Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Havelland Agrargenossenschaft schreibt weiter rote Zahlen
Lokales Havelland Agrargenossenschaft schreibt weiter rote Zahlen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:03 25.07.2019
Beim Betriebsrundgang. Von links: Johannes Funke, Detlef Ebert, Katja Poschmann und Martin Gorholt.
Beim Betriebsrundgang. Von links: Johannes Funke, Detlef Ebert, Katja Poschmann und Martin Gorholt. Quelle: Norbert Stein
Anzeige
Stölln

Die Landwirte im Westhavelland stecken mitten in der Getreideernte. Auch in der Agrargenossenschaft (AG) Stölln bestimmt derzeit die Ernte den Arbeitstag. „Etwa zwei Wochen benötigen wir noch bis alles geschafft ist “, sagt Geschäftsführer Detlef Ebert zum voraussichtlichen Abschluss der Getreideernte von insgesamt 600 Hektar mit Gerste, Roggen, Treticale und Weizen.

Weniger Wasser

Dazu kommen noch 100 Hektar Raps, die aber bereits geerntet sind. Auch die Gerste ist vom Halm. Derzeit sind die Mähdrescher im Roggen. Die Hauptgetreideart der Agrargenossenschaft ist auf 330 Hektar erntereif. Roggen ist nach Ansicht von Detlef Ebert eine Getreidesorte, die auf den märkischen Sandböden besser wächst, weil die Getreideart im Vergleich zu Weizen deutlich weniger Wasser benötigt. Roggen, so Ebert, habe „wachsende Zukunftschancen“.

Unter dem Durchschnitt

Bei der Gerste hat der Betrieb 5,2 Tonnen pro Hektar geerntet. Beim Raps liegt der Ertrag bei 2,9 Tonnen pro Hektar. Den bisherigen Ernteverlauf schätzt der Geschäftsführer nicht unbedingt optimistisch ein. Ohne eine Abschlussbilanz vorwegzunehmen sagt Ebert: „Der Ertrag der Getreideernte liegt deutlich unter dem Durchschnitt der letzten Jahre.“

Die Kälber fühlen sich sichtlich wohl im Stall auf frischem Einstreu. Quelle: Norbert Stein

Der Geschäftsführer hofft deshalb auf eine ordentliche Maisernte. Lange hat es danach nicht ausgesehen. Doch der Regen hat dem Mais zuletzt gut getan im Wachstum und bei Kolbenbildung. Auf 500 Hektar hat die Agrargenossenschaft Stölln Mais angebaut. Im Herbst wird der Mais kleingehäckselt und in Silos eingelagert – als Futter für die Tiere.

Kandidaten-Besuch

Bei vollen Silos würde die AG dann noch gerne von einigen Flächen Körnermais ernten. Zufrieden ist der Geschäftsführer mit der bisherigen Gras- und Heuernte. Rund 600 000 bis 700 000 Euro müsste die Marktfruchternte einbringen damit am Jahresende das Betriebsergebnis stimmt, erklärte der Geschäftsführer dem Chef der brandenburgischen Staatskanzlei und SPD-Unterbezirksvorsitzenden Martin Gorholt (SPD) bei einem Besuch am Mittwoch.

Voraussichtlich ein Defizit

Begleitet wurde Gorholt dabei von den sozialdemokratischen Landtagsdirektkandidaten für die Wahlkreise 4 und 5, Katja Poschmann und Johannes Funke, der auch Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Havelland ist. Den Erlös werde man mit den sich abzeichnenden Getreideerträgen nicht erreichen, erklärte Ebert weiter.

Die Agrargenossenschaft Stölln  steckt derzeit mitten in der Roggenernte. Quelle: Norbert Stein

Die Agrargenossenschaft werde damit voraussichtlich auch 2019, wie schon die Jahre zuvor, mit einem finanziellen Negativergebnis im sechsstelligen Bereich abschließen. Wie der Stöllner Genossenschaft ergeht es vielen Landwirtschaftsbetrieben.

Viele Probleme

Begonnen haben die Probleme 2014 mit der Milchkrise. 2018 bescherte die Dürre den Landwirten ein Katastrophenjahr. Der Milchpreis hat sich zwar etwas erholt, ist für die AG Stölln mit 34 Cent je Liter aber immer noch nicht kostendeckend. Detlef Ebert rechnet mit keiner wesentlichen Preisverbesserung.

1600 Rinder

„Darauf muss man sich einstellen“, sagt er. Allein rund 50 Prozent des Erlöses aus der Milch muss die Agrargenossenschaft für Futter und Personalkosten aufwenden. 2014 hatte die AG ihren Milchkuhbestand von 1050 Tieren auf 730 reduziert, nun aber wieder auf 800 aufgestockt. Insgesamt sind es 1600 Rinder.

Detlef Ebert schaut sich kritisch die Pflanzen an. Quelle: Norbert Stein

Eine Prognose, wie es in fünf oder zehn Jahren um die Produktion bestellt ist, wagt Ebert derzeit nicht. Gorholt und seine Begleitung wollten wissen, ob die Direktvermarktung nicht eine Chance für die Zukunft sein könnte – auch mit Blick auf Berlin.

Schwierige Infrastruktur

Die Agrargenossenschaft Stölln produziert derzeit täglich etwa 20 Tonnen Milch. Daraus könnten vier Tonnen Käse werden. Der Betrieb sei aus eigener Kraft nicht in der Lage, dafür die Voraussetzungen zu schaffen und die notwendigen Absatzmärkte zu erschließen, so Ebert. Dafür sei die Zusammenarbeit mit Milchverarbeitungsbetrieben und der Aufbau einer Absatzlinie unter Einbeziehung von Einkaufszentren notwendig.

Von Norbert Stein