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Havelland Bei Starkregen geht Grabensystem in die Knie
Lokales Havelland Bei Starkregen geht Grabensystem in die Knie
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02:20 15.04.2018
Ein Graben an der Wustermarker Allee in Brieselang Quelle: Andreas Kaatz
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Brieselang

Die vielen Kilometer Entwässerungsgräben im Gemeindegebiet haben für Brieselang seit jeher eine große Bedeutung. Erst in diesem Sommer zeigte sich wieder, was passiert, wenn sie nicht funktionieren. Bei zwei Starkregenfällen Anfang und Ende Juli kam das System nämlich an seine Grenzen. So musste im Bereich Mewes-Damm stundenlang eine Schwerlastpumpe laufen, um die Wassermassen, die die bereits gesättigten Böden nicht mehr aufnehmen und die Gräben nicht bewältigen konnten, in den Havelkanal zu transportieren. Im Bereich Sudermannstraße in Süd kam es zu Überschwemmungen.

Weil sich solche Starkregenereignisse laut Prognosen in Zukunft häufen werden, wird die Gemeinde nicht umhin kommen, sich auch für solche Fälle zu wappnen. Momentan diskutieren Abgeordnete, Verwaltung und der Grabenbeauftragte, wie das Problem in den Griff zu bekommen ist. Auch in der nächsten Sitzung des Gemeindentwicklungsausschusses im Dezember wird das Thema wieder auf die Tagesordnung kommen. Letztlich sollen Entscheidungen getroffen werden.

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Noch ist offen, wie man vorgehen will. Das sollte eigentlich aus dem Grabengutachten hervor gehen, das aber immer noch nicht vorliegt. Kürzlich musste Bürgermeister Wilhelm Garn (CDU) einräumen, dass dessen Erarbeitung nicht intensiv verfolgt worden sei. Als Grund nannte er personelle Probleme, die zuständige Mitarbeiterin ist krank. Unabhängig davon meinte Garn: „Es muss geklärt werden, was durch das Gutachten betrachtet werden soll. Ein Ziel könnte ein Regenwassermanagement für die gesamte Gemeinde sein.“ Allerdings machte er auch deutlich: „Die Gräben sind nicht zum Schutz der Keller da, sondern um das Oberflächenwasser so schnell wie möglich wegzubekommen.“ Manch Bürger sieht das anders.

Für die Pflege der Gräben ist der Wasser- und Bodenverband (WBV) zuständig. Der Bürgermeister geht davon aus, dass die Höhe der Beiträge an den WBV – rund 30 000 Euro jährlich und mehr als 15 000 Euro zusätzlich für eine zweite Mahd – in Zukunft steigen werden. Wenn es um bauliche Maßnahmen geht, ist hingegen die Gemeinde verantwortlich. Um punktuell Abhilfe zu schaffen, wird beispielsweise überlegt, das Niederschlagswasser im Nordbereich dauerhaft in den Kanal abzuleiten – wahrscheinlich mit Hilfe eines Pumpwerkes.

Auf diese Weise sollen auch die Durchlässe unter der Bahnlinie entlastet werden. Darüber hinaus will die Gemeinde künftig verstärkt gegen Parksünder vorgehen. „Die Seitenstreifen werden derzeit massiv verdichtet, weil viele Leute sie mit ihrem Auto befahren“, so Garn. Das gelte fürs gesamte Gemeindegebiet. So kann an diesen Stellen kaum noch Wasser versickern.

Kritik am Umgang mit den Gräben äußert schon seit Längerem der Grabenbeauftragte Marcel Höhne.: „Wir kriegen das Wasser nicht aus der Gemeinde zur Einleitungsstelle in den Schlaggraben. Wir reden seit Jahren, aber man muss endlich etwas tun.“ So seien viele Durchlässe und Gräben sanierungsbedürftig. Einige Durchlässe seien zudem zu hoch oder zu tief angeordnet oder haben kein ausreichendes Gefälle. „Wir benötigen eine Gesamtentwässerungskonzeption statt getrennter Betrachtung von einzelnen Straßenbauprojekten“, so Höhne.

„Versickerung kann nicht das Allheilmittel sein. Wir müssen sehen, dass wir das Wasser so schnell wie möglich wegbekommen.“ Er schlägt vor, die Arbeitsgruppe Entwässerung wieder zu reaktivieren, die dann vierteljährlich zusammen kommen soll. Laut Bauamtsleiter Uwe Gramsch seien die Gräben aber nicht die Lösung für alle Probleme.“Auch Schichtenwasser sei in einigen Bereichen ein Problem.

Noch in diesem Jahr soll mit der Sanierung des Grabens 506 von der Vorholzstraße bis Forstweg begonnen werden. In einer Mächtigkeit von einem halben Meter müssen die mit Schadstoffen belasteten Sedimente ausgebaggert und durch neuen Boden ersetzt werden.

Von Andreas Kaatz