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Wildau „Wir müssen junge Menschen für Wissenschaft begeistern“
Lokales Dahme-Spreewald Wildau „Wir müssen junge Menschen für Wissenschaft begeistern“
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07:37 29.08.2019
Freut sich auf das neue Semester und ist gespannt auf den Ausgang der Wahlen: TH-Präsidentin Ulrike Tippe vor der Hochschulbibliothek. Quelle: Nadine Pensold
Wildau

Am 20. September findet die Immatrikulationsfeier an der TH Wildau statt. Im Vorfeld spricht Präsidenten Ulrike Tippe über die aktuellen Herausforderungen für die Hochschule.

Was können Sie bereits zu den Bewerberzahlen verraten?

Ulrike Tippe: Grundsätzlich bin ich sehr zufrieden. Nachdem die Bewerbungen in den letzten Jahren etwas rückläufig waren, verzeichnen wir nun wieder einen Anstieg. 2018 hatten wir rund 3300 Bewerbungen, nun sind es circa 4100.

Was schließen Sie aus den Zahlen?

Es zeigt, dass die TH Wildau ein attraktiver Studienstandort ist. Aber im Moment wissen wir noch nicht, wie viele der Bewerberinnen und Bewerber sich am Ende tatsächlich immatrikulieren. Durchschnittlich haben wir 3,1 Bewerbungen pro Studienplatz. Das ist erst mal nicht schlecht, wenn auch etwas ungleich über die Fachrichtungen verteilt.

Welche Studienangebote waren dieses Mal besonders gefragt?

Wir haben wie immer ein paar Renner wie Luftfahrttechnik. Und die Bachelorstudiengänge Wirtschaftsingenieurwesen und Wirtschaftsinformatik sind sehr beliebt. Die absoluten Kracher sind die dualen Verwaltungsstudiengänge. Beim Studiengang Öffentliche Verwaltung Brandenburg gab es 1568 Bewerber auf 105 Plätze, in der Verwaltungsinformatik knapp 300 Bewerbungen auf derzeit 35 Studienplätze.

Und bei welchen Fächern war der Andrang zurückhaltender?

Etwas schwieriger gestaltet sich die Situation bei einigen technischen Studienrichtungen. Im Maschinenbau haben wir beispielsweise derzeit 134 Bewerbungen auf 70 Studienplätze. Allerdings sind diese Zahlen noch nicht endgültig.

Warum ist die Nachfrage im Maschinenbau so gering?

Es ist eine bundesweite Herausforderung, Studierende für Maschinenbau und technische Studiengänge zu begeistern. Vielleicht spielt ein gewisser Respekt vor Technik und Mathematik eine Rolle, möglicherweise ist auch das spätere Berufsbild vielen nicht ganz klar oder erscheint nicht hinreichend attraktiv.

Wie begegnet die TH dem Problem?

Es gibt viele Initiativen, zum Beispiel gehen wir als Hochschule in die Schulen oder organisieren die Kinderuni, um frühzeitig und spielerisch technische Fragen an Kinder und Jugendliche heranzutragen. Es ist aber sicher auch ein inhaltliches Thema. Deswegen passen wir unsere maschinenbaunahen Studiengänge derzeit den aktuellen und zukünftigen Anforderungen an.

Wie wird diese Reform aussehen?

Berufsbilder ändern sich und auch die Digitalisierung nimmt einen großen Raum in allen Lebens- und Arbeitsbereichen ein. Im Rahmen des Reformprojekts „Engineering Future Plan 2025“ prüfen wir, wie technische Studiengänge zukünftig aussehen müssen, um attraktiv zu sein. Es geht nicht darum, Anforderungen herunterzuschrauben oder Abstriche bei der Qualität zu machen. Die Frage ist, wie wir Inhalte gegebenenfalls neu ausrichten und methodisch und didaktisch bestmöglich aufbereiten können.

Wie sieht es aktuell mit den internationalen Studierenden aus?

Vergangenes Jahr lag deren Anteil bei 18 Prozent. Das ist im bundesweiten Vergleich viel. In den technischen Studiengängen machen sie sogar 20 Prozent aus. Interessant ist, dass der Anteil der Frauen unter den internationalen Studierenden deutlich höher liegt als der durchschnittliche Frauenanteil insgesamt in den technischen Fächern. Mit 19 Prozent Studentinnen in den technischen Disziplinen ist diesbezüglich durchaus noch „Luft nach oben“.

Mit welcher Strategie spricht die TH Wildau weibliche Studieninteressierte an?

