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Brieselang Kirchengemeinde ist 90 Jahre alt
Lokales Havelland Brieselang Kirchengemeinde ist 90 Jahre alt
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10:36 02.04.2019
Das Festkomitee unter Leitung von Karl-Heinz Gliege (3.v.l.) bereitet die Feierlichkeiten vor. Quelle: Andreas Kaatz
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Brieselang

Als 1925 aus der Kreissiedlung Brieselang offiziell eine Landgemeinde wurde, lebten dort zwar fast 1000 Einwohner. Doch die evangelischen Christen hatten noch keine eigene Heimstatt im Ort. Zu den Gottesdiensten ging es damals nach Bredow. Gut vier Jahre später war es dann aber soweit: Zum 1. April wurde eine evangelische Kirchengemeinde gegründet. Fünf Mitglieder hatte der Gemeindekirchenrat damals, darunter Pfarrer Otto Voigt.

90 Jahre ist das mittlerweile her, und dieses Jubiläum soll nun gebührend gefeiert werden. Dazu gibt es vom 14. Bis 16. Juni ein Fest mit einem bunten Programm. Angefangen von einem Gospelkonzert über ein Podiumsgespräch zur Geschichte der Kirchengemeinde bis hin zum Festgottesdienst mit Posaunenchor und Kirchenchor.

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36 Jahre im Gemeindekirchenrat

„Wir gehörten zum Zeitpunkt der Gründung zum Pfarrsprengel Finkenkrug“, weiß Karl-Heinz Gliege zu berichten, der nun schon 36 Jahre dem Gemeindekirchenrat angehört. Als erstes hatte man dann damals den Schwerpunkt darauf gelegt, einen Bau zu errichten, in dem ein Gemeindeleben möglich ist.

Programm zum Jubiläum der Kirchengemeinde

Das Festwochenende anlässlich des 90-jährigen Bestehens der Evangelischen Kirchengemeinde Brieselang geht über insgesamt drei Tage. Gefeiert wird vom 14. bis zum 16. Juni.

Am Freitag, dem 14. Juni, beginnt um 19 Uhr ein Konzert. Zu hören sein werden Gospel mit dem Chor „Vocal Connection“ sowie Jazz, Rock und Pop mit der Band „BBC“. Am gleichen Tag wird auch die Chronik der Kirchengemeinde vorgestellt.

Am Samstag, dem 15. Juni, gibt es ab 14 Uhr ein buntes Programm auf dem Kirchengelände. Geplant ist zu Beginn ein Podiumsgespräch zur Geschichte der Kirchengemeinde mit allen Pfarrern der Kirchengemeinde.

Danach wird es ein Programm der Kindergartenkinder geben sowie Kaffeetrinken. Zudem sind eine Kita-Tombola sowie Bastel- und Spielangebote für Kinder vorgesehen.

Darüber hinaus führen die Kindergarten-Eltern ein Theaterstück auf und es ist ein Konzert des Jugendblasorchesters geplant.

Am Sonntag, dem 16. Juni, beginnt um 10.30 Uhr ein Festgottesdienst. Außerdem soll ein Graffiti enthüllt werden, das unter Anleitung des Vereins Sprühlinge entstanden ist. Dazu wird es am Freitag (ab 17 Uhr) und Samstag (ab 10 Uhr) einen Workshop geben. Eine Anmeldung ist bis 30. April möglich.

Doch das war nicht so einfach. Denn große Reichtümer konnte die neugegründete Kirchengemeinde nicht vorweisen. Das angestrebte Gemeindehaus mit Kirchsaal sollte schon im ersten Entwurf rund 55 000 Reichsmark kosten. Eine Menge Geld. „Die Finanzierung erwies sich als sehr schwierig“, konnte Gliege alten Unterlagen entnehmen. Allein 15 000 Reichsmark sollte die Gemeinde selbst aufbringen. Das war nur mittels Krediten möglich.

Gebäude wurde gedreht

Hinzu kam, dass das Konsistorium, das den Bau förderte, ein erhebliches Mitspracherecht hatte und die ursprüngliche Planung ablehnte. „Es sollte nämlich später noch ein richtiges Kirchengebäude an den Saal angebaut werden“, so Gliege. Um sich diese Option zu erhalten, musste allerdings das Gebäude auf dem Papier gedreht und der Saal nach Norden ausgerichtet werden.

Das verteuerte die Sache aber, so dass letztlich 66 840,82 Reichsmark auf der Rechnung standen. Immerhin: Der Bauarbeiten dauerten nur ein Dreivierteljahr. Zur Einweihung am 8. März 1931 kam auch Superintendent Otto Dibelius.

Pfarrer bekam Hausverbot

In den 30er-Jahren gehörten der Kirchengemeinde rund 500 Brieselanger an. Pfarrer Voigt bekam in der Zeit für eine Weile „aus disziplinarischen Gründen“ Hausverbot, wie Karl-Heinz Gliege sagte. „Er muss sich wohl auch negativ gegenüber den Nazis geäußert haben.“ Mit Kriegsende gelangten dann nach Brieselang viele Flüchtlinge. Nicht selten, dass es damals mehr als 80 Konfirmanden pro Jahr gab.

Die Finanzsituation indes war anhaltend schwierig, das Geld reichte vorn und hinten nicht. „Die Einnahmen aus Kirchensteuer und Kirchgeld waren zu gering“, sagt Gliege. Hinzu kam, dass zu DDR-Zeiten zahlreiche Austritte zu beklagen waren. „Wir hatten ständig mit dem Geld zu kämpfen.“

Minus in der Kasse

Ein Grund dafür war damals die Unterhaltung der evangelischen Kita, die schon seit 1928 betrieben wird. Die Ausgaben dafür sorgten insgesamt für ein Minus in der Kasse bis in die 80er-Jahre hinein. „Wir hatten mit wenigen Mittel versucht, das Kirchengebäude zu erhalten, damit keine größeren Schäden entstehen.“

Bereits in den 50er-Jahren war unter Federführung von Architekt Hans Klakow der Kirchsaal umgebaut und unter anderem die Kanzel überarbeitet worden. In den 2000ern entstand eine neue Empore. Zudem erhielt die Kita nach der Wende neue Gebäude.

Vom Bevölkerungszuwachs profitiert

Unterdessen hat Brieselang einen gewaltigen Bevölkerungszuwachs zu verzeichnen, mehr als 12 000 Menschen leben dort mittlerweile. „Von dem Zuzug haben auch wir profitiert, viele sind in die Kirche gekommen“, sagt Karl-Heinz Gliege zufrieden. Somit hat die Gemeinde jetzt etwa 1600 Mitglieder, darunter auch viele Kinder.

Und die sorgen für ein abwechslungsreiches Gemeindeleben. So gibt es beispielsweise einen Kinder-, einen Erwachsenen- und einen Posaunenchor. Die Junge Gemeinde ist aktiv und auch zum Bastelkreis wird sich getroffen. Zudem ist die Kinderkirche gut besucht. Derzeit wird sogar daran gearbeitet, eine Patenschaft zur einer Gemeinde in England aufzubauen. Eine Abordnung aus London kommt im Übrigen auch zum Jubiläumsfest.

Graffiti-Workshop geplant

Zudem wird es an diesem Wochenende ein besonderes Angebot für die Jugendlichen geben. Der Verein Sprühlinge bietet einen Graffiti-Workshop an. Dieser beginnt am Freitag und wird am Samstag fortgesetzt.

Von Andreas Kaatz

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