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Havelland Aufsicht am Nymphensee nicht gewährleistet
Lokales Havelland Aufsicht am Nymphensee nicht gewährleistet
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08:00 18.07.2014
Frisch gestrichen, aber wenig genutzt: der Wachturm auf dem Gelände des Strandbads Nymphensee. Quelle: Jana Einecke
Brieselang

Am Sonntagabend dachte Brigitte Paasche, sie sei im falschen Film. Sie glitt gerade ins Wasser des Nymphensees, als sie auf dem See eine Frau sah, die mit geschlossenen Augen auf der Seite schwamm. Brigitte Paasche wunderte sich – so hatte sie noch nie jemanden schwimmen sehen.

„Dann kamen die Beine und Arme der Frau hoch, sie kämpfte mit dem Wasser“, erinnert sich die Brieselangerin. Sie begriff: Die Situation ist ernst. Die Frau braucht Hilfe – sonst ertrinkt sie womöglich. „Ich habe so laut geschrien wie noch nie in meinem Leben“, sagt Brigitte Paasche.

Die Sache ging gut aus: Ein 15-jähriger, der mit der Frau hinausgeschwommen war, schleppte die Geschwächte mit Hilfe weiterer Badegäste ans Ufer. Ein Arzt stellte dort einen Schwächeanfall fest. „Ich habe noch jemanden am Imbiss gefragt, ob es einen Rettungsschwimmer am Nymphensee gibt“, erinnert sich die 74-jährige am MAZ-Sorgentelefon. „Man sagte mir: ’Nee, leider nicht.’ – Wie kann das sein?“

Zuständig für die Sicherheit im Bad ist eigentlich der Betreiber. Wenn eine Badestelle eingezäunt ist und Eintritt verlangt wird, besteht für ihn die Verkehrssicherungspflicht. Das heißt, er muss einen Rettungsschwimmer einsetzen, der aufpasst, dass den Gästen beim Baden nichts passiert. Nachzulesen ist das unter anderem in einer Richtlinie des Bundesfachverbands für Öffentliche Bäder. „Wenn der Betreiber keine Wasseraufsicht beschäftigt und jemand kommt zu Schaden, dann wird er in Regress genommen, das ist ganz klar“, sagt Joachim Heuser, Sprecher der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen.

Den Betrieb des Bades am Brieselanger Nymphensee hat erst im Frühling ein neues Pächterehepaar übernommen. Bei den Vertragsgesprächen mit der Gemeinde sei auch über Rettungsschwimmer gesprochen worden, sagt die in der Brieselanger Verwaltung zuständige Fachbereichsleiterin Kathleen Liermann. Woher die kommen sollen, sei bei Vertragsabschluss jedoch noch nicht abschließend festgeklopft gewesen. „Die Betreiber sagten uns, sie stehen mit der DLRG in Verhandlungen“, so Kathleen Liermann.

Das bestätigt Strandbadbetreiberin Kristina Lüthgens. Man habe mit der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft „eine Vereinbarung, dass die Aufsicht während der Ferienzeit gewährleistet ist“, sagt sie. „Sie sind bemüht, den See abzusichern, wie sie Personal zur Verfügung haben.“ Einen festen Rettungsschwimmer haben die Betreiber nicht. Dass deshalb nicht ständig eine Badeaufsicht vor Ort ist, ist für Kristina Lüthgens offenbar kein Problem. Ihrer Ansicht nach habe sie nicht die Pflicht, einen Rettungsschwimmer einzustellen. Im Eintrittsgeld sei „der Bademeister nicht inkludiert“. Der Nymphensee könne im Übrigen nicht so überwacht werden, wie es manche wünschen: „Er ist sehr unübersichtlich.“

Auch aus personellen Gründen könne die DLRG den Nymphensee derzeit nicht kontinuierlich bewachen, sagt der Kreisverbandsvorsitzende Nils Jungius. Der Stützpunkt Brieselang befinde sich noch im Aufbau. „Wir sind bemüht, bei besonderem Bedarf immer jemanden dort abzustellen. Wenn Schulklassen kommen oder Gruppen aus Ferienlagern, dann sind wir da.“ Sofort dauerhaft einen Betrieb sicherzustellen, sei schwierig. „Wir sind alles Ehrenamtliche.“ Eine schriftliche Vereinbarung zwischen ihm und den Betreibern des Strandbads gebe es bislang nicht. „Ich habe nichts unterschrieben“, so Jungius.

Die Deutsche lebensrettungsgesellschaft

Die DLRG (Deutsche Lebensrettungsgesellschaft) wurde 1913 gegründet und gilt als die größte freiwillige Wasserrettungsorganisation weltweit. Sie ist ein gemeinnütziger Verein.
Menschen vor dem Ertrinken zu bewahren und ihnen das Schwimmen beizubringen, sind die Hauptaufgaben der DLRG.

Im Osthavelland hat die DLRG nach eigenen Angaben zwischen 150 und 170 Mitglieder. Gegründet würde der Kreisverband im Juli 2000 in Brieselang.
Mehr als 80 Prozent der Todesfälle durch Ertrinken werden an unbewachten Badestellen im Binnenland verzeichnet.

Das wäre aber notwendig: Laut der Richtlinien des Bundesfachverbandes für Öffentliche Bäder kann ein Badbetreiber die Aufsicht nicht einfach auf Ehrenamtliche abwälzen – es sei denn, er schließt einen Vertrag. „Dann übernehmen die Ehrenamtler auch rund um die Uhr die Verantwortung“, sagt Joachim Heuser.

Die Gemeinde Brieselang will nun Gespräche führen und der Sache auf den Grund gehen. Die Frau, die am Sonntag aus dem Wasser gezogen wurde, ist indes wieder im Nymphensee gesichtet worden. Diesmal hatte sie Schwimmflügel angelegt.

Von Jana Einecke

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