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Havelland Andreas Ernst verlässt die Kreisverwaltung
Lokales Havelland Andreas Ernst verlässt die Kreisverwaltung
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18:35 10.01.2017
Andreas Ernst(2.v.li) im Kreis seiner neuen Arbeitgeber.
Andreas Ernst(2.v.li) im Kreis seiner neuen Arbeitgeber. Quelle: Marion Bergsdorf
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Havelland

Die Nachricht kam nicht für alle überraschend. Als der Landkreis Oberhavel am Montagabend über seine Pressestelle bekanntgab, dass der neue Geschäftsführer der Gesellschaft für Wirtschaft-, Innovations- und Tourismusförderung Andreas Ernst aus dem Havelland wird, hatten bereits einige führende Mitarbeiter damit gerechnet, dass Ernst den Landkreis Havelland verlässt.

Ernst führt im Havelland ein großes Ressort: Sport, Tourismus, Kultur, alle Kreisunternehmen sowie die Kreisentwicklung und die Finanzen. Der Sozialdemokrat hat wahrlich genug zu erledigen. Jeder Haushaltsplan geht über seinen Schreibtisch. Andreas Ernst, der in der Mannschaft von Landrat Lewandowski noch so etwas wie der zweite Offizier ist, verlässt das Rathenower Kreishaus ohne Groll, wie es aus seinem Umfeld heißt. Im Detail will Ernst bei einer Pressekonferenz die Gründe benennen. Die gibt er aber nicht offiziell im Kreishaus sondern ganz privat in einem Nauener Café.

Ein Zeichen, dass doch nicht mehr alles so harmonisch war? Das will Landrat Roger Lewandowski so nicht bestätigen: „Ich bedauere es sehr, dass Andreas Ernst die Kreisverwaltung verlässt. Als Dezernent und vor allem als Mensch schätze ich ihn sehr. In seiner Amtszeit als Dezernent für Wirtschaft, Kultur und Finanzen hat er das Havelland entscheidend mitgestaltet und positiv geprägt.“ Lewandowski sagt, er hätte sich gewünscht, dass Ernst dem Landkreis erhalten geblieben wäre. „Ich bin mir aber sicher, dass er dem Havelland verbunden bleibt.“

Wo immer man in der Rathenower Kreisverwaltung hinhörte – von Differenzen mit dem Landrat oder anderen Dezernenten war nicht die Rede. Und so gerät ein anderes Spannungsfeld in den Mittelpunkt. Ernst ist ein ausgewiesener Verwaltungsfachmann und als solcher war er immer für höhere Aufgaben im Gespräch. Bei der Nominierung eines Landratskandidaten spielte seine Personalie aber gar keine Rolle. Und als viele Beobachter der Kreispolitik erwarteten, dass sich Ernst um die Position des Ersten Beigeordneten bemüht, musste er sich wieder hinten anstellen. „Er ist keine Frau und zu wirtschaftsfreundlich“, hieß es hinter vorgehaltener Hand in den Reihen der SPD Havelland.

Und so kam es, dass Ernst durchaus den Eindruck hinterließ, nicht mehr mit voller Freude bei der Sache zu sein. Zum 1. März wechselt er nun zu der Wirtschaftsfördergesellschaft nach Oberhavel. Ein echter Aufstieg sieht allerdings anders aus, sagen Beobachter. Bei einer Pressekonferenz, zu der er in Oberhavel vorgestellt wurde, erklärt Ernst das anders: „Die privatrechtliche Struktur einer Gesellschaft halte ich für die Wirtschaftsförderung geeigneter. Ohne das Korsett des öffentlichen Dienstes kann man leichter handeln.“ Ihn reize das in Oberhavel gestartete Kooperationsvorhaben zur Schaffung eines Life-Science-Clusters in Hennigsdorf. Als weitere große Aufgabe bezeichnete er die Versorgung des Landkreises mit schnellerem Internet mit Hilfe der Breitbandtechnik.

Ludger Weskamp, Landrat in Oberhavel, freut sich hingegen: Andreas Ernst hat langjährige Erfahrung und kennt sich in kommunalen Strukturen bestens aus. Seine Expertise passt ausgezeichnet zu Oberhavel.“

Im Havelland sind nun schnelle Personalentscheidungen nötig. Das Wirtschafts- und Finanzdezernat darf nicht zu lange unbesetzt bleiben. Ein Satz von Landrat Roger Lewandowski lässt allerdings den Schluss zu, dass nun vielleicht doch die Dezernatsstruktur in der havelländischen Kreisverwaltung umgebaut wird: „Eine Nachbesetzung ist derzeit noch nicht geklärt. Bislang prüfen wir mögliche Varianten.“ Ursprünglich wollte Lewandowski auf einen Umbau der Dezernate verzichten.

Von Joachim Wilisch