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Dahme-Spreewald „Ein Schlachtfeld“: Wölfe reißen 13 Stück Damwild
Lokales Dahme-Spreewald „Ein Schlachtfeld“: Wölfe reißen 13 Stück Damwild
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16:11 10.01.2020
Gerissenes Dammwild bei Halbe Quelle: privat
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Briesen

Achim Pöscha erhielt die Hiobsbotschaft am Frühstückstisch. „Meine Mutter kam aufgeregt rein und sagte, wir sollen mal schnell zum Tiergehege kommen“, erzählt er. Pöscha ließ alles stehen und liegen, eilte aus dem Haus – und sah gleich die Bescherung. „Es war ein Schlachtfeld“, sagt er.

Achim Pöscha lebt in Briesen (Dahme-Spreewald), einem Ortsteil von Halbe. Er ist Jäger und hält in einem eingezäunten Gatter Damwild. Er ist kein Landwirt, die Tierhaltung ist ein Hobby, das Fleisch isst er selbst. 22 Tiere darf er halten, zuletzt waren es ein paar mehr. „Ich wollte deshalb den Bestand reduzieren und im Winter drei aus der Herde nehmen, sagt er. Aber darüber muss er sich nun keine Gedanken mehr machen. Ein Wolfsrudel hat in der Nacht zum 4. Januar 13 seiner Tiere getötet – und auf der Wiese ein Bild des Grauens hinterlassen. „Als Jäger habe ich natürlich häufig mit toten Tieren zu tun. Aber diesen Anblick ist man auch als Jäger nicht gewöhnt. Das war ein Schock“, sagt er.

12 Tiere ausgeweidet, eines ist ganz verschwunden

Die Tiere waren ausgeweidet, zerfleischt, halb aufgefressen. Eines war ganz verschwunden. „Ich vermute, dass die Wölfe es mit Haut und Haaren gefressen haben“, sagt Pöscha. Als Halter tue einem das natürlich weh.

Aber es seien auch nicht nur die Tiere, so Achim Pöscha. „Mein Gatter liegt relativ zentral im Ortskern, ich bin umgeben von Häusern, hinten an der Waldkante stehen noch Bungalows, und eigentlich sind wir auch durch die Bahnlinie noch geschützt.“ Er habe gehofft, dass ihn diese Lage vor Wolfsangriffen schützt. Aber es hat alles nichts genutzt. „Es ist schon ein komisches Gefühl, dass die Wölfe mitten im Ort zuschlagen“, sagt er. „Daran sieht man schon, dass die Population deutlich zugenommen haben muss.“

Zahl der Wolfsrudel ist angestiegen

Laut den aktuellen Berichten der Wolfsbeauftragten ist genau das der Fall. Im Jahr 2019 ist die Zahl der bestätigten Wolfsterritorien in Brandenburg von 39 auf 53 angestiegen. Briesen ist praktisch eingekreist von Wölfen. Es gibt nachgewiesene Rudel in Märkisch Buchholz und in Groß Köris, auch in und um Dahmetal haben sich Wölfe angesiedelt, in Baruth gibt es ein weiteres Rudel und auch Lieberose, wo ebenfalls Wölfe nachgewiesen ist, ist nicht so weit weg.

Auch die Risszahlen sind im vorigen Jahr gestiegen. Im Landkreis Dahme-Spreewald wurden in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres 43 Nutztiere von Wölfen getötet worden: 24 Schafe, 13 Stück Damwild und sechs Rinder. Das waren zu diesem Zeitpunkt bereits mehr, als im kompletten Jahr 2018, als die Landwirte 37 tote Nutztiere beklagten – obwohl die Tierhalter schon deutlich aufgerüstet haben. Einziger Trost – auch wenn es nur ein kleiner ist: Teltow-Fläming und Potsdam-Mittelmark sind nach wie vor die Schwerpunktregionen, wo die Wölfe noch deutlich mehr Schaden anrichten.

Dritter Angriff in Briesen

Den Tierhaltern im Amt Schenkenländchen hilft das aber wenig. In Löpten haben die Wölfe schon öfter zugeschlagen, und der Angriff bei Achim Pöscha war nun auch schon der dritte in Briesen. Einmal wurde 2018 eine freilaufende Ziege gerissen, im Februar vorigen Jahres töteten die Wölfe dann zwei Stück Damwild. Der Halter war damals ein Bekannter von Achim Pöscha, dem damit der gesamte Bestand abhanden kam. Seither hatte Pöschas Bekannter in einen neuen Zaun investiert und wollte sich nun einen neuen Bestand aufbauen. „Dafür hatte er sich einen Hirsch aus meiner Herde ausgesucht. Aber der ist nun leider auch gerissen worden“, sagt Pöscha.

Um seine verbliebenen Tiere zu sichern, hat sich Achim Pöscha nun einen Elektrozaun von einer benachbarten Agrargenossenschaft geliehen und den in Windeseile um sein Gatter gezogen. Dazu habe ihm der Wolfsbeauftragte geraten, sagt er. Einen eigenen Zaun habe er schon bestellt, der wird installiert, sobald die Lieferung eintrifft. „Ich werde den Kopf nicht hängen lassen“, sagt Achim Pöscher. „Aber geschockt ist man natürlich trotzdem.“

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Von Oliver Fischer

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