Wir müssen junge Menschen für Wissenschaft und damit für unsere Studiengänge begeistern können, insbesondere im technischen Bereich. Wir müssen noch deutlicher machen, dass technischer Fortschritt viel mit Innovation und Kreativität zu tun hat. Um junge Frauen anzusprechen, hilft sicher, mit weiblichen Vorbildern zu arbeiten. Das fängt mit der Auswahl beim Bildmaterial für die Homepage an. Sie sollen sehen, dass Technik auch von Frauen gestaltet werden kann, also darf man nicht ausschließlich Männer an technischen Geräten zeigen. Weibliche Vorbilder schaffen bedeutet auch, dass wir mehr Professorinnen in den technischen Disziplinen berufen. Im Rahmen unserer Berufungsverfahren wird bereits sehr darauf geachtet. Es ist derzeit schwierig, in den technischen Disziplinen qualifizierte und motivierte Bewerberinnen und Bewerber auf Professuren zu gewinnen. Auch wenn wir als TH Wildau dieses grundsätzliche Problem nicht allein lösen, können wir dazu beitragen, dass zum Beispiel das Bild der „Ingenieurin“ deutlicher verankert wird. Und das geht auch über gendergerechte Sprache.

Worauf freuen Sie sich im kommenden Semester?

Auf die vielen neuen jungen Menschen mit ihren Erwartungen und Hoffnungen. Ich bin gespannt, wie sich die Studienreformprojekte in den Fachbereichen entwickeln, da können wir demnächst konkrete erste Ergebnisse erwarten. Ende des Jahres werden wir unser neues Leitbild sowie den Hochschulentwicklungsplan bis 2023 vorstellen.

Ein neues Angebot wird das Zertifikatsstudium Mathematik zur Weiterqualifizierung von Lehrkräften sein.

Es ist eine tolle Chance, dass wir dieses Format zur Qualifikation von Seiteneinsteigern ans Wildau Institute of Technology binden konnten. Es stellt einen weiteren Baustein dar, um auf den Qualifikationsbedarf von Fachkräften zu reagieren.

Warum setzt die TH Wildau auf so viele unterschiedliche Weiterbildungs- und Qualifizierungsangebote?

Wir haben eine große gesellschaftliche Verantwortung. Die Menschen durchlaufen in ihrem Leben zunehmend verschiedene Weiterbildungsphasen auch neben Beruf und Familie. Wir müssen uns daher als Hochschule unabhängig von klassischen Studiengängen flexibler aufstellen. Dabei richten wir unsere Angebote nicht ausschließlich an Abiturientinnen und Abiturienten aus, sondern adressieren auch gezielt Bewerberinnen und Bewerber ohne Abitur und bieten verschiedene berufsbegleitende Programme an.

Wird der steigende Fachkräftebedarf weitere solche Formate vorantreiben?

Ich gehe davon aus, dass der Bedarf nach individuellen, modularen Weiterbildungsmaßnahmen zunehmen wird. Perspektivisch ist nicht auszuschließen, dass wir zum Beispiel Onlinestudiengänge, Abendstudium und weitere passgenaue Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen in Betracht ziehen. Es wird natürlich weiter die klassischen Studierenden geben, für die wir stets zukunftsfähige Angebote bereitstellen müssen. Diese Agilität stellt für uns alle eine große Herausforderung dar.

Am Sonntag ist Landtagswahl. Haben Wissenschaft und Forschung auch Einzug in den Wahlkampf gefunden?

In der öffentlichen Diskussion habe ich das teilweise etwas vermisst. Ich würde mir wünschen, dass das Thema Wissenschaft mehr thematisiert wird. Ich kann aber auch verstehen, dass es für viele Menschen in unserem Land gerade noch akutere Probleme gibt. Für eine strategische und zukunftsweisende Entwicklung des Landes ist es allerdings wichtig, dass die Hochschullandschaft gut aufgestellt wird. Es ist auch ein Teil meiner Aufgabe als Präsidentin, dafür zu sorgen, dass diese Forderung den politischen Akteurinnen und Akteuren immer bewusst ist.

Was sind Ihre Erwartungen an eine neue Regierung?

Es geht natürlich immer auch um Finanzierungsfragen im Hochschulbereich. Das Land Brandenburg hat trotz erfreulicher Aufwüchse in der letzten Zeit in diesem Bereich immer noch Aufholbedarf. Ich wünsche mir auch, dass angesichts der hohen Priorität, die Entwicklung der Lausitz voranzutreiben, die anderen Hochschulstandorte darüber nicht aus dem Blick geraten. Von fundamentaler Bedeutung ist die Erkenntnis, dass Wissenschaft per se international ist und keine Grenzen kennt. Vor diesem Hintergrund wünsche ich mir eine Regierung, für die diese Weltoffenheit weiterhin selbstverständlich ist und uns Hochschulen diesbezüglich auch in Zukunft unterstützt.

Von Nadine Pensold

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