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Havelland Aufgepäppelt und ausgewildert: Entenzuwachs im Optikpark
Lokales Havelland Aufgepäppelt und ausgewildert: Entenzuwachs im Optikpark
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19:04 23.08.2019
Kurz, nachdem sie aus dem Käfig genommen wurden, sausen die Jungenten über das Wasser. Quelle: Joachim Wilisch
Rathenow

Judith Karpati kennt sich mit Tieren aus. Vor allem mit solchen, denen es lange schlecht erging. Die rettet sie. Sie holt sie aus ihrem Elend und gibt den Zwei- und Vierbeinern ein neues Zuhause. „Ich habe so ein großes Herz“, sagt sie. „Tiere leiden sehen, das kann ich gar nicht.“

Die Tierfamilie im Optikpark hat wieder einmal Zuwachs bekommen. Vier Stockenten gehören nun dazu. Sie sind noch jung, echte Grünschnäbel. Judith Karpati hat sie aufgepäppelt. Und nun erlebten die vier Tiere erstmals die Optikpark-Wasserwelt.

Judith Karpati hat Platz. Sie kommt aus Wusterwitz. „Mein kleiner Bauernhof ist ideal, da kann ich Tieren helfen – in dem kleinen Rahmen, in dem es mir möglich ist.“ Denn von Tierrettung kann die Justizvollzugsangestellte nicht leben.

Die Expertin

Inzwischen ist Judith Karpati Entenexpertin. „Am 21. Juni wurden mir fünf Stockenten-Küken gebracht“, erinnert sie sich. Gerade mal ein paar Tage alt. Die Mutter war nicht mehr da, wie Tiere wären verhungert. „Judith Karpati nahm die Tiere an und ließ sich auf das Abenteuer Entenaufzucht ein. „Ich wusste ja gar nichts über diese Tiere, wie und von was sie leben und was man da macht.“

Judith Karpati setzt die Tiere unter der Weinbergbrücke auf den Havelaltarm. Quelle: Joachim Wilisch

Also musste Hilfe her. „Ich habe viel herumtelefoniert. Bei der staatlichen Vogelschutzwarte, im Tierheim und noch anderswo. Aber niemand konnte mir konkret sagen, was zu tun ist“, sagt Judith Karpati. Immerhin kommt sie bei ihrer Fragerunde an die Notkleintierhilfe in Brieselang. „Das ist ein Gnadenhof zur Kleintierrettung“, weiß Judith Karpati nun. Und hier konnte man der jungen Frau helfen. „Ich wollte die Küken unbedingt über den Berg bringen“, sagt die Frau.

Das Abenteuer

Eines der fünf Küken hat es nicht geschafft. „Es ist gleich am Anfang verendet“, sagt die Wusterwitzerin. Mit den vier verbliebenen Tieren begann ein kleines Abenteuer. Wer weiß schon, dass Jungenten Fleischfresser sind. Also mussten die Mahlzeiten gut zubereitet werden. Maden, Würmer, später Schnecken. Dazu Gras und anderes Grünzeug – und Kraftfutter.

Bloß kein Stress

In einem alten Hasenkäfig hatten die Küken genügend Auslauf. Wasser gab es in einem aufblasbaren Kinderschwimmbassin. Judith Karpati lernte, dass Jungenten hochempfindliche Tiere sind. „Man sollte sie nicht zu lange Stresssituationen aussetzen.

Im Transportkäfig auf dem Optikpark-Floß. Quelle: Joachim Wilisch

Innerhalb von zwei Monaten wuchsen die Jungenten auf. Sie wurden größer und schnell stand fest, sie müssen nun ausgewildert werden. Aber wo? „Man muss auch da viel beachten, sie dürfen nicht direkt in andere Entengruppen ausgewildert werden“, sagt Judith Karpati.

