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Wildau Schweizer Maschinenbauer gründet eigenen Zulieferer in Wildau
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17:37 12.11.2019
Erste Inaugenscheinnahme: Snova-Geschäftsführer Bernold Richerzhagen (r.) begutachtet eine von zwei CNC-Fräsen, mit denen seine neue Zuliefererfirma Finetech an den Start geht. Quelle: Oliver Fischer
Wildau

Als Bernold Richerzhagen am Freitag vergangener Woche direkt aus der Schweiz nach Wildau eingeflogen kam und in seine neue Produktionshalle geführt wurde, war er ganz angetan. So, sagte Richerzhagen, habe er das alles selbst noch nie gesehen.

In der Halle standen zwei große CNC-Fräsen, funkelnagelneu und extra für die Bedürfnisse von Richerzhagen und seiner Firma gebaut. Digital gesteuerte Präzisionsgeräte, die selbst tonnenschwere Stahlteile exakt bearbeiten können, und das in alle erdenkliche Richtungen. „Das ist natürlich nur der Anfang“, sagte Richerzhagen. „Bald werden hier noch mehr Maschinen stehen.“ Aber für den Produktionsstart, der für Donnerstag geplant ist, reicht es.

Geschäft des Schweizer Maschinenbauers floriert

Bernold Richerzhagen ist Gründer und Geschäftsführer des Schweizer Maschinenbauers Synova, der seit mehr als 20 Jahren auf dem Markt ist. Synova liefert Maschinen in alle Welt, mit denen man Werkstoffe bearbeiten kann, und zwar auf eine Art, die Richerzhagen selbst entwickelt hat: nicht mit Fräsköpfen oder Bohrern, sondern mit wassergeführten Laserstrahlen. Damit lassen sich nicht nur komplexe Metallteile, sondern auch Keramik und selbst Diamanten so präzise bearbeiten wie mit keiner anderen Technologie, sagt Richerzhagen. Mit Synova-Maschinen werden Endoskope hergestellt, Bauteile für Flugzeugturbinen, Medizintechnik oder Teile für die Auto-Industrie.

Synova-Geschäftsführer Bernold Richerzhagen (l.) und WFG-Geschäftsführer Gerhard Janßen. Quelle: Oliver Fischer

Das Geschäft mit den Maschinen floriert; die Firma hat inzwischen Niederlassungen in den USA, Korea, Japan, China und Deutschland. Entwickelt und montiert werden die Maschinen nach wie vor in der Schweiz. Die Einzelteile habe man aber stets woanders fertigen lassen, sagt Richerzhagen. Weil das aber zuletzt verstärkt zu Problemen geführt habe, entschied sich Bernold Richerzhagen dazu, seine eigene Zulieferfirma zu gründen – und zwar in Wildau.

Nähe zur TH war entscheidend

Der Kontakt in die Region habe bereits seit zwei Jahren bestanden, erzählt er. Eigentlich habe er in die Werkhalle 21 einziehen wollen, das scheiterte aber an den Auflagen des Denkmalschutzes. Als sich nun eine Möglichkeit im Zentrum für Luft- und Raumfahrt (ZLR) ergab, habe er nicht lange gezögert.

Das neue Unternehmen, das seit Wochen eine von sechs Werkhallen im ZLR bezieht, heißt Finetech. Es wird künftig Maschinenteile fertigen, die bei Synova benötigt werden. Sechs Leute wurden eingestellt, darunter vier Maschinenführer, die sich dieser Tage mit der millionen Euro teuren Fräsen vertraut machen. Mit Ingo Kundoch ist auch ein Betriebsleiter gefunden, der vor 40 Jahren seine Ausbildung nur wenige Meter entfernt in den Wildauer Schmiedewerken absolviert hat.

Ausschlaggebend für Wildau sei die Lage gewesen, die Nähe zur Technischen Hochschule, aber auch der Ruf der Wirtschaftsfördergesellschaft, sagt Richerzhagen. Plan sei es auch, die Fertigung noch zu erweitern. „Wir wollen ab dem kommenden Jahr auch Laserquellen bauen und Teile der Montage nach Wildau auslagern“, sagt Richerzhagen.

Ersatz für den Flugzeugbauer Stemme

Besonders willkommen sei aber auch die umliegende Wirtschaftsstruktur. Denn Ziel von Finetech soll es nicht nur sein, den Bedarf von Synova nach Maschinenteilen zu befriedigen. Das allein sei kaum wirtschaftlich. Die Firma soll mit ihren Hochleistungsfräsen Prototypen und Kleinserien für andere Firmen herstellen. „Das geht von Einzelteilen bis hin zu Tausender Stückzahlen. Wir können uns vorstellen, dass unsere Angebot auch für die Technische Hochschule interessant ist“, sagt Bernold Richerzhagen.

Nicht zuletzt hat mit dem Einzug von Finetech die Wirtschaftsfördergesellschaft damit ein Problem weniger. In diesem Jahr zog der Flugzeugbauer Stemme überraschend aus dem ZLR aus. „Wenn so jemand geht, dann hinterlässt das schon eine ziemliche Lücke“, sagt WFG-Geschäftsführer Gerhard Janßen, der als Herr über das kreiseigene Zentrum für Luft- und Raumfahrt auch für die Vermietung zuständig ist. „Deshalb sind wir froh, dass wir diesen Mieter gefunden haben“, sagt Janßen.

Von Oliver Fischer

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