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Lokales Frieren am Kilometer 28,6
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17:43 16.01.2017
Geschafft, die „Mauer“ ist dicht, das Schleusenbecken kann abgelassen werden.
Geschafft, die „Mauer“ ist dicht, das Schleusenbecken kann abgelassen werden. Quelle: Heike Bergt
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Oranienburg

Nun aber runter mit dem Helm und raus aus dem Anzug! „Auf meine Thermoskanne mit Tee habe ich mich die ganze Zeit da unten gefreut“, gesteht Lars Wrubbel. Der Berliner Taucher im Dienst des Wasserstraßen und Schifffahrtsamtes (WSA) in Eberswalde musste gestern Vormittag ins wahrlich kühle Nass: so genannte „Nadeln“ setzen. Ein Kranausleger bugsierte die mehr als 80 Stahlröhren heran, drei Kollegen verbanden sie oberhalb des Wassers, der Taucher unterhalb zu einer nahezu undurchlässigen Wand. Zwei Stunden Arbeit bei einem Grad Wassertemperatur. Da wird es auch in Spezialunterwäsche und Neopren richtig kalt.

Am 8. Januar hatte der Eisbrecher „Eisfuchs“ die Havel-Oder-Wasserstraße bis zum Schiffshebewerk Niederfinow freigemacht und vergangenen Donnerstag noch einmal das Eis gebrochen – bis Eberswalde. „In den letzten Tagen haben wir der Schifffahrt noch ein wenig geholfen“, sagt Hilmar Keilhau, der Oranienburger Außenbezirksleiter des WSA. Auf dem Lehnitzsee ist das Eis inzwischen „um die fünf Zentimeter dick“, so Keilhau. Wie eine gläserne Haut überspannt das Eis am Montag den Lehnitzsee.

Aber für die Schubverbände ist in Eberwalde ohnehin Endstation, denn das östlich liegende Schiffshebewerk in Niederfinow macht Winterpause. Und seit Montag ist auch die Lehnitzschleuse außer Betrieb. „Wir takten das immer so ein.“

Arbeitsfrei ist deshalb nicht. Denn wie so oft wird dieses Auszeit für erforderliche Reparatur- und Wartungsarbeiten genutzt. Diesmal geht es vor allem darum, die Stahlseile, die beim Öffnen des Hubtores besonders beansprucht werden, auszutauschen, erklärt Hilmar Keilhau. Dafür muss die Schleusenkammer geleert werden. Das soll nun am Dienstag passieren.

Gestern verbanden die Mitarbeiter des WSA mehr als 80 der so genannten Nadeln zu einer Wand, die anschließend noch abgedichtet worden ist. Dann wird das Schleusentore geöffnet und rund zehn Millionen Liter Wasser werden abgelassen, das Tor fällt trocken. Voraussichtlich bis zum 25. Januar sollen die Arbeiten abgeschlossen sein, zu denen auch noch Kontrollen an der Technik gehören.

Ob der „Eisfuchs“ in diesem Winter noch richtig Arbeit bekommt, bleibt abzuwarten. Noch hat er die Eisdecke spielend geknackt. Und wenn sie stärker als 20 Zentimeter dick ist, wird „geboxt”, wie der Fachmann sagt. Dann schiebt sich der Brecher aufs Eis, bricht es durch sein Eigengewicht und kämpft sie so weiter voran.

„Derzeit haben wir mit dem Wasserstand kein Problem“, so Keilhau, doch „nach drei extrem trockenen Sommern in Folge, waren auch wir zehn bis 15 Zentimenter unter normal.“ Lehnitz ist abhängig von der Wasserhaltung in Spandau. Trotz des scheinbar feuchten Herbstes, „sind längst nicht alle Grundwasserspeicher gefüllt und im Frühjahr soll ja durch Melioration alles schnell wieder von den Feldern abfließen. Und ab Mai fehlt dann schon wieder Wasser“, prophezeit er.

Von Heike Bergt

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