Tour mit Matze

Ihre Schwester wusste Rat. Sie wohnt in Rathenow. „Warum probieren wir es nicht im Optikpark“, riet sie Judith Karpati. „Da gibt es Enten und es gibt für die Auswilderung ruhige Plätze.“ Und hier kommt Matze ins Spiel. Matze ist Flößer im Optikpark. Seit zwölf Jahren schon. Als Judith Karpati mit ihrer Schwester eine Floßtour auf dem Havelaltarm macht, um zu sehen, wie das Gelände für ihre Enten passt, wird Matze auf das Anliegen aufmerksam. „Von da an habe ich Judith öfter über den Havelaltarm gefahren“, sagt Matze.

Der richtige Ort

Das Abenteuer Auswilderung begann am Freitag. Mit dem Auto wurden die vier Enten gebracht. Vorsichtig trugen Judith Karpati und ihre Schwester die Tiere zu Matzes Floß. Klar, die Auswilderung wollte er sich nicht entgehen lassen. Auch Kathrin Fredrich, Geschäftsführerin im Optikpark und die Sprecherin des Parkt, Katja Brunow, waren dabei. Unter der Weinbergbrücke war der richtige Ort gefunden.

Die Tiere fanden sich schnell zurecht. Quelle: Joachim Wilisch

Mit raschen Flügelschlägen sausten die vier Jungtiere auf den Altarm. Die beiden Weibchen verkrochen sich ins Dickicht, die Männchen drehten schon mal frech ihre ersten Runden. Judith Karpati hatte noch Futter am Ufer platziert, damit die Nahrungssuche am ersten Tag nicht so schwer fällt.

An- ein Eingewöhnung

Es wird nun etwas dauern, dann werden die aufgepäppelten Enten auf ihre Artgenossen treffen. Langsame An- und Eingewöhnung sind das A und O.

Mit viel Liebe groß gezogen

Junge Stockenten brauchen vor allem Wärme. Judith Karpati hat das mit einer Wärmeplatte hinbekommen, unter die die vier Küken gekrochen sind.

Die Notkleintierhilfe in Brieselang weiß, was zu tun ist, wenn man verwaiste Entenküken findet. Der Verein betreibt einen Gnadenhof und ist im Ahornweg 18 in Brieselang zu finden.

Die Tierretter wissen auch, was bei anderen Tieren, die man verwaist oder in Not antrifft, machen muss. Kontakt: info@notkleintiere.de; Internet: www.notkleintiere.de, Telefon 01623-177177 oder 01628-510151.

Im Optikpark findet man die Enten auf dem Havelaltarm aber auch am Karpfenteich und den anderen Gewässern. Bei einer Floßfahrt mit Flößer Matze bekommt man bestimmt die Geschichte von der wundersamen Entenrettung erzählt.

Zurück am Weißen Café ist Judith Karpati ein bisschen traurig. „Das war in den vergangenen Tagen alles so spannend. Man will ja nichts falsch machen und das kann gerade bei der Auswilderung passieren.“ Und ein wenig ans Herz gewachsen sind ihr die vier Jungenten schließlich auch.

Frohe Chefin

Optikparkchefin Kathrin Fredrich freut sich. „Das ist doch eine tolle Sache und es passt perfekt in unseren Park.“ Judith Karpati beschloss derweil, gleich mal auf die Weinbergbrücke zu gehen. Von oben kann sie ihre Enten beobachten. Irgendwann wird man sie schwer von den anderen unterscheiden. „Egal, ich komme immer wieder“, verspricht sie.

Der idyllische Havelaltarm. Quelle: Joachim Wilisch

Gut möglich, dass diese Jungenten nicht die letzten Entenküken waren, die Judith Karpati aufgepäppelt hat. Jetzt weiß sie, wie es geht. Wenn also wieder einmal verwaiste Jungtiere bei ihr vor der Türe sitzen, dann ist es für die Entenretterin eine Frage der Ehre, die Kleinen aufzuziehen. „Es ist merkwürdig, dass Enten ihre Eier oft an Stellen ausbrüten, wo die Jungtiere nicht mehr wegkommen“, sagt sie. Gerade in Städten passiere das immer wieder.

Noch einmal?

Und vielleicht hat der Optikpark dann auch wieder Platz für Entennachwuchs.

Von Joachim Wilisch

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