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Zeuthen Geschichten über das Leben
Lokales Dahme-Spreewald Zeuthen Geschichten über das Leben
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00:26 17.04.2018
Das Buch „Guten Abend, Schöne!“ hat 126 Seiten und ist für drei Euro erhältlich. Quelle: Karen Grunow
Zeuthen

Es ist ein berührendes Buch geworden, das die Zeuthenerin Irmtraud Carl da gemeinsam mit ihren Mitstreitern vom Verein „Kulturlandschaft Dahme-Spreewald e.V.“ realisiert hat. „Guten Abend, Schöne“ heißt es und es versammelt Erinnerungen und Lebensgeschichten von Frauen, die einst in der Region geboren und aufgewachsen sind und als Jüdinnen während der Zeit des Nationalsozialismus fliehen mussten. Oder die wie Elda Fagot durch ihren Ehemann eine Verbindung in die Region haben. Denn Richard Fagot hat als Kind das Königs Wusterhausener Außenlager des Konzentrationslagers Sachsenhausen überlebt und schon häufiger in der Region darüber berichtet.

„Ich wollte endlich mal ein Buch über Frauen machen“, erzählt Irmtraud Carl, die erste Vorsitzende des Vereins. Seit mehr als anderthalb Jahrzehnten engagiert sie sich im Dahmeland dafür, dass die Erinnerung an die Menschen, die in jener Zeit wegen ihres Glaubens von hier vertrieben worden sind, deportiert und umgebracht wurden, lebendig bleibt. Zahlreiche Stolpersteine konnten durch dieses Engagement bereits verlegt werden; 2005 der erste in Königs Wusterhausen.

Persönliche Aufzeichnungen und Gespräche

Manche der Texte in dem Buch „Guten Abend, Schöne!“ gehen auf persönliche Aufzeichnungen zurück, andere auf Gespräche, die Irmtraud Carl selbst mit den porträtierten Frauen geführt hat. Nicht immer wollten diese mit vollem Namen im Buch erscheinen, manche, die sich dem Projekt zunächst sehr zugewandt zeigten, bekamen dann doch Respekt vor der eigenen Courage, mit der privaten Geschichte durch ein Buch in die Öffentlichkeit zu gehen. „Fast zweieinhalb Jahre brauchte es, um das Buch fertigzustellen“, erzählt Irmtraud Carl.

Besonders freut sie sich über einen kurzen Beitrag von Michal Dunsky. Deren Mutter war als Zehnjährige über das Ghetto in Łódz ins Konzentrationslager Ravensbrück und dann im Februar 1945 nach Königs Wusterhausen gekommen. Michal Dunskys Mutter ging später mit ihrer Tante und ihrem Onkel, die sie wie ihr eigenes Kind akzeptierten, nach Israel. Die Mutter, Dunskys Großmutter, war im Ghetto umgekommen, der Vater war in einem Außenlager des KZ Neuengamme gestorben. Das aber hatte Michal Dunskys Mutter erst sehr viel später bei der Suche nach den Angehörigen gemeinsam mit ihrer Tochter erfahren. Diese arbeitet heute für die Internationalen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem.

Veranstaltung für November geplant

Eigentlich war der Wunsch, dieser Tage in der Region gemeinsam mit Michal Dunsky und Elda Fagot das Buch vorzustellen. Am 26. April ist der Jahrestag der Befreiung des Königs Wusterhausener KZ-Außenlagers, um diesen Termin herum sollten die Lesungen stattfinden. Doch nun hofft Irmtraud Carl, dass sich zum 9. November, wenn sich das Novemberpogrom gegen die jüdische Bevölkerung in Deutschland zum 80. Male jährt, eine Veranstaltung organisieren und finanzieren lässt. An der dann auch einige der im Buch vertretenen Frauen teilnehmen können. „Wir sind dabei, Lesungen zu organisieren“, so Irmtraud Carl. Vor allem Jugendliche möchte sie für dieses Buch interessieren. Das ist bislang nur in Königs Wusterhausen in der Stadtbuchhandlung Radwer und im Eine-Welt-Laden erhältlich. Drei Euro kostet „Guten Morgen, Schöne!“. Der Preis wird nicht zuletzt deshalb möglich, weil das Projekt maßgeblich im Rahmen des Lokalen Aktionsplans „Demokratie leben“ gefördert wurde.

Geschildert wird auch die Geschichte der jüdischen Frau und der Tochter des Schauspielers Paul Bildt, der 1944 mit seiner Familie in das Gutshaus des berühmten Theatermanns Gustaf Gründgens in Zeesen zog. Dort starb wenig später Bildts Frau, sie war schwer krank. Er und seine Tochter versuchten am 27. April 1945, sich das Leben zu nehmen. Paul Bildt überlebte. An seine Tochter und seine Frau erinnert eine Grabplatte auf dem Friedhof in Zeesen.

Irmtraud Carl hat fast alle Frauen getroffen

Es geht in dem Buch aber auch um Frauen, die die Flucht aus Ostpreußen bei Kriegsende ins Dahmeland geführt hat. Wie die Mutter des Königs Wusterhausener Stadthistorikers Rainer Kugel. Und um Frauen, die Ende der 1990er Jahre aus der Ukraine und Lettland nach Königs Wusterhausen gekommen waren und sich für die neue jüdische Gemeinde in ihrer neuen Heimatstadt engagierten.

Ein Stück weit, überlegt Irmtraud Carl da, sei dieses Buch auch Zeugnis ihrer eigenen Biografie. Denn sie hat fast alle dieser Frauen getroffen, ist in deren Leben eingetaucht, hat es sich zur Aufgabe gemacht, mehr zu erfahren, Fakten zusammenzutragen, ihnen zu helfen, die eigene Geschichte zu verstehen. Die Berichte der Zeitzeuginnen werden ergänzt von Artikeln aus der MAZ, in denen die Arbeit des Vereins und besondere Begegnungen mit Überlebenden der Zeit des Nationalsozialismus dokumentiert sind.

Von Karen Grunow

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