Brieselang: Alternativer Standort für künftige Gesamtschule scheint gefunden
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Brieselang Überraschung: Alternativer Standort für künftige Gesamtschule scheint gefunden
Lokales Havelland Brieselang Überraschung: Alternativer Standort für künftige Gesamtschule scheint gefunden
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15:14 22.05.2020
Noch ist unklar, was aus dem derzeitigen Gebäude der Hans-Klakow-Oberschule Brieselang wird. Quelle: privat
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Brieselang

Damit hatten selbst die langjährigen Brieselanger Gemeindevertreter Christian Archilles (BFB) und Norbert Jütterschenke (SPD) nicht gerechnet, zumal die neuen Unterlagen erst rund 24 Stunden zuvor im Ratsinformationssystem Brieselang aufgetaucht sind.

Wie aus dem Nichts hat die Gemeindeverwaltung Brieselang einen alternativen Standort für den Neubau der Brieselanger Gesamtschule hervorgezaubert: Die könnte auf dem Grundstück mit dem Sportplatz des SV Grün-Weiß Brieselang entstehen. Das sei eine positive Alternative zum bisher geplanten Standort auf dem Grundstück mit der Robinson-Grundschule und der Klakow-Oberschule Brieselang, sagte Bauamtsleiter Uwe Gramsch Mittwochabend in der Sitzung des Hauptausschusses.

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Nördlich des Sportplatzes könnte das Gesamtschulensemble entstehen. Quelle: Jens Wegener

Zahlen und Fakten sollen ermittelt werden

Die Überraschung war groß – in allen politischen Lagern – weil die Planungen für eine Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe seit drei Jahren laufen und bisher offenbar kein Alternativstandort möglich schien. Ralf Heimann (Freie Wähler), der erst seit wenigen Monaten Bürgermeister ist, lobte die Arbeit der Bauverwaltung und erklärte: „Dass wir das so kurzfristig vorlegen konnten, liegt daran, dass einerseits viele Gespräche mit Eigentümern und Beteiligten geführt werden mussten und das die Bauverwaltung mit vielen anderen Aufgaben betraut ist.“ Aus seiner Sicht ist es ein Erfolg, diese alternative Möglichkeit nun gefunden zu haben, weil damit es eine Entzerrung von Grundschule und künftiger Gesamtschule geben könnte. Aber sowohl der Bürgermeister als auch der Bauamtsleiter betonten, dass der neue Standort bisher nur eine Idee sei, die machbar, aber noch nicht mit Zahlen und Fakten unterlegt sei.

Studie kostet rund 30000 Euro

Deshalb hat die Verwaltung für die nächste Brieselanger Gemeindevertretersitzung am kommenden Mittwoch (27. Mai) einen Beschluss vorbereitet, bei dem es um die Beauftragung einer Architekturstudie geht. „Wir möchten dafür um die Freigabe von rund 30000 Euro bitten, damit Ende der Sommers, also Ende August/Anfang September, detaillierte Erkenntnisse zur Bebaubarkeit und den Kosten vorliegen“, so Heimann. Dann könnten die Gemeindevertreter final entscheiden, welcher Standort in Frage komme.

Schule und Sporthalle werden gebraucht

Zum Hintergrund: Der Ausbau der heutigen Hans-Klakow-Oberschule zu einer Gesamtschule mit vier Zügen in der Sekundarstufe I und mindestens zwei Zügen in der Sekundarstufe II ist beschlossene Sache. Dazu hat die Gemeinde im Herbst 2019 eine Vereinbarung mit dem Landkreis Havelland unterzeichnet, der rund 6,2 Millionen Euro beisteuert. Nötig sind ein Schulneubau sowie eine neue Sporthalle. Die bisherigen Planungen gehen davon aus, dass das Schulgebäude auf dem Areal der Klakow-Oberschule und die Sporthalle auf dem Grundstück mit dem Sportplatz entstehen. Die Möglichkeit, das private Grundstück, welches zwischen beiden Gemeindegrundstücken liegt, zu erwerben, „besteht nicht, weil der Eigentümer, ein Ur-Brieslanger, nicht verkauft“, so Bürgermeister Ralf Heimann.

Weniger Beeinträchtigungen während der Bauzeit

Rein theoretisch, so Bauamtsleiter Uwe Gramsch, biete der alternative Standort viele Vorteile: „Es gebe die räumliche Trennung von Grundschülern und Oberschülern und vor allem eine weitaus geringere Beeinträchtigung des laufenden Schulbetriebes, weil die neuen Gebäude errichtet werden könnten, ohne den Betrieb in der Grundschule und der Oberschule zu stören.“

Das wäre beim bisherigen Standort anders. Dort müsste in zwei Abschnitten gebaut werden, ein Teilabriss des bisherigen Oberschulgebäudes und des sogenannten gelben Hauses (genutzt für Werken und Kochen) wären nötig. Das alles führe zu einer prognostizierten Bauzeit bis Mitte 2026. Am neuen Standort könnte man bereits Ende 2024 fertig sein,

Lärmbelästigung könnte der Knackpunkt sein

Nach ersten Schätzungen, so Gramsch, würden die Gesamtkosten von rund 27 Millionen Euro, und damit auch der Eigenanteil Brieselangs, beim neuen Standort etwas niedriger sein. Darin eingerechnet sind etwa 750000 Euro für den Neubau des Vereinsheimes des SV Grün-Weiß Brieselang. Denn: Das jetzige Gebäude müsste abgerissen werden, um Platz für die Gesamtschule zu machen. Vereinsvorsitzender Matthias Reer: „Das wäre bitter, aber unser Verein steht der neuen Idee grundsätzlich positiv gegenüber. Wir möchten in alle Gespräche eingebunden werden.“

Als größtes Problem des neuen Standortes sieht Christian Archilles den Lärm. Rings herum seien Wohngebiete, so dass es hohe Auflagen geben werde. Trotz einiger Bedenken, begrüßten die Hauptausschussmitglieder den Vorschlag der Verwaltung mit dem neuen Standort. Deshalb ist davon auszugeben, dass die Gemeindevertreter grünes Licht für die Architekturstudie geben.

Von Jens Wegener