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Havelland Bewegung ist das A und O für Herzpatienten
Lokales Havelland Bewegung ist das A und O für Herzpatienten
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12:14 22.02.2018
Martin Stockburger und Physiotherapeutin Christine Böhm-Rautenberg zeigen eine der Bewegungsmöglichkeiten für Herzpatienten. Quelle: Andreas Kaatz
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Nauen

„Damals hatte ich Angst, körperlich etwas zu tun. Es war, als wenn auf mir eine Betonplatte liegt, die ich nicht schaffe wegzustoßen“, erinnert sich Erhard Below an die Zeit vor einem Jahr, als er herzkrank wurde. Mittlerweile geht es ihm deutlich besser. Ein Grund dafür ist die Herzsportgruppe in Nauen. Die holte ihn aus seinem Tief heraus, gab ihm Selbstvertrauen. Jetzt ist er sogar stellvertretender Vorsitzender des Trend- und Gesundheitssportvereins (TGV) – Träger des Herzsports. „Ich fühle mich wohl, auch weil ich es dort mit Menschen zu tun habe, die ebenfalls etwas mit dem Herzen haben.“

Betreut werden die beiden von den Krankenkassen geförderten Herzsportgruppen von Sportärztin Ursula Schyma-Dannenberg. Sie kann bestätigen, dass die psychische Komponente in den Gruppen eine wichtige Rolle bei der Genesung spielt – neben Bewegung oder der Ernährungsberatung. „In der Gruppe findet ein Austausch statt, anfangs sind viele der Patienten doch sehr ängstlich“, sagt sie und weist darauf hin, dass die Änderung des Lebensstils wichtig sei. Sonst führten Risikofaktoren wie Rauchen, Übergewicht oder Diabetes schnell dazu, dass weitere Krankheiten hinzu kommen. Und wichtig sei natürlich die Bewegung. „Laut Studien reduzieren körperliche Aktivitäten das Risiko von tödlich verlaufenden Herzkrankheiten um 40 Prozent.“

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Aus dem Grunde wird das Angebot des Herzsports auch ausgeweitet. Zu der neben den beiden Herzsportgruppen bestehenden Gesundheitssportgruppe – ohne Förderung durch die Kassen – soll nun eine weitere hinzu kommen, die donnerstags in der Turnhalle des Da-Vinci-Campus’ in der Straße zu den Luchbergen 25 stattfinden wird.

Der Herzsport erfolgt in Zusammenarbeit mit den Havelland Kliniken. Für Martin Stockburger, Chefarzt der Medizinischen Klinik mit dem Schwerpunkt Kardiologie, ist sicher, dass die Bedeutung von Bewegung für Herzpatienten aber auch als Vorsorge künftig steigen wird. „Die absoluten Zahlen bei Herzerkrankungen werden stark zunehmen“, meint er. Jetzt kommen die geburtenstarken Jahrgänge in das Alter, in denen das Risiko eines Infarkts oder Schlaganfalls deutlich zunimmt. Dass Brandenburg und andere ostdeutsche Flächenländer im Vergleich zu westdeutschen Ländern eine recht hohe Herzinfarktsterblichkeit haben, hänge damit zusammen, dass die Menschen die Symptome wie Druck hinterm Brustbein oder Atemnot nicht richtig deuten und zu spät den Rettungswagen rufen. „Da ist an Aufklärung noch viel zu tun“, sagt er. Etwa 400 Herzinfarkte werden jährlich im Havelland behandelt.

Anmeldung für den Herzsport ist möglich unter 0170/4 18 07 21 oder 033234/6 02 00.

Von Andreas Kaatz