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Brieselang In Elstal dauert die Umstellung der Uhren bis zu drei Tage
Lokales Havelland Brieselang In Elstal dauert die Umstellung der Uhren bis zu drei Tage
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11:37 01.04.2019
Matthias Kunze ist froh, dass es die Zeitumstellung bald nicht mehr gibt.
Matthias Kunze ist froh, dass es die Zeitumstellung bald nicht mehr gibt. Quelle: Jerome Müller
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Elstal

Grund zur Freude hatte Uhrmachermeister Matthias Kunze in der vergangen Woche. Das Europäische Parlament sprach sich für die Abschaffung der Zeitumstellung ab 2021 aus.

„Mich freut die Entscheidung sehr“, sagt Kunze, denn er gehört zu den Kritikern der Umstellung von Winter- auf Sommerzeit oder umgekehrt. Für den Uhrenmachermeister ist jede Umstellung mit großen Aufwand verbunden.

Ungefähr 650 Uhren umzustellen

Doch in diesem und im nächsten Jahr muss es noch einmal sein. Kunze betreibt das Schmuck & Uhrenhaus Kunze in Elstal. „Allein in unserer Filiale haben wir ungefähr 650 Uhren. Diese müssen alle umgestellt werden.“ Dazu kommen noch die Filialen in Falkensee, Brieselang und im Designer Outlet mit ähnlich großen Uhrenbeständen.

Ab Montag wird eine Uhr nach der anderen per Hand neu gestellt. Das mache viel Arbeit und koste nicht wenig Zeit. „Unsere Auszubildenden sind damit bis zu drei Tage lang beschäftigt.“ Abgewinnen kann er dieser Prozedur nichts. „Das ist ein absoluter Stress.“ Besonders aufwendig sei das Stellen der Pendeluhren. „Bei der Umstellung auf die Winterzeit muss das Pendel angehalten und nach einer Stunde wieder angestoßen werden.“

Auch Funkuhren haben ihre Tücken

Zudem gehe damit natürlich auch dekorative Arbeit einher. Das Stellen der Zeit dauere in der Regel nicht allzu lange. „Wir müssen die Uhren aber aus dem Schaufenster nehmen und natürlich wieder ordentlich hinstellen und anordnen.“

Einfacher funktioniere die Umstellung hingegen bei den Funkuhren. „Die stellen sich in der Regel automatisch um.“ Aber auch hier kann es zu Problemen kommen. Durch ein fehlendes Funksignal oder falsche Zeitzoneneinstellungen könne die Umstellung scheitern. Das sorge bei vielen Kunden für Irritationen.

Mühsame Fummelarbeit

„Ab Montag werden mindestens 20 Leute zu uns kommen, die Hilfe benötigen“, weiß Matthias Kunze erfahrungsgemäß. Jedes Jahr bescheren die letzten Sonntage im März und im Oktober Uhrenläden und -besitzern mühsame Fummelarbeit. So richtig glücklich ist damit niemand.

Als der Wechsel zwischen „Normalzeit“ und Sommerzeit 1980 eingeführt wurde, sollte durch eine bessere Nutzung des Tageslichts Energie gespart werden. Bis heute wird darüber diskutiert, ob dieses Ziel überhaupt erreicht werde. Teilweise wird sogar die Meinung vertreten, dass der Energieverbrauch durch das morgendliche Heizen in den kälteren Monaten zwischen März und Oktober zunehme.

Dritte und vierte Generation steht bereit

Es ist Matthias Kunze anzumerken, dass er viel lieber den Unterschied zwischen mechanischen und quarzgesteuerten Uhren sowie die Funktionsweise der verschiedenen Schwingsysteme erklärt, als über Vor- und Nachteile der Zeitumstellung zu reden. Er erzählt von den vielen Großuhren und ist stolz auf die Ausbildung junger Leute für das eigene Geschäft.

Kunze führt den 1955 gegründeten Uhrenhandel nun in zweiter Generation. „Die dritte und vierte Generation stehen aber schon bereit“, verrät er. In wenigen Jahren wird seine Tochter den Betrieb übernehmen. Sie wird sich um das halbjährliche Stellen der Uhren wohl keine Gedanken mehr machen müssen.

Von Jerome Müller