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Havelland Betriebe suchen händeringend Fachkräfte
Lokales Havelland Betriebe suchen händeringend Fachkräfte
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15:38 26.02.2018
HAW-Werkstattleiter Dennis Barandat mit Kfz-Mechatroniker-Azubi Susann Schwab (20) bei der Erneuerung eines Spurstangenkopfes am Lkw.   Quelle: Tanja M. Marotzke
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Havelland

 Ein bis zwei Ausbildungsstellen für den Kfz-Mechatroniker Nutzfahrzeuge bietet die Havelländische Abfallwirtschaftsgesellschaft (HAW) jedes Jahr an. „Wir haben aber seit geraumer Zeit Probleme, die Lehrstellen zu besetzen. Es wird immer schwieriger“, sagt Werkstattleiter Dennis Barandat. Denn in Mathe und Physik sollten die Bewerber mindestens eine 3 haben, aber vor allem auch Interesse für den Beruf mitbringen. „Sonst hat es gar keinen Sinn“, sagt Barandat, der fürs nächste Ausbildungsjahr noch Bewerber sucht.

Wie der HAW geht es vielen anderen Betrieben auch. Das sagte am Dienstag Kreishandwerksmeister Michael Ziesecke. „Die Nachwuchssorgen blieben auch 2017 das bestimmende Thema. Die Zahl der Auszubildenden im Handwerk reicht bei weitem nicht aus, um den bestehenden Fachkräftebedarf abzudecken“, sagte er. So müssten einige Betriebe noch lernen, „wie man in geeigneter Form für Nachwuchs wirbt, denn es reicht schon lange nicht mehr, nur auf Bewerbungen zu warten“. Ohne ein lukratives Angebot werde kein guter Bewerber vorsprechen. Das Aufzeigen von Chancen und Entwicklungsmöglichkeiten aufzuzeigen ist das eine. Wenn es darum geht, Azubis oder Fachkräfte zu werben oder zu halten, greifen Betriebe heute in Einzelfällen sogar auf materielle Anreize zurück. Beispielsweise wird ein Tablet in Aussicht gestellt oder aber die Fahrerlaubnis bezahlt.

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Allerdings sieht Ziesecke beim Thema Ausbildung auch die Politik in der Pflicht und speziell die Landesregierung. „Die im Rahmen der Berufsorientierung durchgeführten Aktivitäten dürfen nicht nur den Schulen überlassen werden, da die Schulen diese Aufgabe sehr unterschiedlich wahrnehmen und ihre Möglichkeiten ohne gesetzliche Grundlage beschränkt sind.“

Kritisch wird zudem der Aufruf der Politik gesehen, auch Schülern mit sehr schlechten Leistungen, die den Anforderungen nicht gerecht werden, eine Chance zu geben. „Was hat der junge Mensch davon, wenn er nach harten 4,5 Jahren Ausbildung und drei nicht bestandenen Prüfungen ohne jeglichen Abschluss da steht?“, fragt Ziesecke. René Haase aus der Kfz-Innung meint: „Es kann nicht sein, dass wir die Anforderungen herunter schrauben. Es geht heutzutage um hochkomplexe Fahrzeugsysteme.“

Stattdessen müssten laut Ziesecke Schüler mit guten Noten fürs Handwerk begeistert werden. Er hofft dabei auch auf Bachelorstudenten, von denen jeder dritte das Studium abbricht. „Vier von zehn Abbrechern beginnen dann eine Ausbildung, warum nicht im Handwerk?“ Für den Kreishandwerksmeister ist diese Abbrecherquote das Ergebnis eines „fragwürdigen Karriereziels“, das Eltern ihrem Nachwuchs vorgeben: Erst einmal das Abitur und dann studieren.

Für Tischlermeister Dirk Neumann müsse es in der Berufsorientierung Veränderungen geben. „Im Handwerk ist das Praktikum das A und O.“ Da zeige sich schon handwerkliches Geschick und Sozialkompetenz. Doch am Ende der 10. Klasse – wie jetzt üblich – mache das Praktikum keinen Sinn mehr, eher im Februar. Er kritisiert zudem die finanziellen Kürzungen beim Handwerkerzentrum in Götz.

Der Kreishandwerksmeister hatte aber am Donnerstag auch gute Nachrichten zu verkünden: „Das havelländische Handwerk konnte sich 2017 nicht beklagen.“ Die Auftragslage sei gut gewesen. Wegen des Fachkräftemangels musste der eine oder andere Auftrag sogar abgelehnt werden. Teilweise kam es zu langen Wartezeiten, was zu Unmut bei den Kunden führte. 2018 sieht es bei den Betrieben ebenfalls gut aus. „Die Aussichten sind erst einmal hervorragend. Die Auftragslage wird positiv bewertet und so manches Unternehmen ist schon fürs erste Quartal ausgebucht“, sagt Ziesecke. Es werde für dieses Jahr mit einem Umsatzplus von gut zwei Prozent gerechnet.

Zunehmend gibt es aber Probleme, Nachfolger für Betriebe zu finden. Aus diesem Grund rufen die Kreishandwerkschaft, die Sparkasse, die IHK und der Landkreis ein Forum zur Unternehmensnachfolge ins Leben, das im März das erste Mal stattfindet. Dort sollen Unternehmer, die älter als 55 oder 60 Jahre sind, mit jungen Leuten, die den Meisterbrief in der Tasche haben, zusammengebracht werden.

Von Andreas Kaatz

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