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Havelland Alte Musikschule soll abgerissen werden
Lokales Havelland Alte Musikschule soll abgerissen werden
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18:07 01.02.2018
Kein schöner Anblick: Die alte Musikschule in der Großen Hagenstraße soll abgerissen werden.
Kein schöner Anblick: Die alte Musikschule in der Großen Hagenstraße soll abgerissen werden. Quelle: Markus Kniebeler
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Rathenow

Nach Jahren der Ungewissheit steht es nun fest: Das alte Musikschulgebäude in der Großen Hagenstraße 2b soll abgerissen werden. Das geht aus einer Ausschreibung des Landkreises hervor, dem die Liegenschaft gehört. Demnach wird ein Käufer für das knapp 2000 Quadratmeter große Grundstück gesucht.

Der Erwerb der Liegenschaft ist mit konkreten Auflagen verbunden. Der Käufer muss verbindlich zusichern, auf dem Grundstück „ein mehrgeschossiges Gebäude zu Wohnzwecken zu errichten“, wie es in der Ausschreibung heißt. Mindestens vier Wohneinheiten müssen entstehen.

Damit sind den Spekulationen über die Zukunft des Gebäudes ein Ende gesetzt. Seit dem Umzug der städtischen Musikschule in die restaurierte Schwedendammmühle im Frühjahr 2007 hat es die unterschiedlichsten Gerüchte über die Nutzung der alten Musikschule gegeben. Anfangs wurde gemunkelt, das Gebäude könne der benachbarten Förderschule Spektrum zugeschlagen werden. Dann machten vor zwei Jahren Gerüchte die Runde, der Kreis wolle das Haus zu einer Flüchtlingsunterkunft umbauen. Und zuletzt brachten Bands, die ihre Proberäume auf dem zum Verkauf stehenden Askania-Gelände haben, das Haus in der Hagenstraße als alternatives Probegelände ins Gespräch.

Die Kreisverwaltung hat keines dieser Gerüchte je bestätigt. Stattdessen wurde stets darauf verwiesen, dass man sich mit der Zukunft der Liegenschaft beschäftige. Noch im vergangenen Sommer hieß es auf Anfrage der MAZ, das man sich bemühe, das Gebäude einer anderen Nutzung zuzuführen. Doch schon damals zeichnete sich ab, dass die Chancen für eine Sanierung schwinden. Aus baufachlicher Sicht sei die Immobilie momentan nicht nutzbar, hieß es. Der Sanierungsaufwand belaufe sich auf einen 7-stelligen Betrag.

Im erwähnten Ausschreibungstext ist diese Einschätzung konkretisiert worden. „Das vorhandene Gebäude ... ist wirtschaftlich verschlissen bzw. stark überaltet und verfügt über Mängel und Schäden erheblichen Umfangs, so dass von einem erforderlichen Abriss auszugehen ist“, heißt es dort in schönstem Verwaltungsdeutsch.

Wenn man sich in musikaffinen Rathenower Kreisen umhört, trifft man auf viele Menschen, die in der Großen Hagenstraße ihr musikalisches Rüstzeug erhalten haben. Der Ruf der damals städtischen Einrichtung war ausgesprochen gut. Neben dem allgemeinen Angebot hatte die Begabtenförderung einen hohen Stellenwert. Etliche Schüler von damals haben heute beruflich mit Musik zu tun.

Dabei ist das Haus gar nicht so alt, wie man denken mag. 1977 wurde es eingeweiht. Das Besondere war, dass das Gebäude auf die Bedürfnisse einer Musikschule hin konzipiert worden war. Allerdings hatte man sich damals bei der Einschätzung des Bedarfs verkalkuliert. In dem für 250 Musikschüler ausgelegten Gebäude wurden zu Hochzeiten rund 500 Kinder und Jugendliche unterrichtet. Als dann Ende 2003 auch noch das Haus der Jugend in der Hagenstraße untergebracht werden musste, platzte das Gebäude aus allen Nähten. Der „wirtschaftliche Verschleiß“, von dem in der Ausschreibung die Rede ist, setzte schon in Zeiten ein, als die Schule noch belegt war.

Interessenten an der Liegenschaft sind aufgerufen, ihre Angebote bis zum 28. Februar einzureichen. Eine Garantie dafür, dass sich auf dem Grundstück danach etwas tut, ist dies nicht. „Es wird darauf hingewiesen, dass es sich um eine Aufforderung zur Abgabe von Angeboten handelt“, heißt in der Ausschreibung. Und weiter:„Der Landkreis ist nicht zum Verkauf des Grundstücks verpflichtet.“

Von Markus Kniebeler