Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Havelland ASB betreibt Sozialkaufhaus für Bedürftige
Lokales Havelland ASB betreibt Sozialkaufhaus für Bedürftige
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:45 07.03.2018
Im Sozialkaufhaus des ASB Rathenow, von links Doris Kuhn, Manuela Rogge und Manuela Jaedecke. Quelle: Bernd Geske
Anzeige
Rathenow

Eine Couch ist zu haben für 190 oder 160 Euro. Eine Schrankwand wird angeboten für 199 oder 180 Euro. Ein Tisch kann gekauft werden für 35 oder 30 Euro. Es gibt nur ein Geschäft im Westhavelland, in dem ein und dieselbe Ware für zwei unterschiedliche Preise angeboten wird. Das gibt es nur im Rathenower Sozialkaufhaus, das vom Ortsverband des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) betrieben wird.

Es ist ein rund 500 Quadratmeter großer, etwas betagter Flachbau an der Fehrbelliner Straße 4. Das ungewöhnliche Preissystem kommt zustande, weil das Sozialkaufhaus von zwei unterschiedlichen Kundengruppen genutzt werden kann.

Anzeige

„Bei uns kann jeder einkaufen“, schickt die Kaufhaus-Leiterin Doris Kuhn vorweg. Dann erklärt sie: Das Sozialkaufhaus sei geschaffen worden, um einkommensschwache Bürger mit preisgünstigen Möbeln, technischen Geräten, Hausrat, Kleidung und ähnlichen Dingen zu versorgen.

Wer einen Nachweis über seine Bedürftigkeit vorlegt – zum Beispiel Hartz-IV-Empfänger, Rentner, Lehrlinge, Studenten – kann das gewünschte Produkt mit dem verminderten Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent erwerben. Wer nicht bedürftig ist, kann auch im Sozialkaufhaus kaufen, muss aber dafür den normalen Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent entrichten. Dadurch ergeben sich die zwei verschiedenen Preise für das gleiche Produkt.

Am Kleinlaster des Sozialkaufhauses, mit dem alle Möbel transportiert werden, von links: Renè Kalisch, Michael Sichting, Melanie Tewes, Ernst Göttling und Steven Kobszyk. Quelle: Bernd Geske

„Alles, was in unserem Sozialkaufhaus veräußert wird“, erklärt Melitta Teige vom ASB-Ortsverband Rathenow, „ist zuvor gespendet worden.“ Die Bereitschaft sei groß, für andere Menschen zu spenden, denen es nicht so gut geht. Das sei vor allem erfreulich vor dem Hintergrund, dass heute alle Leute relativ einfach ihre privaten Sachen auch über das Internet verkaufen könnten. „Für die vielen Spenden aus der Bevölkerung sind wir sehr dankbar“, sagt Melitta Teige, „ohne sie könnten wir das Sozialkaufhaus nicht so betreiben, wie wir es machen.“

Der ASB-Ortsverband hat vier Festangestellte dort: die Leiterin, einen Kraftfahrer, einen Möbelhandwerker und eine Kundenbetreuerin. Melitta Teige weist darauf hin, dass das Geschäft nur funktioniert, weil die Arbeitsförderungsgesellschaft Premnitz, die Akademie Seehof, der Verein Horizont und das IKW geringfügig beschäftigte Personen, Praktikanten oder anderweitig für den ASB kostenlose Arbeitskräfte zur Verfügung stellen. Dadurch können Spenden kostenlos abgeholt und gekaufte Möbel angeliefert und aufgebaut werden.

ASB-Sozialkaufhaus in der Fehrbelliner Straße 4

Das Sozialkaufhaus des ASB-Ortsverbandes Rathenow bietet den Kauf von gut erhaltenen Gebrauchtmöbeln, Bekleidung, Hausrat, Waschmaschinen, Kühlschränken und E-Herden an.

Geöffnet hat es Montag bis Donnerstag von 9 bis 16 Uhr und Freitag von 9 bis 15 Uhr.

Es hat eine Fläche von rund 500 Quadratmetern.

Dort gekaufte Dinge werden fachgerecht ausgeliefert und aufgebaut.

Gesucht werden ständig gut erhaltene Dinge, die von den Spendern abgeholt werden.

Es ist erreichbar unter Telefon 03385/49 88 87.

Der Kleinlaster ist vom ASB im Sommer 2016 neu gekauft worden.

Der ASB plant, dass das Sozialkaufhaus 2017 zur Kleinen Waldemarstraße umziehen soll. Der genaue Zeitpunkt steht aber noch nicht fest.

Seit gut vier Jahren betreibt der ASB jetzt die Einrichtung. Der Soziale Güterservice, der dort zuvor ein ähnliches Angebot bereit stellte, hatte damals seinen Geschäftsbetrieb aufgegeben. Der Vorstand des ASB Rathenow habe festgestellt, dass so etwas gut zu seinem Engagement in der Region passen würde, berichtet Melitta Teige. Man habe damals den Versuch gewagt und könne heute mit Freude feststellen, dass sich das Geschäft gut entwickelt hat. Es trage sich selbst, für das Sozialkaufhaus seien nie Zuschüsse in Anspruch genommen worden.

Von Bernd Geske