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Wildau SPD-Chefin besucht Wildauer Spedition
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21:22 29.04.2019
Firmenchefin Ramona Sabelus zeigt Andrea Nahles den Laderaum eines Sattelzugs. Quelle: Frank Pawlowski
Wildau

Auf die Minute genau kam Andrea Nahles in Wildau an. Dabei hatte sie die Zufahrt zum Werksgelände in der Schmiedestraße sogar einmal verpasst und musste im schwarzen Dienst-Audi eine extra Runde drehen. Die SPD-Chefin war diesmal als Vorsitzende ihrer Bundestagsfraktion unterwegs. Bei der Wildauer Spedition Walter Schmidt wollte sie sich über die Situation der Lkw-Fahrer informieren.

Gerade hat das EU-Parlament neue Richtlinien beschlossen, mit denen die Arbeitsbedingungen von Fahrern verbessert werden sollen. In Wildau erfuhr sie, dass es noch einiges zu tun gibt. Doch erst einmal musste sie sich um Ferry kümmern. Der drei Jahre alte Bichon Frise von Firmenchefin Ramona Sabelus mischte sich ins Empfangskomitee. Er rannte auf Nahles zu und begrüßte sie stürmisch. Beherzt griff sie in Ferrys weißes, flauschiges Fell und streichelte ihn ausgiebig. „Ich habe ein Pferd und Katzen“, sagte die Politikerin, die ganz verzückt war.

Andrea Nahles beugt sich zu Ferry hinab, um ihn zu streicheln. Quelle: Frank Pawlowski

Das Unternehmen war schon zu den DDR-Zeiten für den Wildauer Schwermaschinenbau als Spediteur tätig. Die Senzigerin Ramona Sabelus übernahm 2006 den Betrieb von ihrem Vater Walter Schmidt, der inzwischen seinen Ruhestand genießt. Außerdem ist sie Chefin einer Spedition in Beelitz, die sich auf den Transport medizinischer Produkte spezialisiert hat.

In Wildau werden vor allem die Produkte der benachbarten Schmiede- und Kurbelwellentechnik transportiert, wie die tonnenschweren Kurbelwellen für Schiffsmotoren. Das Unternehmen ist der wichtigste Auftraggeber und hat mit Simone Senst ebenfalls eine Geschäftsführerin. „Es passiert nicht so oft, dass ich von zwei Frauen empfangen werde, gerade in diesen Branchen“, sagte Andrea Nahles überrascht.

Simone Senst (r.), Geschäftsführerin der Firma Schmiede- und Kurbelwellentechnik, führte den Gast über das Werksgelände. Quelle: Frank Pawlowski

Dann hörte sie sich gut anderthalb Stunden an, wo der Transport-Branche der Schuh drückt. Mit am Tisch saß mit dem Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Güterkraftverkehr und Logistik, Dirk Engelhardt, ihr wichtigster Lobbyvertreter. Dem Brandenburger Landesverband steht Ramona Sabelus als Präsidentin vor. Es ging um Dumpinglöhne osteuropäischer Speditionen, die den deutschen Firmen das Leben schwer machen, um fehlende Kontrollen und schlechte sanitäre Bedingungen für Fahrer. Die Branchenvertreter drängte außerdem auf flexiblere Lenkzeiten, die es Fahrern zum Beispiel erlauben, an Feiertagen zurück zu ihren Familien zu kommen. Die Nachwuchssorgen waren ebenfalls ein Thema. Kaum jemand will noch Kraftfahrer werden. Der Frauenanteil ist verschwindend gering. Die Branche hofft auf Hilfen der Politik. „Es muss alles getan werden, damit der Job wieder attraktiver wird“, sagte Engelhardt.

Die LKW-Fahrer Holger Büttner (l.) und Carsten Schmidt. Quelle: Frank Pawlowski

Andrea Nahles machte sich viele Notizen. Einige Probleme kannte sie schon aus vorherigen Gesprächen, manches war ihr neu. „Mir was das gar nicht so klar“, sagte sie, als berichtet wurde, dass Fahrer bei Supermärkten selbst entladen müssen und es dort keine Toiletten für die gibt. Zwei Fahrer der Wildauer Speditionen berichteten über ihre Erfahrungen. Carsten Schmidt, ein Sohn des Firmengründers, kritisierte die zahlreichen Prüfungen, denen sich Fahrer unterziehen müssen. Das koste viel Geld und vor allem Freizeit. Holger Büttner schilderte das extreme Verkehrsaufkommen auf dem Berliner Ring. Beklagt wurde, dass sich ausländische Fahrer oft nicht an die Regeln halten würden.

Carsten Schmidt hat einiges aus der Runde mit der Spitzenpolitikerin mitgenommen. „Das war sehr informativ. Ich werde meinen Kollegen darüber berichten“, sagte er. Am Abend musste er schon wieder hinters Lenkrad. Es ging nach Biebesheim in Südhessen.

Von Frank Pawlowski

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