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Havelland Berliner Welle drückt viel Wasser in die Havel
Lokales Havelland Berliner Welle drückt viel Wasser in die Havel
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16:41 26.07.2017
Weil viel Wasser im Fluss ist, strömt die Havel derzeit mit hoher Geschwindigkeit. An den Großen Archen in Rathenow, die vollständig geöffnet sind, bilden sich Wellen.
Weil viel Wasser im Fluss ist, strömt die Havel derzeit mit hoher Geschwindigkeit. An den Großen Archen in Rathenow, die vollständig geöffnet sind, bilden sich Wellen. Quelle: Bernd Geske
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Rathenow

Die Havel im Raum Rathenow strömt in diesen Tagen mit rasantem Tempo. Schon interessierte Laien erkennen auf den ersten Blick an diversen Stellen, dass viel Wasser nordwärts fließt. Das Flussbett ist voll bis zum Rand. Das alles fällt besonders auf, weil im Sommermonat Juli die Havel normalerweise eher beschaulich fließt und ihr Wasserstand in den unteren Pegelbereichen zu finden ist. Aber es hat an den letzten Tagen ja anhaltend geregnet.

„Der Regen hier trägt derzeit kaum zur Erhöhung der Wassermenge in der Havel bei“, erklärt Joachim Karp, Außenstellenleiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes Brandenburg in Rathenow. Vieles von den Niederschlägen bleibe im Boden und gelange gar nicht in den Fluss.

Die Hauptursache sei vielmehr eine regelrechte Welle, die aus Berlin flussabwärts drängt. „In der Hauptstadt gibt es riesengroße versiegelte Flächen, von denen das Regenwasser in die Havel geleitet wird“, sagt Joachim Karp. Seit Dienstag sei das Nahen der Berliner Welle zu spüren. Aus der Spree komme nichts, ein Rückstau der Elbe sei nicht vorhanden.

Joachim Karp, Leiter der Außenstelle des Wasser- und Schifffahrtsamtes in Rathenow. Quelle: Bernd Geske

Innerhalb nur eines Tages hat sich durch den beschriebenen Effekt die Durchflussmenge der Havel mehr als verdoppelt, teilt Joachim Karp mit. Sie ist von 30 bis 40 Kubikmetern pro Sekunde auf rund 100 Kubikmeter am Mittwoch gewachsen und dürfte wohl noch weiter auf 120 oder gar 140 Kubikmeter steigen. „Das ist außergewöhnlich“, betont er, „dass in so kurzer Zeit so viel Wasser mehr die Havel herunter kommt.“

Ungewöhnlich sei auch, dass es zwischen Unterpegel Rathenow und Oberpegel Grütz ein großes Gefälle von 80 Zentimetern gibt. Üblich seien unter normalen Verhältnissen zu dieser Jahreszeit zehn Zentimeter. Also fließt die Havel schnell. Paddlern oder Schwimmern, die sich gegen den Strom bewegen, kann es passieren, dass sie gar nicht vorwärts kommen oder rückwärts treiben. Flussabwärts indes kommen sie ohne eigenes Zutun heftig in Fahrt.

Eben weil so viel Wasser abgeführt werden muss, erklärt Joachim Karp, sind seit Mittwoch fast alle Stauwehre im Raum Rathenow komplett geöffnet worden. Grütz habe man am Mittwochmorgen gelegt, danach auch die Großen und die Kleinen Archen in Rathenow. Nur das Mühlenwehr bleibe zum Teil geschlossen, unter anderem um die Fließgeschwindigkeit dort im Sinne der nahen Wassersportanlagen moderat zu halten.

Es ist nun schon die dritte „Regenwasserwelle“, die innerhalb kurzer Zeit von Berlin aus talwärts rollt. Die erste hatte es Ende Juni gegeben, die zweite folgte vom 10. bis 12. Juli. Laut Wetterbericht sollen die Regenfälle nun nachlassen, so dass die dritte Welle wohl bald enden wird.

Durchflussmenge 100 Kubikmeter pro Sekunde

Die Durchflussmenge des Wassers in der Havel wuchs vom Dienstag zum Mittwoch von 30 bis 40 Kubikmeter auf 100 Kubikmeter pro Sekunde.

Erwartet werden in den nächsten Tagen noch Wassermengen von 120 bis 140 Kubikmeter pro Sekunde.

Gewachsen ist die Wassermenge innerhalb eines Tages um 60 Kubikmeter pro Sekunde. Normal wäre für die Jahreszeit ein Anwachsen von 10 Kubikmetern.

Das Gefälle zwischen Rathenow (Unterpegel) und Grütz (Oberpegel) lag am Mittwoch bei 80 Zentimetern. Normal wäre ein Unterschied von 10 Zentimetern.

Zwei große Regenwasserwellen auf der Havel, die von Berlin ausgingen, hat es in den letzten Wochen schon gegeben. Die erste am 29. und 30. Juni und die zweite vom 10. bis 12. Juli. Die dritte geht jetzt wohl zu Ende.

„Wenn der Regen aufhört, werden wir etwa eine Woche brauchen, bis die Pegelstände wieder die Werte erreicht haben, die in dieser Jahreszeit üblich sind“, sagt Joachim Karp. Positiv wirke sich in der gegenwärtigen Situation aus, dass die Elbe einen für Sommerverhältnisse normalen Wasserstand hat. Das bedeutet, dass das Havelwasser, so viel auch kommt, gut in die Elbe abfließen kann.

Man sollte dazu wissen: Bei vielen Konstellationen hatte es ein Hochwasser in der Havel gegeben, weil es zu einem Rückstau des ansteigenden Elbewassers in die Havel kam. Indes wird der Sommerstau beim Wehr Quitzöbel nahe Havelberg auf dem festgelegten Wert gehalten.

Weil die Havel derzeit „bordvoll“ ist, wie der Fachmann sagt, also gefüllt bis zum Rand, und noch mehr Wasser von Berlin herab kommt, kann es geschehen, dass das Wasser über die Ufer tritt und auf die Wiesen läuft. „Ein Hochwasser ist aber nicht zu erwarten“, sagt Joachim Karp, „da besteht keine Gefahr.“

Von Bernd Geske