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Brieselang Ein neues Rathaus muss noch warten
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19:09 17.08.2019
Die Brieselanger haben in zwei Wochen die Qual der Wahl. Sie müssen sich zwischen (v.l.) Ralf Heimann, Michael Koch, Kai Nagel und Alexander Thurm entscheiden. Quelle: Andreas Kaatz
Brieselang

Ein neues Rathaus zu bauen, das sollte nicht an erster Stelle bei den Investitionen in der Gemeinde stehen. Darin waren sich die Brieselanger Bürgermeisterkandidaten in der Fragerunde am Freitagabend im Bürgerhaus einig, zu der die Partei Die Linke in Brieselang eingeladen hatte. 

So schätzt Alexander Thurm genauso wie Kai Nagel (B 90/Grüne) ein, dass ein solches Projekt aus Kostengründen keinen Vorrang haben sollte. Michael Koch (CDU) nennt zwar die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter – die auf drei Standorte verteilt sind – eine Zumutung, aber „als erstes einen Verwaltungstempel zu bauen, wäre nicht das richtige Signal“.

Kein Spielraum

Erst wenn alle Wünsche nach einem Kita-Platz erfüllt sind und das Schulprojekt mit 25 Millionen Euro gestemmt ist, könne man es angehen. Ebenso sieht Ralf Heimann (IBB) keinen finanziellen Spielraum, ein solches Projekt zusätzlich in Angriff zu nehmen.

Die vier Kandidaten werden sich am 1. September zur Wahl stellen und wollen Nachfolger von Wilhelm Garn (CDU) werden. Dieser tritt nicht mehr an, wird im Dezember seinen letzten Arbeitstag als Bürgermeister haben.

Chance für frischen Wind

Viele Bürger waren in den letztlich vollbesetzten Saal gekommen, um sich von den Kandidaten einen Eindruck zu verschaffen. Wie Ralf Heimann sagte, sei für ihn Bürgerbeteiligung und Transparenz das Wichtigste. Die Einwohner sollten schon frühzeitig, auch mit digitaler Hilfe, in Entscheidungsprozesse im Rathaus eingebunden werden. Er kündigte an, im Falle seiner Wahl mit allen Fraktionen und Bürgern gut zusammen arbeiten zu wollen.

Michael Koch reizt die Aufgabe sehr: „Es ist eine Chance, für frischen Wind im Rathaus zu sorgen“ – ohne dass er es als Kritik an der jetzigen Arbeit dort verstanden wissen wollte. Er möchte integrierend tätig sein und das Amt überparteilich ausüben. Deshalb werde er im Falle seiner Wahl sein Amt als Ortsverbandschef der CDU abgeben.

Im Interesse der Radfahrer

Wie Kai Nagel betonte, stehe er für eine nachhaltige Gemeindeentwicklung. „Ich will mit mehr Mut Brieselang verändern.“ So sollen unter anderem die Interessen von Fußgängern und Radfahrern mehr berücksichtigt werden. Auch bei den Kitas sieht er Nachholebedarf. Es sollte nicht nur um Betreuungsplätze gehen, „wird dürfen auch die Qualität nicht aus dem Blick verlieren“.

Alexander Thurm – der Kandidat mit den geringsten politischen Erfahrungen – sagte: „Ich betrachte mich als Alternativangebot.“ Handlungsbedarf sieht er unter anderem bei der Schaffung von Kita-Plätzen und bei der Facharztversorgung im Ort.

Zuzug begrenzen

Die Themen, die die Kandidaten als wichtig ansehen, ähnelten sich – von Kita bis Bahnanbindung. Widerspruch kam aus dem Publikum dazu, dass einige Kandidaten den Zuzug begrenzen beziehungsweise nicht ausufern lassen wollten, damit der grüne Charakter des Ortes erhalten bleibt. „Man sollte den Zuzug auch als Chance begreifen“, hieß es dagegen von Kritikern.

