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Dahme-Spreewald "Wir brauchen einen Partner"
Lokales Dahme-Spreewald "Wir brauchen einen Partner"
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10:38 13.08.2013
Schenkenländchens Amtsdirektor Thomas Koriath. Quelle: A. Müller
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Teupitz

MAZ: Im Süden von Dahme-Spreewald haben sich unlängst die Ämter Golßener Land und Unterspreewald zu einem gemeinsamen Amt zusammen geschlossenen. Über neue, größere Landkreise wird gerade ebenfalls diskutiert. Wird sich auch das Amt Schenkenländchen noch einmal räumlich verändern?

Was bedeutet das?

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Koriath: Dass wir jetzt etwas machen müssen, damit wir nicht "weggeplant" werden. Nach der Landtagswahl 2014 soll die neue Gebietsreform in Brandenburg in Angriff genommen werden. Ich gehe davon aus, dass die Umsetzung bis zum Ende der Wahlperiode 2019 erfolgt. Wenn wir also nicht vom Innenministerium aufgelöst werden und vorgegeben bekommen wollen, mit wem wir fusionieren, sollten wir selbst agieren.

Und einen Partner für eine freiwillige Gemeindefusion suchen?

Koriath: Genau, wir brauchen einen strategischen Partner, mit dem wir zusammen mehr als die geforderte Einwohnerzahl haben und eine neue Gebietskörperschaft bilden können.

Soll es eine Kommune aus Dahme-Spreewald sein oder aus dem Nachbarkreis Teltow-Fläming, an den das Schenkenländchen direkt angrenzt?

Koriath: Es gibt beide Möglichkeiten. Aber jetzt geht es erst einmal darum, grundsätzlich zu entscheiden, ob wir das selbstbestimmt machen wollen.

Die Zukunft der Grundschulen in Teupitz und Groß Köris ist wegen zu geringer Schülerzahlen ungewiss. Was kann das Amt tun, um die Standorte zu sichern?

Koriath: Das Schulamt hat uns wiederholt signalisiert, dass drei Standorte im Amtsbereich wegen der demographischen Entwicklung nicht zu halten sein werden. Die Schule in Halbe gilt als gesichert, die Standorte Teupitz und Groß Köris sind tatsächlich fraglich. Wir meinen aber, dass wir diese beiden Grundschulen auch in Zukunft brauchen werden. Deshalb wollen wir bis zum Jahresende eine einheitliche Schulbezirkssatzung für das Amt erarbeiten, die es uns ermöglicht, den Schülerstrom zu steuern. Diese Satzung gibt es bisher nicht. Das ist ein Grund für die Probleme, die wir alljährlich in Teupitz und Groß Köris mit den Schülerzahlen haben.

Trotz der vorhergesagten sinkenden Einwohnerzahlen?

Koriath: Ja, denn wir sehen das etwas anders als die Statistiker. Wir denken, dass wir einen Zuzug bekommen werden, besonders von jungen Familien. Die Wohngebiete sind vorhanden, mit der Autobahn haben wir eine vorzügliche Verkehrsanbindung an Berlin. Vor allem aber sind wir nicht von den Flugrouten des neuen BER-Flughafens in Schönefeld berührt. Für Menschen, die dem Fluglärm ausweichen wollen, sind wir eine attraktive Alternative.

Ist denn die sonstige Infrastruktur gerüstet für Familien mit Kindern?

Koriath: Absolut. In Löpten haben wir Brandenburgs modernste Kita errichtet, sie wird am 31. August offiziell eingeweiht. In Halbe erweitern wir gerade das Platzangebot, in Teupitz haben wir mit dem Anbau ebenfalls zusätzliche Plätze geschaffen und den Altbau komplett saniert. Wir sind jetzt in der Lage, den Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz für unter Dreijährige zu erfüllen. Mit unseren Kitas und Schulen sind wir für die Zukunft gut aufgestellt.

Was gibt es Neues beim Trinkwasser und Abwasser im Amtsbereich?

Koriath: Wir sind dabei, die Versorgung und die Entsorgung neu zu strukturieren. Im Auftrag der Gemeinden Halbe und Groß Köris habe ich den Königs-Wusterhausener Zweckverband gebeten, eine Mitgliedschaft zu prüfen. Die Daten liegen dem Verband vor, wahrscheinlich noch in diesem Jahr werden Verbandsvertreter in den Gemeinden erläutern, zu welchem Bedingungen sie beitreten können. Ich sehe gute Chancen, da Münchehofe und Märkisch Buchholz dem MAWV bereits angehören. Teupitz und Schwerin wollen ihren Zweckverband AZV nicht aufgeben, aber auch hier gibt es Veränderungen. Ich bin beauftragt worden zu prüfen, ob die technische und kaufmännische Betreuung des Verbandes künftig durch einen Betriebsführer erledigt werden kann. Derzeit ist das nicht der Fall.

Beim ersten großen Waldbrand des Jahres vor wenigen Wochen in Radeland in Teltow-Fläming waren auch Feuerwehrleute aus dem Schenkenländchen im Einsatz. Hat aus Ihrer Sicht alles reibungslos geklappt?

Koriath: Das Zusammenspiel mit den TF-Feuerwehrleuten klappte, aber es machte sich ein anderes Problem bemerkbar. Teltow-Fläming und Dahme-Spreewald haben unterschiedliche Einsatzrichtlinien bei Waldbränden auf Munitionsflächen, wie es hier der Fall war. Die TF-Feuerwehrleute dürfen den Brand dann nur von den Waldwegen aus bekämpfen. Unsere Kameraden können, wenn es keine Detonationen in der Nähe gibt, zur direkten Brandbekämpfung in den Wald gehen. Das haben die sie auch getan. Der Einsatzleiter aus TF musste sich an seine Richtlinie halten und so hat der Brand länger gedauert, nämlich vier Tage. Das ist für die Feuerwehren schwierig, weil ihre Leute so lange von der Arbeit freigestellt werden müssen. Manche Arbeitgeber haben das nach diesem Einsatz kritisiert. Aber auch für die Waldbesitzer ist es ein Problem. Sie kritisierten, dass ihnen ein Riesenschaden entsteht, wenn der Brand nicht schneller gelöscht wird. Wir sind gerade mit Teltow-Fläming im Gespräch, wie man solche Waldbrände, die beide Kreisgebiete betreffen, gemeinsam besser bekämpfen kann. Dabei geht es auch um die Forderung an das Land, einen Sonderfonds für Waldbrände auf Munitionsflächen einzurichten. Aus ihm sollen Gemeinden entschädigt werden, weil diese Feuerwehreinsätze für sie sehr teuer sind, aber auch die Waldbesitzer.

Noch eine Frage zur Zusammenarbeit mit dem Nachbarkreis: Die Straße von Teupitz nach Zesch am See in Zossen sollte neu gebaut werden. Aber nachdem erst der Landkreis Teltow-Fläming und dann Dahme-Spreewald aus der Finanzierung ausgestiegen sind, liegt das Vorhaben auf Eis. Wie geht es weiter?

Koriath: Wir bemühen uns, neue Partner zu finden, denn dieser Verbindungsweg ist sehr wichtig. Wir haben die Stadt Zossen gebeten, den TF-Anteil zu übernehmen, sie wollte diese Finanzierung ursprünglich ohnehin selbst tun. Und wir müssen schauen, welchen Anteil Teupitz übernehmen kann und vielleicht auch das Amt, denn von diesem Weg profitieren alle Gemeinden.

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