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Brieselang Bürger sollen mitbestimmen
Lokales Havelland Brieselang Bürger sollen mitbestimmen
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16:11 18.10.2018
Die Skulptur „Brieselanger Nymphe“ von Guido von Martens verschönert den Kreisverkehr seit 2017.
Die Skulptur „Brieselanger Nymphe“ von Guido von Martens verschönert den Kreisverkehr seit 2017. Quelle: privat
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Brieselang

Dass ihr kleiner Rabe für so viel Wirbel sorgen würde, hätten Guido von Martens und Renée Dressler-von Martens wohl nicht gedacht. Als Statue mit integrierter Sitzbank hatten die Brieselanger Künstler den Rabenvogel, der in Anlehnung an die Bibliothek auf einem Bücherstapel thront, für den Vorplatz des neuen Bürgerhauses entworfen und der Gemeinde angeboten. 14 500 Euro sollen das Kunstwerk und seine Installation auf dem Vorplatz in der Wustermarker Allee, der Ende 2018 gestaltet werden soll, kosten.

Widerstand gegen Vorhaben

Noch bevor dieser Vorschlag jedoch zur Abstimmung gebracht werden konnte, regte sich unter einigen Gemeindevertretern – allen voran Ralf Heimann (IBB) – erheblicher Widerstand gegen das Vorhaben. „Es kann nicht sein, dass eine kleine Zahl von Personen darüber bestimmt, welche Statue an einem so öffentlichen Platz aufgestellt wird. Die Bürger sollten an der Themenfindung beteiligt werden und andere Künstler die Chance erhalten, sich hier zu verewigen“, so Heimann.

Wettbewerb für Künstler gefordert

Dass es jedoch lediglich einen Künstler in Brieselang gebe, der Skulpturen anfertigt, gab Bürgermeister Wilhelm Garn (CDU) zu bedenken. „Die Befragung zum Thema kann ich nachvollziehen, aber einen Künstler zu finden, der die Idee dann umsetzt, könnte schwierig werden, und vor allem teuer“, so Garn. Allein für einen Künstlerwettbewerb müsse man, ähnlich wie bei einem Wettbewerb für Architekten, die Kosten bedenken. „Wir müssten ja für jeden Künstler einen Betrag auf den Tisch legen, sonst macht keiner mit. Das können schon mal 70 000 Euro nur für den Wettbewerb zusammenkommen“, sagte Garn weiter. Und ob man sich mit dem Werk eines ortsfremden Künstlers noch identifizieren könne, wäre ebenfalls noch zu klären. „Wir haben gar kein Problem damit, dass Guido von Martens das macht, es geht uns vielmehr um die Diskussion über das Thema, die mit Sicherheit interessant werden könnte. Uns ist bei dem Gedanken unwohl, dass den Bürgern ein Thema vorgesetzt wird“, sagte Christian Achilles (BFB).

Anderen Künstlern Chance geben

„Wie will man Kunst diskutieren?“, fragt sich hingegen Norbert Jütterschenke (SPD). „Die Künstler haben sich Gedanken gemacht und wir könnten ohne großen Aufwand ein tolles Kunstwerk für den Vorplatz bekommen. Alles andere bedeutet einen hohen Aufwand für die Verwaltung, die wir mit einem solchen Schnickschnack nicht auch noch belasten müssen“, so Jütterschenke weiter. „Ich finde es übertrieben. Ein Wettbewerb verursacht mehr Kosten, als das, was dabei rauskommt“, so Michael Koch (CDU). „Wir haben doch eine fast fertige Skulptur. Beteiligung ist gut, aber bei einem größeren Projekt angebrachter“, so auch Heike Swillus (Linke). „Ich bin selbst Mitglied im Kunstverein und es geht bestimmt nicht gegen den Künstler und sein Werk. Es geht darum anderen Personen die Möglichkeit zu geben, sich darzustellen und das im Rahmen eines Workshops“, so Sabine Cory (BFB).

Ein überarbeiteter Antrag auf Bürgerbeteiligung soll nun den Gemeindevertretern vorgelegt werden. Wie und ob die Brieselanger schließlich einbezogen werden, bleibt abzuwarten.

Von Laura Sander