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Wildau Kreis investiert 20 Millionen in Wirtschaft
Lokales Dahme-Spreewald Wildau Kreis investiert 20 Millionen in Wirtschaft
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00:27 05.11.2018
Das erste Loch ist gegraben: Gerhard Janßen, Planer Wolfgang Dorsch, Stefan Ludwig (Linke), Tina Fischer (SPD), Michael Kuttner (CDU), Michael Owen (FTT) und Heiko Jahn beim Spatenstich.
Das erste Loch ist gegraben: Gerhard Janßen, Planer Wolfgang Dorsch, Stefan Ludwig (Linke), Tina Fischer (SPD), Michael Kuttner (CDU), Michael Owen (FTT) und Heiko Jahn beim Spatenstich. Quelle: Oliver Fischer
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Wildau

Gerhard Janßen, oberster Wirtschaftsförderer von Dahme-Spreewald, hat sich eingegroovt. Im Schnitt alle fünf Jahre plant und errichtet er für die Wirtschaftsfördergesellschaft (WfG) des Landkreises ein neues Bürogebäude. 2011 wurde das dritte und bisher letzte Zentrum für Luft- und Raumfahrt übergeben. Deshalb, befand Janßen, wäre es jetzt dringend an der Zeit für ein viertes.

Am Freitagmorgen wurde also der ersten Spatenstich gesetzt für das neue „Zentrum für Zukunftstechnologien“, das in den nächsten eineinhalb Jahren am Rande des Wildauer Hochschul- und Technologie-Campus hochgezogen wird. Es wird ein stattliches und auch ortsbildprägendes Gebäude: 80 Meter lang, 15 Meter hoch, Klinker- und Wabenfassade mit 7000 Quadratmeter Nutzfläche.

Unten Produktionshallen, oben Büros

In der unteren Etage wird es Produktionshallen geben, in den Etagen darüber im Wesentlichen Büroräume. Dieses Konzept hat sich bereits in den drei bisherigen Zentren für Luft- und Raumfahrt bewährt.

Und natürlich wird das rund 20 Millionen Euro teure Gebäude auch nicht nur deshalb errichtet, weil es mal wieder an der Zeit war. Hinter den Investitionen der WfG steht, so formulierte es auch Heiko Jahn aus der Kreisverwaltung, eine langfristige Wirtschaftsstrategie.

70 Unternehmen mit 700 Beschäftigten

Der Landkreis hatte schon in den 1990er Jahren angefangen, sich aktiv um Gründer und für mittelständische Unternehmen der Hochtechnologie zu bemühen und auf diese Weise die Wirtschaftsentwicklung auch inhaltlich zu steuern. Im Technologie- und Gründerzentrum und den drei Zentren für Luft- und Raumfahrt sitzen heute rund 70 Unternehmen mit 700 Beschäftigten, darunter die Triebwerktester von Anecom, das aufstrebende Blockchain-Start-Up Xain! oder der Gasturbinen-Entwickler FTT.

Das Problem: Die vorhanden Räume sind praktisch komplett vermietet, die WfG konnte zuletzt weder Gründern und interessierten Fremdfirmen Gewerberäume offerieren, noch seinen eigenen Mietern Erweiterungsoptionen bieten. Und das in einer Zeit des fast beispiellosen Wachstums in der Technologiebranche. Mit dem neuen Zentrum für Zukunftstechnologien soll nun beides wieder möglich sein.

Inhaltlich breiter aufstellen

„Wir wollen uns künftig auch inhaltlich breiter aufstellen“, sagte Gerhard Janßen. Als Mieter sollen nicht mehr nur Spezialisten für Luft- und Raumfahrt infrage kommen, sondern auch Unternehmen, die sich beispielsweise mit Verkehrstechnologie, mit neuen Materialien oder autonomen Verkehrssystem befassen. Daher auch der neue Name ZfZ.

Und die WfG hat mit ihren Neubauplänen offenbar auch einen guten Zeitpunkt erwischt. Obwohl bisher – von der Planung abgesehen – lediglich etwas Erde bewegt wurde und mit der Fertigstellung nicht vor Mitte 2020 zu rechnen ist, ist das Gebäude schon zu etwa 60 Prozent vermietet. Wobei es sich bei einigen der Neumieter tatsächlich um Unternehmen handelt, die schon länger in Wildau sitzen und sich vergrößern wollen.

FTT soll Ankermieter werden

Die Firma Florida Turbine Technologies (FTT), ein Zulieferer für die Turbinenhersteller Rolls-Royce und Siemens, gehört dazu. Sie soll einer der Ankermieter in dem neuen Gebäude werden. „Als wir 2011 nach Wildau kamen, haben wir eigentlich nur mit zwölf bis höchstens 20 Mitarbeitern geplant“, sagt Betriebsleiter Brian Owen. Inzwischen habe man 34 Angestellte, die unter anderem Turbinenteile montieren. Möglicherweise werden es auch noch mehr. „Aus diesem Grund war es eine schöne Fügung, dass das neue Zentrum gebaut wird, und dass wir sogar bei der Aufteilung der Räume mitreden konnten“, sagt Owen.

Das ZfZ ist für den Landkreis Dahme-Spreewald finanziell ein ziemlicher Brocken, der sich aber in eine ganze Reihe von größeren Investitionen in der Region einreiht.

100 Millionen in den nächsten vier Jahren

Nur 200 Meter entfernt baut das Fraunhofer-Institut derzeit ein neues Gebäude, in dem Bauteile aus Kunststoffen und Verbundstoffen entwickelt werden sollen. Außerdem wird der Desy-Campus in Zeuthen in den kommenden Jahren für eine zweistellige Millionensumme deutlich vergrößert, und auch auf dem Königs Wusterhausener Funkerberg soll ein Technologiepark errichtet werden.

„In den vergangenen zehn Jahren sind in die Region rund 100 Millionen Euro investiert worden. In den kommenden drei bis vier Jahren werden es noch einmal so viel“, sagt Gerhard Janßen. Ein Wirtschaftsförderer kann sich wohl kaum mehr wünschen.

Ein kleines Haar fand Janßen dann allerdings doch noch in der Suppe. Für die benachbarte Fraunhofer-Ansiedlung hatte er sich zwar jahrelang eingesetzt – den Wettlauf um die frühere Fertigstellung hätte er mit dem ZfZ gegen den Neubau des Instituts trotzdem gerne gewonnen. Bei Fraunhofer steht inzwischen aber schon der Rohbau. Dieses Rennen dürfte zu Ungunsten der Wirtschaftsförderer entscheiden sein.

Von Oliver Fischer