Wie Ralf Heimann erklärte, werde sich Brieselang auch weiterhin entwickeln, „wir wollen aber versuchen, Flächen, die noch nicht bebaut und beispielsweise im Flächennutzungsplan als Wiese ausgewiesen sind, zu erhalten“. Ansonsten bekomme man zwar mehr Steuermittel durch den Zuzug, muss aber im Gegenzug auch Geld für Parkplätze, Schulen und Kitas aufwenden.

Angemessene Bebauung nötig

Ähnlich Michael Koch: „Es geht um die Steuerung des Zuzugs.“ So will er verhindern, dass neu ausgewiesene Baugrundstücke zu klein sind, die Ortsentwicklung müsse von innen nach außen erfolgen. Und es sollte verhindert werden, dass Dreigeschosser neben Bungalows entstehen.

Das Bauordnungsamt des Landkreises lege nämlich die erforderliche Orientierung an der Umgebungsbebauung oft zu großzügig aus. „Es kann nicht jeder bauen wie und wo er will“, meint er. Nach Ansicht von Kai Nagel sollte man auch darauf Acht geben, dass Mehrfamilienhäuser mit bezahlbarem Wohnraum entstehen.

„Kompletter Rollenwechsel“

Nachdem Heimann angekündigt hatte, dass er die nach seiner Ansicht in der Gemeindevertretung bestehende Konstellation aus Koalition und Opposition, zu der er sich zählt, auflösen will, fragte Christian Achilles (BFB) nach. „Dass man nicht in Lagern denken soll, finde ich richtig. Nach meiner Beobachtung würde es für Sie aber einen kompletten Rollenwechsel bedeuten, da Sie sich als Frontal-Opposition verstanden haben. Wie soll das gehen?“

Wie Heimann sagt, habe man ihn nicht so tätig werden lassen wie es hätte sein müssen. Die Folge: „Dann muss ich eine Kontra-Haltung einnehmen“. Als Bürgermeister werde er die IBB-Fraktion verlassen und politisch neutral sein. Die Fraktionsvorsitzenden müssten auf ihn zukommen. „Wenn alle Fraktionen ihre Meinung einbringen, dann erhält man einen ausgewogenen Beschluss.“

Öffentlicher Nahverkehr

Ein anderes Thema war der öffentliche Nahverkehr. Da sieht beispielsweise Kai Nagel Bedarf, eine Anbindung per Schiene nach Potsdam hinzubekommen. Für ihn ist aber auch, ähnlich wie für Thurm, der Busverkehr in der Gemeinde ausbaufähig.

Heimann sprach sich für eine Stärkung der Regionalbahn nach Berlin aus. Ebenso bekennt sich Koch zur Regionalbahn, will einen 20-Minuten-Takt von und nach Berlin durchsetzen. Und insbesondere am Wochenende sollte die Busanbindung zwischen Brieselang und den Ortsteilen verbessert werden.

Kritik am Parken auf der Straße

Darüber hinaus wurde an dem Abend über die Erneuerung von Straßen gesprochen sowie darüber, dass zwar viele Bürger Parkplätze auf ihren Grundstücken haben, ihre Autos aber trotzdem auf der Straße parken.

Das beklagte beispielsweise am Anwohner in der Fichtestraße. So habe der Bus teilweise Probleme, durchzukommen. Dieses kann noch größer werden, wenn die Feuerwehr dort nicht durchkommt.

Radweg fehlt immer noch

Abschließend spielte der immer noch fehlende Radweg entlang der L 201 zwischen der Bahnschranke und der Tankstelle in Falkensee eine Rolle. Denn viele Brieselanger nutzen den Weg mit dem Fahrrad, was aber kreuzgefährlich ist, da sie 1,7 Kilometer auf der Straße fahren müssen.

Koch sagte, dass Brieselang dazu mit der Stadt Falkensee und insbesondere mit dem Landesbetrieb Straßenwesen im Gespräch sei. Letzterer sei dafür zuständig, habe aber kein Geld und Kapazitäten. Eine Notvariante wäre nach Kochs Ansicht, dass die beiden Kommunen den Weg vorfinanzieren und sich das Geld dann vom Landesbetrieb holen. Vorher sollten aber andere Möglichkeiten ausgelotet werden, meint er.

Von Andreas Kaatz

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