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Dahme-Spreewald Wildpark-Chefin rettet Auerochsen-Kalb und päppelt es in Wohnung auf
Lokales Dahme-Spreewald Wildpark-Chefin rettet Auerochsen-Kalb und päppelt es in Wohnung auf
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11:06 31.12.2018
Warm eingepackt wird Simba weiter aufgepäppelt. Sobald er noch besser zu Kräften gekommen ist, geht es zurück in die Auerochsen-Herde. Quelle: fotos: Wildpark (2)
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Johannismühle

Simba lebt und steht auf eigenen Beinen. „Das grenzt an ein Wunder“, sagt Lisa Westerhoff. Die Geschäftsführerin des Wildparks Johannismühle zog das Auerochsen-Kalb mit Hilfe anderer Tierpfleger in ihrer Dienstwohnung auf und schenkte ihm zum zweiten Mal das Leben.

Das völlig entkräftete Auerochsenkalb Simba wurde mit der Flasche in der Dienstwohnung der Wildpark-Geschäftsführerin Lisa Westerhoff aufgepäppelt. Bald darf der Kleine wieder zurück in die Herde.

Geboren wurde Simba am 10. September. Liebevoll nahm ihn die neunköpfige Auerochsen-Herde auf. „Eines Morgens lag er völlig entkräftet auf der Wiese“, erinnert sich Westerhoff an diesen trüb-traurigen Novembertag. Simbas Mutter war mit ihren zwölf Jahren schon relativ alt und hatte nicht mehr genug Milch für ihr Kalb. So verließ Simba irgendwann die Kraft. Völlig unterkühlt, nass und hungrig hoffte er auf Hilfe. „Normalerweise schreien Auerochsen ganz laut, wenn es jemandem aus der Herde schlecht geht“, so Westerhoff. Aber in dieser Nacht herrschte Totenstille. Alle Artgenossen schienen schon mit Simba abgeschlossen zu haben. „Ohne unsere Hilfe wäre er gestorben.“

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Hilfe bei den ersten Laufversuchen

In Absprache mit der Tierärztin wurde Simba von der Herde getrennt. Seine Mutter nahm das anstandslos hin. „Sie hat wohl gemerkt, dass es seine einzige Chance ist. Und dann haben wir ihn in der Wohnung aufgepäppelt.“ Mehrere Tage hing Simba am Tropf. Apathisch lag er in einem improvisierten Stall – eine mit Stroh gefüllte Wanne – vor der Heizung. Gut zwei Wochen konnte er weder alleine aufstehen noch laufen. Alle paar Stunden bekam er Milch aus der Flasche. „An Schlaf war kaum zu denken“, so Westerhoff. Beharrlich begleitete sie den jungen Wildpark-Bewohner bei seinen ersten Laufversuchen und half ihm geduldig dabei, ein Bein vor das andere zu setzen. Vorsichtig tapste Simba im Wohnzimmer von Teppich zu Teppich. Neugierig erkundete er erst den Flur, dann die ganze Wohnung.

Zwischendurch hatten sowohl die Tierärztin als auch die Wildpark-Chefin Zweifel, ob Simba überlebt. An manchen Tagen schaute die Tierärztin mehrmals nach ihrem wackelbeinigen Patienten. „Wir haben uns große Sorgen um ihn gemacht“, so Westerhoff. „Aber Simba ist ein kleiner Kämpfer und hat es geschafft!“ Seit Weihnachten ist das Kalb wieder draußen. „Zeit wurde es“, meint Westerhoff. Schließlich habe der kleine Auerochse schon damit begonnen, sich in der Wohnung die wachsenden Hörner an den Möbeln abzuschubbern. Sein zuhause ist nun ein hölzerner Verschlag, der einer Weihnachtskrippe ähnelt. Auf Stroh gebettet genießt er das wärmende Rotlicht.

Simba läuft, galoppiert und bockt herum

„Morgens macht er mich muhend um 7.30 Uhr wach“, sagt Westerhoff. Um diese Zeit beginnen Pfleger und Chefin ihre Arbeit. „Das hat er schnell mitbekommen.“ Noch lebt Simba im Garten vor der Wohnung, hat einen Hund und eine Katze als Freunde. „Statt aus Flaschen trinkt er nun eimerweise Milch, frisst Heu wie ein großer Auerochse, läuft, galoppiert und bockt herum.“ Aktuell bringt er 25 Kilogramm auf die Waage. Etwas mehr Fett brauche Simba noch, bevor er wieder in die Herde integriert wird, so Westerhoff. „In den nächsten Tagen gehen wir ab und zu langsam an dem Freigehege vorbei. Mal sehen, wie die anderen Auerochsen und besonders seine Mutter auf Simba reagieren“. Angst, dass die anderen Tieren den Kleinen verstoßen könnten, hat Simbas Ziehmutter nicht. „Auerochsen sind sehr soziale Tiere.“

Von Frank Pechhold