab der Temperaturen kann auch sein Gutes haben, erklärt Schädlingsbekämpfer Frank Matschke aus Zeesen. Wenn es zu warm ist, fällt bei vielen Insekten die Winterruhe aus. „Wenn es dann wieder richtig kalt wird, verhungern viele Wespenköniginnen.“ Hoffnung auf einen schädlingsfreien Frühling und Sommer kann er aber nicht machen. Viele der lästigen Tierchen seien gut an das Klima angepasst. Bleibt es so warm, werden etwa Eichenprozessionsspinner schon bald zur Plage. „Wenn die ersten Blätter an den Eichen sind, geht es los“, sagt Matschke über den Schädling, der ihm in den vergangenen Jahren reichlich Arbeit beschert hat.

Endlich ist er da, sagen die einen. Wir hätten ihn nicht gebraucht, sagen die anderen. Zum Wintereinbruch kann man stehen wie man will. Schön sieht der Schnee allemal aus. Wir haben am Mittwochmorgen ein paar Schnappschüsse in den Landkreisen Dahme-Spreewald und Teltow-Fläming gemacht. Übrigens: In den nächsten soll es kalt bleiben, auch Schnee könnte ab und zu fallen. Der Winter bleibt also ersteinmal.

Schädlinge sind auch für die Landwirtschaft ein wichtiges Thema. Geht es nach Silvia Fuchs, der Geschäftsführerin des Kreisbauernverbands Teltow-Fläming, könnten in den kommenden Wochen noch ein paar Zentimeter Schnee fallen. Das würde vor allem den Raps und das Wintergetreide freuen. Der bisherige Winter hätte für die Bauernvertreterin ruhig etwas kälter ausfallen können. „Ein richtiger Frost hätte die Schädlinge dezimiert“, sagt Silvia Fuchs. Größere Schäden seien jedoch nicht entstanden. Die Pflanzen auf den Feldern, die für die Jahreszeit schon ungewöhnlich grün seien, müssten in den kommenden Wochen gedüngt werden. Spätestens ab dem 1.März könne es dann mit dem Frühling losgehen, findet Silvia Fuchs. „Dann kann noch etwas Gutes daraus werden.“

Keine Arbeitspause in den Strandbädern

Der kalendarische Winter ist erst zur Hälfte vorbei und die Wassertemperaturen machen nur Hartgesottenen eine Freude, dennoch wird schon jetzt die Badesaison vorbereitet. Das Gesundheitsamt des Kreises bittet deshalb um Hinweise, welche Badestellen, die regelmäßig mehr als 25 Badegäste haben, künftig überprüft werden sollten.

Zurzeit werden im Kreis 19 Badestellen an 15 Seen – vom Rangsdorfer See an der Grenze zu Berlin bis zum Körbaer Teich an der südlichen Kreisgrenze – ausgewiesen und ab Mai auf Qualität überprüft. Wie in den vergangenen Jahren rechnet Hygieneingenieurin Ines Götze vom Gesundheitsamt mit ausnahmslos „ausgezeichneter Wasserqualität“. Auch an den Sandstränden und Wiesen müssen die Pächter und Betreiber der Strandbäder und Campingplätze ihre Anlagen saisonfest machen. Im Strandbad Klausdorf wurde das undichte Dach geflickt, berichtet Bürgermeister Frank Broshog, Gemeinde Am Mellensee. Er rechne in diesen Tagen auch mit der Baugenehmigung für ein neues Gastronomie-Gebäude für das Strandbad Mellensee, das bereits im Frühjahr errichtet werden könnte. Dessen Pächter Ronal Eerens ist allerdings zurückhaltender und will sich nicht festlegen, ob man in dieser Saison schon damit rechnen kann.

Allein neun Badestellen befinden sich in der Stadt Zossen und ihren Ortsteilen. Da der Haushalt sich erst in der Diskussion befinde, wollte Bürgermeisterin Michaela Schreiber noch keine Auskunft zu Investitionen in dieser Saison machen. Am Glienicksee bereitet Platzleiter André Merten das Camp Dobbrikow für Dauercamper und Badegäste vor. Die Nichtschwimmerkette wird gereinigt, der Steg repariert. „Bei uns ist zwar am 1. März Saisonbeginn, eine richtige Winterpause gibt es also nicht“, so Merten

Von Peter Degener

Das Gesundheitsamt bittet um Hinweise zu bisher ausgewiesenen oder neuen Badestellen unter Tel. 03371/6083818.

Als relativ unabhängig vom Wetter hat sich das Tropical Islands etabliert. Gerade in den Winterferien und an Wochenenden sei die Tropenhalle in Brand gut besucht gewesen. Kommende Woche könnte es wieder voll werden. „Dann kommen die Sachsen“, sagt Pressesprecherin Janet Schulz. Seit man im Tropical Islands übernachten kann, spiele das Wetter kaum eine Rolle. Nur bei allzu widrigen Bedingungen würden vor allem Tagesgäste den Weg mit dem Auto scheuen. Die tropische Badelandschaft zieht mittlerweile Gäste aus Polen, Tschechien, Skandinavien und den Niederlanden an.

Von Christian Zielke

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