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Zeuthen Trotz Denkmalschutz: Zeuthener Gemeindevertretung hält an Ausbau der Schillerstraße fest
Lokales Dahme-Spreewald Zeuthen

Schillerstraße in Zeuthen: Gemeindevertretung entscheidet über Einwohnerantrag

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17:07 25.11.2021
Martina Schaldach und Jan Fahlbusch von der Bürgerinitiative „Schillerstraße retten“ während der Sitzung der Gemeindevertreter in Zeuthen.
Martina Schaldach und Jan Fahlbusch von der Bürgerinitiative „Schillerstraße retten“ während der Sitzung der Gemeindevertreter in Zeuthen. Quelle: Joice Saß
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Zeuthen

„Es war und ist die Unzufriedenheit über den geplanten Ausbau der Schillerstraße, der den Vorstellungen und Wünschen vieler Zeuthenerinnen und Zeuthener entgegen spricht“, erklärte Jan Fahlbusch die Motivation der Bürgerinitiative „Schillerstraße retten“ am Dienstagabend während der Sitzung der Gemeindevertreter.

Anders als bereits an vielen Abenden zuvor, kam der Anwohner nicht innerhalb der Einwohnerfragestunde zu Wort, sondern sprach gemeinsam mit Martina Schaldach und Thomas Merfort über die Forderungen der Bürgerinitiative in einem separaten Tagesordnungspunkt.

Denn die BI hatte in den vergangenen Wochen 850 Unterschriften in der Gemeinde gesammelt und so einen Einwohnerantrag einreichen können, über den die Gemeindevertreter am Dienstagabend diskutierten.

Konkret schlug die BI vor, das bestehende Kopfsteinpflaster in der Schillerstraße zu erhalten und Alleebäume bei einem Ausbau nicht zu fällen. Denn der bereits erstellte Planungsentwurf der Gemeinde dazu sieht eine Asphaltierung der Straße sowie die Fällung von vier Bäumen vor (MAZ berichtete).

Zudem forderten die Einwohner die Gemeinde dazu auf, darauf hinzuwirken, den südlichen Teil der Straße dauerhaft mit Tempo 30 auszuweisen und sicherzustellen, dass ein Konzept erstellt wird, das dabei hilft, den Verkehr während der geplanten Sanierung der Seestraße weiträumig umzuleiten.

Schillerstraße in Zeuthen wird in Denkmalliste eingetragen

Darüber hinaus sprach sich die BI für ein langfristiges Verkehrskonzept für die Gemeinde aus, wobei die zu erwartende Ortsentwicklung berücksichtigt werden soll. Doch neben dem Begehren der Bürgerinitiative gab es bereits neue Informationen zu der Schillerstraße, die das Bauvorhaben der Gemeinde ins Wanken bringen.

So suchte die BI Kontakt zum Landesamt für Denkmalpflege, dass aufgrund der Dringlichkeit durch einen möglichen Ausbau die Schillerstraße prüfte und zu dem Entschluss kam, die Kopfsteinpflasterstraße in die Denkmalliste einzutragen. Die BI sieht sich durch diese Entscheidung bestätigt.

Dennoch hält die Mehrheit der Gemeindevertretung an einem Ausbau der Straße fest, was zum Teil für Unverständnis sorgte. So bezeichnete Jonas Reif (Grüne) das Projekt während der Diskussion als völlig sinnlos.

Die Gemeindevertreter diskutierten in der Mehrzweckhalle über den Erhalt des Kopfsteinpflasters in der Schillerstraße. Quelle: Joice Saß

„Ich glaube, wer heute wirklich noch davon ausgeht, dass man diese Straße noch mal grundhaft ausbaut mit Parktaschen und Ähnlichem, der hat den Denkmalschutz in Brandenburg noch nicht verstanden“, argumentierte Reif.

Der Denkmalschutz würde nicht alle Arbeiten ausschließen, entgegnete Bürgermeister Sven Herzberger (parteilos). Noch sei jedoch nicht klar, inwiefern Veränderungen an der Straße vorgenommen werden können. Das entscheide sich erst noch bei einem Treffen mit der Behörde.

BI in Zeuthen enttäuscht vom Abstimmungsergebnis

Karl Uwe Fuchs (FDP) gab zudem zu bedenken, dass der Verkehrsfluss in der Schulstraße künftig auf andere Straßen geleitet werden müsse. Noch sei dies in der Schillerstraße jedoch nicht möglich. Ein Gutachten hatte erst kürzlich ergeben, dass der Durchgangsverkehr eine Gefahr für die Kinder und Jugendlichen darstelle, vor allem beim Übergang zum Sportplatz.

„Am Ende ist es eine Abwägung zwischen Erhalt von historischer Optik, aber eben auch den Verkehrsflüssen“, betonte Fuchs. Doch Jonas Reif gab zu bedenken, dass es wenig Sinn mache, mit der Planung voranzuschreiten, ohne zu wissen, wie die Vorgaben der Denkmalschutzbehörde aussehen werden. „Ich habe die Befürchtung, dass wir am Ende sehr viel Geld für etwas ausgeben, was am Ende fast gar keine Wirkung haben wird“, so Reif weiter.

Bereits im Vorfeld war klar, dass nicht alle Punkte des Einwohnerantrages bei den Gemeindevertretern auf Zustimmung treffen werden. Damit es nicht zu einer Ablehnung des gesamten Einwohnerantrags kommt, wurde bereits im Vorfeld beschlossen, über die einzelnen Punkte abzustimmen.

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So stimmte die Mehrheit für das Hinwirken von Tempo 30 in der Straße und die Erstellung eines Verkehrskonzepts der Gemeinde. Ein kleiner Erfolg für die Bürgerinitiative, die sich mehr erhofft hatte. „Vor dem Hintergrund, dass es 815 gültige Zeuthener Unterschriften gab, ist die Annahme von nur zwei Punkten sehr enttäuschend“, sagt Jan Fahlbusch nach der Abstimmung.

Der südliche Teil der Schillerstraße soll laut Planungsentwurf bis zum Platz vor der Kirche und dem Rathaus asphaltiert werden. (Archivbild) Quelle: Joice Saß

Vor allem das knappe Votum gegen den Erhalt des Kopfsteinpflasters als zentralen Punkt lässt die Bürgerinnen und Bürger mit gemischten Gefühlen nach Hause gehen. „Umso dankbarer sind wir für die Entscheidung des Denkmalschutzes“, so Fahlbusch weiter.

Die BI fordert nun ein Umdenken in der Ortsentwicklung. „Die Entscheidung des Denkmalschutzes sollte ein Weckruf für eine nachhaltigere Ortsentwicklungspolitik in Zeuthen sein.“ Nun wird scheinbar ebendieser über den künftigen Ausbau der Schillerstraße entscheiden.

Von Joice Saß