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Havelland Amateurtheater vom Feinsten
Lokales Havelland Amateurtheater vom Feinsten
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18:41 13.05.2018
Die Wortgießer aus  Schöneiche spielten „Das ganz normale Programm“ im Theatersaal des Kulturzentrums.
Die Wortgießer aus Schöneiche spielten „Das ganz normale Programm“ im Theatersaal des Kulturzentrums. Quelle: Uwe Hoffmann
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Havelland

So viel Theater war selten: Zum ersten Mal organisierte der Brandenburgische Amateurtheaterverband (BATV) seine seit 1991 alle zwei Jahre stattfindenden Brandenburgischen Amateurtheatertage im Havelland. Von Donnerstag bis Sonntag war „Zeitlos“ Rathenow Gastgeber. Sieben Amateurtheatergruppen spielten ihre Stücke jeweils vor ihren Schauspielkollegen als kritische Zuschauer.

Sieben Laienschauspielgruppen aus der Mark haben Theater ins Havelland gebracht. Die 18. Brandenburgischen Amateurtheatertage mit Aufführungen in Milow und Rathenow boten ein Programm voller Abwechslung und Überraschungen.

Auf einem Ausflug am Herrentag mit der „MS Havelland“ von Milow, wo die Gäste in der Jugendherberge „Carl Bolle“ untergebracht waren, nach Rathenow lernten die Teilnehmer das Westhavelland vom Wasser aus kennen, Besuch der Sankt-Marien-Andreas-Kirche mit Führung durch Heinz-Walter Knackmuß im Bischofsgewand inklusive.

Ein unkonventioneller Shakespeare in der Jugendherberge

Zum Auftakt zeigte das Jugendensemble des Theaters „Stolperdraht“ aus Schwedt in der Jugendherberge Milow das Stück „Shakespeares Greatest Hits“. Die jugendlich moderne und erfrischend unkonventionelle Herangehensweise sorgte für viel kurzweilige Unterhaltung. „Stolperdraht“ spielt schon seit 1967 und wurde 1990 als Verein gegründet. Ein Kinder-, ein Jugend- und ein Erwachsenenensemble bilden den rund 80-köpfigen Verein. „Im ‚Gestiefelten Kater’ habe ich vor acht Jahren im Kinderensemble begonnen. Es ist ein tolles Hobby. Seit sieben Jahren tanze ich auch in unserer Tanzgruppe“, erzählt die 20-jährige Charleen Vitow. „Von den Profis der Uckermärkischen Bühnen unserer Stadt erhalten wir immer wieder Unterstützung. So führt Uwe Schmiedel bei unseren Stücken Regie.“

Boulevard, Performance, Improvisation

Am Freitag folgten vier Aufführungen im Theatersaal und Blauen Saal des Kulturzentrums. Für Abwechslung war gesorgt: von ernst bis Boulevard, von klassischem Märchen über Performance bis zu Improvisation. Gastgeber „Zeitlos“ spielte sein letztes Weihnachtsmärchen, „Frau Holle“.

Die Rathenower Gastgeber, das Theater Zeitlos, spielte Frau Holle. Quelle: Uwe Hoffmann

„Zum ersten Mal“ hieß es mit dem „Playback Theater“ Potsdam, das auch erstmals an den Theatertagen teilnahmen. „Unser Bühnenkonzept entwickelten 1975 die Amerikaner Jonathan Fox und Joe Salers“, erzählen Vereinsgründer Ines Materne und Reinhard Strenze. „Wir lassen uns aus dem Publikum ihre besonderen Momente erzählen, die wir dann – von wenigen Sekunden bis zu mehreren Minuten – improvisieren.“

Mitreißende Aufführung aus dem polnischen Gryfino

„Und das auch noch ...“ mit den Gästen „6 und HALB“ aus dem polnischen Gryfino, südlich von Stettin, bot eine intensive Performance, die man auch ohne die Übersetzung des polnisches Textes verstand. Das Stück basierte auf Texten der fünf jungen Frauen und Bühnenimprovisationen. Am Abend spielten „Die Wortgießer“ aus Schöneiche bei Berlin „Das normale Programm“. Hauptdarstellerin Elke des sehr unterhaltsamen Boulevardstücks wurde von ihrem Ehemann verlassen. Es entwickelt sich eine Komödie mit heiklen Verwicklungen.

Gruppenbild mit falschem Bischof: Die Laienschauspieler besichtigten die Sankt-Marien-Andreas-Kirche. Quelle: Uwe Hoffmann

Am Samstag brachte das Jugendtheater „Strumpfhose“ aus Bad Belzig einen Kinoklassiker auf die Bühne. Das Stück „Olsenbande junior … Wie alles begann“ gab die unterhaltsame Antwort darauf, wie Egon, Benny und Kjeld zu dem bekanntesten Film-Ganoventrio für mehrere Generationen wurde. „Machos auf Eis“ brachte die „Theater Company“ Peitz auf die Bühne. Ein Stück um den Aufreißer und Frauenversteher Oliver.

Dank an die havelländischen Gastgeber

„Die Vielfalt der Schauspielformen kennenzulernen und sich auszutauschen war toll“, so Andreas Gensicke von „Zeitlos“. „Die drei Tage boten den Theatergruppen einen fruchtbaren Austausch und waren so sehr erfolgreich für uns“, zog Frank Grünert, Vorsitzender des brandenburgischen Amateurtheaterverbandes, sein Fazit. „Wir wurden herzlich in Rathenow empfangen und in der Jugendherberge hier Milow gut untergebracht. ‚Zeitlos’ war ein unkomplizierter Gastgeber.“ Die Amateurtheatertage 2019 werden in Potsdam stattfinden.

Von Uwe Hoffmann