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Wildau Dauerkranker Bürgermeister will mehr Geld
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00:21 07.07.2018
Uwe Malich (65, Linke) ist seit 2001 Bürgermeister in Wildau. Im Herbst wurde er für weitere acht Jahre wiedergewählt.
Uwe Malich (65, Linke) ist seit 2001 Bürgermeister in Wildau. Im Herbst wurde er für weitere acht Jahre wiedergewählt. Quelle: Oli Hein
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Wildau

Wildaus Bürgermeister Uwe Malich (Linke) hat im Stadtrat für Kopfschütteln gesorgt, obwohl er gar nicht anwesend war. Der 65-Jährige, der nach einem schweren Fahrradunfall vor einem Jahr fast durchgehend krank gemeldet ist, beantragte eine monatliche Aufwandsentschädigung von 195 Euro rückwirkend ab Februar. Das wurde Dienstagabend einstimmig abgelehnt. Die Linksfraktion enthielt sich.

Pauschale gibt es seit 1991

Die Bürgermeister-Pauschale gibt es seit 1991 in Wildau. Sie wurde von der damaligen Gemeindevertretung beschlossen und betrug 204 Euro. Damit soll der zusätzliche persönliche Aufwand bei der Amtsausübung abgedeckt werden, zum Beispiel Ausgaben für Geschäftsessen. Laut einer neuen Vorschrift muss der Stadtrat zu Beginn der Bürgermeister-Amtszeit entscheiden, ob und in welcher Höhe die Entschädigung gezahlt wird. Malichs dritte Amtszeit nach seiner Wiederwahl im Herbst begann im Februar 2018. Er beantragte den Höchstbetrag, der sich nach der Einwohnerzahl richtet. Noch bis mindestens Ende dieser Woche ist er dienstunfähig.

Das Wildauer Volkshaus ist Sitz der Stadtverwaltung. Hier tagt der Stadtrat. Quelle: Frank Pawlowski

Laut Vize-Bürgermeister Marc Anders (parteilos) wird die Entschädigung gezahlt, wenn der Bürgermeister im Dienst ist. Im Fall Malichs, der laut Besoldungsgruppe rund 7000 Euro monatlich verdient, waren das bisher nur wenige Wochen. Im Stadtrat gab es dennoch Kritik und Diskussionen.

Entschädigung wird in Frage gestellt

„Der Bürgermeister hat ein gutes Gehalt und einen Dienstwagen, für welchen Aufwand soll er noch entschädigt werden?“, fragte Susanne Ziervogel (SPD). CDU-Fraktionschef Mark Scheiner sagte: „Für uns besteht derzeit keine Notwendigkeit, das drauf zupacken. Wenn der Mehraufwand nachvollziehbar belegt wird, können wir gern noch einmal darüber reden.“ Er stellte die Entschädigung jedoch auch grundsätzlich in Frage, weil nach seiner Ansicht heute Bürgermeister viel mehr verdienen als in den 1990er Jahren.

Lob für das Krisenmanagement der Stadt

Lob gab es im Stadtrat für das Verhalten von Stadtverwaltung und Kita-Leitungen beim Großalarm am 21. Juni. In den drei städtischen Kitas un der Grundschule waren massenhaft Kinder und mehrere Erzieher plötzlich erkrankt, viele übergaben sich und hatten Schmerzen. Notärzte versorgten sie vor Ort, einige Kinder und Erwachsene wurden im Krankenhaus behandelt. Allen geht es inzwischen wieder gut. Eine bakterielle Verunreinigung eines Mittagessens, Frikassee mit Reis, war die Ursache. „Das war sehr gutes Krisenmanagement. Besser konnte man es nicht machen“, sagte Mark Scheiner an den amtierenden Bürrgermeister Marc Anders gewandt, den den Krisenstab leitete.

Die Stadtratssitzung am 3. Juli im Sitzungssaal des Volkshaus. Quelle: Frank Pawlowski

Anders informierte darüber, dass die Ursache für die Verunreinigung des Essens noch nicht bekannt ist. Gegen den Essenversorger, die kommunale Wildauer Servicegesellschaft WSG, ermittelt inzwischen die Staatsanwaltschaft. Eine Kündigung des Vertrages kommt für die Stadt nicht in Betracht, solange die Ermittlungen andauern.

Lieferstopp für Naturreis und Vollkornnudeln

Allerdings werden Naturreis mit Frikassee und Vollkornnudeln seit Montag nicht mehr ausgeliefert. Außerdem hat die Stadt angeordnet, dass ihre Einrichtungen weiter aus der WSG-Küche in Königs Wusterhausen beliefert werden, nicht aus der Wildauer Küche, aus der das beanstandete Essen stammte.

Kita-Ausschüsse tagten

Am Montag hatte es eine Versammlung der Kita-Ausschüsse gegeben, zu der viele Eltern erschienen. „Die Eltern hatten überwiegend Verständnis. Wir hoffen, dass dieser Vorfall ein tragischer Einzelfall war“, sagte Marc Anders im Stadtrat.

Von Frank Pawlowski