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Lokales Die Angst vor der Abrissforderung
Lokales Die Angst vor der Abrissforderung
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16:58 25.01.2017
Christel und Jörg Kitschun hoffen weiter, dass sie die zum Wohnhaus umgebaute Scheune (links) doch nicht abreißen müssen. Leergezogen ist sie schon. Rechts ihr Wohnhaus.
Christel und Jörg Kitschun hoffen weiter, dass sie die zum Wohnhaus umgebaute Scheune (links) doch nicht abreißen müssen. Leergezogen ist sie schon. Rechts ihr Wohnhaus. Quelle: Enrico Kugler
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Wer möchte nicht, dass die Kinder in der Nähe wohnen bleiben. Das war wohl auch das Motiv für Christel und Jörg Kitschun, um die alte Scheune neben ihrem Wohnhaus in der Tiergartenschleuse 2 peu a peu auszubauen. Nun hat das Bauordnungsamt des Landkreises die Nutzung untersagt und den Rückbau und den Abriss gefordert. Bis Jahresende. Und damit die Besitzer in eine schwere Krise gestützt: „Wir wissen keinen Ausweg mehr. Wir sollen auf eigenen Kosten abreißen. Alles, was wir investiert haben.“ Für sie scheint alles sinnlos. Vor allem Christel Kitschun ringt vergebens um Fassung.

1984 waren sie in die Tiergartenschleuse 2 als Mieter eingezogen, hatten 1991 das einstige Forstgebäude, Baujahr 1929, von der Treuhand erworben. Dazu gehört ein Grundstücke von rund 3500 Quadratmetern. Auf rund der Hälfte lagert Baumaterial. Jörg Kitschun war bis 2009 selbstständig im Baugewerbe. Inzwischen hatten die Kitschuns eine Terrasse gebaut, den Innenhof gepflastert, „weil man dort sonst im Schlamm versinkt.“ Ein Teich kam hinzu. Und vor allem die Scheune hatten sie für den Sohn ausgebaut. Er ist jetzt ausgezogen.

Angst davor, das eigene Wohnhaus abreißen zu müssen

„Denn im Dezember 2015 bekamen wir einen Brief der Stadt. Darin der Hinweis, dass wir das Grundstück vom Baumaterial beräumen sollen.“ Da hätten sie auch das erste Mal wahrgenommen, dass es sich im sogenannten Außenbereich befindet. Dort darf weder etwas gelagert, noch versiegelt, noch verändert werden. Nun am 13. Januar 2017 das Schreiben des Bauordnungsamtes des Kreises mit der Nutzungsuntersagung der Scheune und der Forderung, das umgebaute Gebäude abzureißen.“ Bis Ende 2017, maximal, sofern sie keinen Widerspruch einlegen, bis Ende 2019. Das hat ihnen den Boden unter den Füßen weggezogen. „Wir haben Angst, dass wir auch den Teich, das Pflaster und letztlich auch unser Wohnhaus abreißen müssen.“

„Ja, wir haben Fehler gemacht“

Dabei räumen Kitschuns durchaus ein: „Ja, wir haben Fehler gemacht.“ Denn eine Baugenehmigung für den Umbau der Scheune hatten sie nicht eingeholt. „Ja, es war falsch“, wissen sie. „Wir wollen es gern heilen, wissen aber nicht wie. Warum bekommen wir keine zweite Chance?“, sagt Jörg Kitschun. „Wen stört die Scheune dort. Warum sollen wir unser Hab und Gut zerstören?“, fragt er.

Warum sie die Scheune nicht nur zurückbauen, sondern abreißen sollen, liegt darin begründet, „dass mit den gravierenden Veränderung der Bestands- und Vertrauensschutz verwirkt ist“, so Kreissprecher Ronny Wappler. Es habe Gespräche mit Kitschuns im Bauordnungsamt gegeben, „und eine ordnungsrechtliche Verfügung für den Rückbau der Scheune. Das Wohnhaus ist nicht betroffen.“ Diese Angst sei unbegründet. Die Familie sei nun aufgefordert, noch einmal zu reagieren. „Es ist durchaus möglich, den Zeitraum des Rückbaus noch einmal zu verlängern, nach hinten zu verschieben“, so Ronny Wappler, der die Aufregung der Familie gut verstehen kann.

Unrecht kann nicht durch Auge zudrücken geheilt werden

Dass alles so bleiben kann, da machte er jedoch keine Hoffnungen. „Wir können Unrecht nicht heilen, in dem wir ein Auge zudrücken. Das wäre Willkür. Wie sollen wir dann in ähnlichen Fällen handeln? Wir müssen Gesetze durchsetzen. Den einzigen Spielraum, den wir haben, ist Zeit, die wir einräumen können, bis wann die Scheune zu beseitigen ist. Vorerst steht der Termin bis Jahresende. Aber die Frist ist verlängerbar.“ Wir können reden bis Mitte Februar.“ Bis dahin könnten Kitschuns Gründe für die Verlängerung vorbringen.

Auch in der Stadtverwaltung wurde die Entscheidung des Bauordnungsamtes des Kreises noch einmal diskutiert: „Grundsätzlich ist die Entscheidung nicht zu beanstanden“, so Stadtsprecherin Susanne Zamecki. „Aber wir hoffen auf eine Lösung, einen gangbaren Weg im Sinne der Kitschuns. Eine Duldung, dass sie mehr Zeit bekommen, das würden wir begrüßen.“

Ob mehr Zeit für den Abriss eine Lösung für Jörg und Christel Kitschun ist, bleibt fraglich: „Wir sind beide gesundheitlich angeschlagen und haben nicht das Geld und die Kraft, das Haus auf eigen Kosten abzureißen. Unser Geld steckt in dem Haus“, sagt Christel Kitschun.

Von Heike Bergt

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