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Dahme-Spreewald Wie Schönefeld Umweltsünder entlarven will
Lokales Dahme-Spreewald Wie Schönefeld Umweltsünder entlarven will
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00:32 11.05.2018
Widerlich: Zehn Kubikmeter Hausrat entdeckten Bert Bräuer, Michael Pfeiffer und Thomas Zimmermann am Montag nahe der B96.
Widerlich: Zehn Kubikmeter Hausrat entdeckten Bert Bräuer, Michael Pfeiffer und Thomas Zimmermann am Montag nahe der B96. Quelle: Josefine Sack
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Schönefeld

Da staunen selbst Bert Bräuer und seine Kollegen Thomas Zimmermann und Michael Pfeiffer vom Schönefelder Ordnungsamt: Ein Pool, Unmengen Dämmwolle, ein Gartentisch samt Stühlen, von der Badewanne über einen Staubsauger bis zum Kicker – schätzungsweise zehn Kubikmeter Hausrat haben Unbekannte vermutlich am Wochenende auf einen Stichweg entlang der Bundesstraße 96 in Großziethen abgeladen. Illegal. Denn das, was die Ordnungshüter auf ihrer Tour am Montag auf dem Weg finden, der als Rettungszufahrt zur nahegelegenen Bahnstrecke dient, ist Sonderabfall, der fachgerecht entsorgt werden müsste.

Profis am Werk

Die Umweltsünder gingen offenbar professionell vor: Mit einem dicken Tauseil, das sie an einem Baum befestigten, zogen sie den Müll aus den Laderaum. So eine Konstruktion hat selbst Bert Bräuer noch nicht gesehen. Er arbeitet seit 2013 im Schönefelder Ordnungsamt. Neu ist das Problem der illegalen Müllentsorgung im Berliner Umland nicht. „Die Leute werden immer dreister“, sagt Bräuer. Die Mengen, die seine Kollegen und er allein in diesem Jahr gefunden haben, übersteigen das bisherige Ausmaß: Allein in den ersten vier Monaten fanden die Ordnungshüter knapp 280 Kubikmeter Abfall auf öffentlichem Straßenland. Zum Vergleich: 2017 waren es „nur“ 188 Kubikmeter.

Bert Bräuer sucht nach Hinweisen, die zu den Übeltätern führen könnten. Quelle: Josefine Sack

Insgesamt 146 Fundstellen dokumentierte das Ordnungsamt allein in diesem Jahr. 2017 entdeckten die Mitarbeiter auf ihren Müllkontroll-Touren durch die Ortsteile an 379 Stellen Abfall. „Wir stellen fest, dass die Leute zunehmend größere Menge abladen“, bestätigt Thomas Zimmermann. Am meisten betroffen sind die berlinnahen Ortsteile Schönefeld, Großziethen und Waßmannsdorf. 80 Prozent der illegalen Müllentsorgungen werden dort gefunden. „Was wir finden, ist schon ziemlich widerlich“, so Bräuer. Vor ein paar Jahren stieß er einmal auf Fischfässer, die innerorts abgeladen worden waren. „Hunderte Kilogramm toter Fisch und das mitten im Sommer“, erinnert er sich. Die Mitarbeiter des gemeindeeigenen Bauhofs seien alles andere als begeistert gewesen, als sie den stinkenden Fisch abholen mussten. Tiefkühlware, Bauschutt, Arzneimittel, Gartenabfälle zählen zu den „Klassikern“, berichtet Zimmermann.

Einsatzort Feldweg: Dutzende blaue Säcke mit Bauschutt wurden an der Rudower Straße in Waßmannsdorf abgeladen. Bert Bräuer und Thomas Zimmermann sind vor Ort. Quelle: Josefine Sack

Wer den Müll ablädt, darüber können die Verwaltungsangestellten nur spekulieren: „Neukölln hat vor einiger Zeit Müllsheriffs eingeführt. Seitdem verlagern sich die Müllentsorgungen ins Umland“, mutmaßt Zimmermann. „ Das Ganze hat irgendwie System, die Täter kennen sich hier aus“, ergänzt er mit Blick auf die immer gleichen Fundorte. „Illegale Müllentsorgung ist eine Ordnungswidrigkeit und wird mit bis zu 50 000 Euro bestraft“, sagt der Ordnungshüter. Doch um den Umweltsündern auf die Spur zu kommen, ist mühselige Detektivarbeit nötig. Eine Rund-um-die-Uhr-Überwachung ist zeitlich nicht machbar, sagt Dezernatsleiter Hilmar Ziegler. Insgesamt verfügt die 15 000- Einwohner-Gemeinde über vier Ordnungsamtsmitarbeiter.

Um der Umweltkriminalität Herr zu werden, will Schönefeld seine Außendienstkontrollen künftig verstärken. Nach dem Neuköllner Vorbild engagiert die Gemeinde ab Ende Mai externe Müllsherrifs, die schwer einsehbare Feldwege, Waldflächen und Kanäle abfahren, um mögliche Umweltsünder auf frischer Tat zu entlarven.

Von Josefine Sack