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Havelland 17 Paragraphen zum Umgang mit Feuer
Lokales Havelland 17 Paragraphen zum Umgang mit Feuer
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17:08 07.05.2015
Die Rathenower Jugendlöschgruppe im Jahr 1904.
Die Rathenower Jugendlöschgruppe im Jahr 1904. Quelle: Archiv FF Rathenow
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Rathenow

Die wahrscheinlich erste „Feuerordnung“ für die Stadt Rathenow stammt aus dem Jahr 1612. Insgesamt 17 Paragraphen in Abschnitt 24 von 29 der „Statuta der Stadt Rathenow“, die das bürgerliche Leben regelten, legten das Verhalten der Bürger im Umgang mit Feuer genau fest.

Jeder Bürger musste bei der Brandbekämpfung helfen und Löschgeräte wie Eimer und Leitern bereithalten. Denn Brände, die damals verheerende Folgen für eine Stadt hatten, gab es immer wieder. Die Stadt-Chronik berichtet über drei große Brände 1575, 1576 und 1591, bei denen insgesamt 255 Wohnhäuser abbrannten. Brände gingen von den Feuerstellen in den Häusern, damals etwa 325 Feuerstellen, aus. Erst als die Kammer-Order, die 1742 hölzerne Schornsteine verbot, ab 1763 in Rathenow nach und nach umgesetzt wurde, sank die Brandgefahr deutlich.

Dies alles hat Oberlöschmeister Bodo Rohrschneider im Jahr 2006 aus Archiven in mühevoller Kleinarbeit zusammengetragen und in einer Chronik, über 600 Seiten dick und bebildert, veröffentlicht. „Bis zum 30-jährigen Bestehen der Feuerwehr im Jahr 1910 sind alle wichtigen Ereignisse in den Festschriften zu Gründungsjubiläen fast lückenlos aufgezeichnet. Auch die schriftlichen Erinnerungen von Wilhelm Holstein, 1933 bis 1947 Wehrleiter, halfen“ erzählt der Rathenower, der 1968 in die Freiwillige Feuerwehr Semlin eintrat und nach seiner Zugehörigkeit zur Betriebsfeuerwehr des VEB Betonwerke Rathenow im Jahr 2000 der Freiwilligen Feuerwehr Rathenow beitrat.

„In der Zeit nach 1910 werden die Aufzeichnungen lückenhaft. Durch den Zweiten Weltkrieg wurden zudem fast alle Unterlagen vernichtet.“ Anfang 2008 wurde Rohrschneider in die Alters- und Ehrenabteilung übernommen und führt noch heute die Chronik weiter.

Im 18. Jahrhundert wurde Geld zur Beschaffung von Feuerlöschinstrumenten bewilligt. Außerdem musste in Rathenow jeder Neubürger bei seiner Aufnahme eine bestimmte Summe für Feuerlöschgeräte bezahlen. In den Jahren 1744 und 1753 wurde jeweils eine neue Feuerspritze gekauft. Dazu wurde ein zweites Spritzenhaus in der Bergstraße gebaut, wo sich die Rathenower Feuerwache bis 1951 befand.
Nach Gründung der ersten deutschen freiwilligen Feuerwehr 1841 in Meißen, folgte die erste in Brandenburg 1851 in Berlin und 1855 auch in Wriezen. Den bisherigen Pflichtfeuerwehren fehlte die nötige Ausbildung an der aufkommenden Technik zur Brandbekämpfung. 1862 wurde im Männerturnverein dazu eine Turnerfeuerwehr gegründet, die wegen mangelnder Unterstützung durch die Stadt und die Bürger nur bis 1869 bestand.

Festumzug und Technikschau

Das Jubiläumsfest der Rathenower Feuerwehr ist am Samstag (9. Mai). Ab 11 Uhr können Besucher sich in der Feuerwache in der Großen Hagenstraße ein Bild von der Wehr machen.
Bereits um 9 Uhr beginnt das Jubiläum mit einem Festumzug durch die Rathenower Innenstadt. Angeführt vom Blasorchester der Feuerwehr sind 24 Fahrzeuge dabei.
Auf dem Gelände der Feuerwache werden die Brandschützer dann ab 11Uhr ihren Fuhr- und Gerätepark vorstellen.

Mit der Industrialisierung Rathenows mit der optischen Industrie stieg die Einwohnerzahl Rathenows von 4000 im Jahr 1820 auf 11.500 im Jahr 1880. Nun erkannte auch die Stadt die Notwendigkeit einer freiwilligen Wehr. Auf Initiative des Bürgermeisters Lange kam es Ende 1879 zu einer Bürgerversammlung im Wetzel’schen Restaurant. Insgesamt 56 Rathenower erklärten sich bereit, eine freiwillige Wehr zu gründen. Zur Beschaffung der Uniformen und der leichten Ausrüstung wurde in der Bürgerschaft Geld gesammelt. Zudem zahlte schon damals jeder Feuerwehrmann einen monatlichen Beitrag.

Dann erfolgte nach der Ausbildungsphase die Gründung der freiwilligen Feuerwehr am 8. Mai 1880 mit zirka 90 Angehörigen. Erster Wehrführer wurde bis 1914 der Stadtrat Carl Gustav Matthes. Der erste Einsatz erfolgte am 12.Juli 1880 beim Brand des „Elysium“ (Sportpalast) am Stadthof. In den Folgejahren gab es pro Jahr weniger als zehn Einsätze. In Firmen kam es zu Großbränden wie 1910 in der Ziegelei C.G. Matthes & Sohn“ und 1911, als die Wassermühlen erstmals vollständig abbrannten.

Im dritten Jahr nach Gründung hatte die Wehr schon 143 Mitglieder, 1884 gar 174 Mitglieder. Bereits 1904 gab es eine mitgliederstarke und aktive Jugendwehr. Während des Ersten Weltkriegs wurde die Wehr sehr geschwächt. 1920 gab es nur noch 45 aktive Mitglieder. Die Brandbekämpfungstechnik entwickelte sich weiter. 1925 bekam die Wehr ihre erste Motorspritze. Mit der Machtübernahme durch die NSDAP 1933 wurde auch die Rathenower Feuerwehr, wie überall im Land, als Feuerlöschpolizei der Polizei angegliedert.

Nachdem Carl Dombrowski (bis 1927) und Kamerad Schroiff (bis 1933) dem 1914 verstorbenen Wehrleiter Matthes folgten, konnten die Nazis ihren Kandidaten Schwuchow nicht gegen die Wehrmitglieder durchsetzen. So kam der gewählte Wehrleiter Wilhelm Holstein am 10. Mai ins Amt, bis 1947.

In den Kriegsjahren, verstärkt ab 1940, wurde die Feuerwehr zum Luftschutz herangezogen. Ab 1943 wurde die Rathenower Wehr auch in Berlin eingesetzt. So kam ab 1942 eine Hitlerjugend-Wehr verstärkt in Rathenow zum Einsatz. Wird fortgesetzt

Von Uwe Hoffmann

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